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Beleidigungsklage möglich
Bahn prüft Vorgehen nach Nazi-Vorwürfen

Mehdorn als  "Nazi" beschimpft
Mehdorn als "Nazi" beschimpft FOTO: RP, T. Busskamp
Düsseldorf. Die Deutsche Bahn AG prüft, wie sie auf Äußerungen des Geschäftsführers der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Michael Szentei-Heise, gegen Bahnchef Hartmut Mehdorn reagiert. Möglich wäre eine Beleidigungsklage. Von Dirke Köpp

Der Bahn-Vorstand habe die Äußerungen "mit Empörung und Fassungslosigkeit" aufgenommen, erklärte das Unternehmen am Dienstag in Berlin. Mehdorn sprach im Namen des Vorstands von "ungeheuerlichen Vorwürfen", die sich "von selbst" disqualifizierten. "Die Äußerungen sind unverzeihlich, und wir werden es den Juristen überlassen, diese zu bewerten."

Bei der Eröffnung der mobilen Ausstellung "Zug der Erinnerung" zur Deportation von Kindern und Jugendlichen in der NS-Zeit hatte Szentei-Heise am Sonntag gesagt, Mehdorn sei innerlich ein "Nazi". Oberbürgermeister Joachim Erwin distanzierte sich: "Ich halte die Äußerung nicht für angemessen. Aber das hat Herr Szentei-Heise selbst zu verantworten."

Der hatte am Sonntag ferner gesagt: "Wenn Herr Mehdorn im Dritten Reich in derselben Position gewesen wäre wie heute, hätte er mit großer Überzeugung Deportationen angeordnet." Er mutmaßte, der Bahn tue es heute noch leid, Kinder gratis in den Tod transportiert zu haben. Einer Klage von Hartmut Mehdorn sehe er "gelassen" entgegen, sagte er auf Anfrage.

Hintergrund ist der Unmut der Organisatoren der Ausstellung darüber, dass die Bahn Trassengebühren berechnet. Dazu sagte ein Bahn-Sprecher: "Wir sind per Gesetz verpflichtet, Gebühren zu erheben." Die Vorwürfe, das Unternehmen wolle sich der Rolle der Reichsbahn im Dritten Reich nicht stellen, nannte er haltlos. "Wir haben nichts gegen seriöse Aufarbeitung, unterstützen Forschungsprojekte und haben eine eigene Ausstellung in Berlin."

Für den evangelischen Superintendent Ulrich Lilie ist das Verhalten der Bahn "ein Skandal". "Den Verantwortlichen bei der Bahn und im Verkehrsministerium scheint es an Fingerspitzengefühl zu fehlen. Sonst würden sie sich der politischen Verantwortung stellen und den Zug der Erinnerung unterstützen."

Quelle: RP
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