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Düsseldorf
Banken verzichten noch auf Negativzins

Düsseldorf. Bislang erheben Düsseldorfs Kreditinstitute keinen Strafzins von ihren Sparern, obwohl sie selbst 0,4 Prozent für ihre Einlagen bei der EZB zahlen müssen. Ausschließen können die Banken einen Negativzins mittelfristig aber nicht. Von Thorsten Breitkopf

Eine kleine Genossenschaftsbank am beschaulichen Tegernsee hat in der vergangenen Woche bundesweit für großes Aufsehen und mediales Interesse gesorgt. Der Vorstand der Raiffeisenkasse im bayerischen Gmund ist einen unpopulären Schritt gegangen. Die Banker schrieben knapp 140 Privatkunden an, die bei dem Kreditinstitut mehr als 100.000 Euro auf Sparbüchern und Ähnlichem angelegt haben. Insgesamt geht es um eine Summe von 40 Millionen Euro. Die Bank könne den Negativzins, den die EZB den Banken auferlegt, wenn sie Geld bei der Zentralbank parken, nicht mehr alleine tragen. Deshalb bietet sie ihnen an, in andere, für die Bank rentablere Anlageformen zu wechseln - oder die 0,4 Prozent selbst zu zahlen.

Diese Raiffeisenbank ist die erste deutsche Filialbank, die die Negativzinsen der Notenbank an Privatkunden weitergibt. Bisher gab es Negativzinsen nur für Firmen, die viel Geld bei der Bank aufbewahren oder für Privatleute mit sehr hohem Vermögen - etwa bei der Commerzbank, bei der DZ Bank oder auch bei der Skatbank, der Internettochter einer Volksbank in Thüringen. Nun fällt ein weiterer Dominostein, und viele Düsseldorfer fragen sich, ob sie auf ihr Erspartes auch bald Negativzinsen zahlen müssen.

Die gute Nachricht für Sparer: Bislang erhebt kein Düsseldorfer Kreditinstitut Negativzinsen für Kleinsparer. Auch gibt es kein Institut, dass tatsächlich null Prozent Zinsen auf Spareinlagen zahlt.

Allerdings lassen die Renditen mehr als zu wünschen übrig. Viel näher an Null können die meisten Düsseldorfer Banken nicht kommen. Unsere Redaktion hat die Konditionen auf Sparbüchern mit dreimonatiger Kündigungsfrist verglichen. Das Bild ist mager: Stadtsparkasse, Kreissparkasse, Volksbank, Apobank sowie Deutsche und Commerzbank zahlen alle unisono 0,01 Prozent Zinsen aufs Sparkonto. Postbank und PSD Bank ködern mit 0,05 Prozent. Bei höheren Einlagen steigt der Zinssatz bei der PSD sogar auf 0,2 Prozent an, relativ gesehen viel. Die PSD ist eine Direktbank, die nur wenige Filialen unterhält.

"Auf Negativzinsen für Sparer wollen wir, so lange es geht, verzichten", sagt PSD-Vorstand August-Wilhelm Albert. Man habe kurz darüber nachgedacht, wolle aber auch 2017 nicht negative Zinsen erheben. "Die für die Bank dadurch entstehenden Kosten - schließlich zahlen wir ja 0,4 Prozent Strafzinsen bei der EZB - decken wir durch Quersubventionen aus dem Kredit- und Provisionsgeschäft", sagt Albert. Ausschließen kann er Negativzinsen aber nicht: "Ich würde niemals nie sagen, dafür gibt es zu viele politische Störgrößen", so Albert.

Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf gibt es zurzeit keine Pläne, einen Negativzins an Sparer im breiten Privatkundengeschäft weiterzuleiten. Bei einzelnen vermögenden Kunden mit Einlagen im Millionenbereich habe man individuelle Vereinbarungen getroffen, sagt Privatkundenvorstand Michael Meyer. Er kritisiert die Strafzins-Politik der EZB. "Langfristig gefährdet man das etablierte Geschäftsmodell der Sparkassen und Genossenschaftsbanken dadurch", sagt Meyer.

Rainer Mellis, Chef der Volksbank Düsseldorf-Neuss, sieht es ähnlich. "Wir werden gezwungen, Geld bei der EZB zu parken, und zahlen dafür eine Strafe", sagt Mellis. Er plant keinen Negativzins. "Ich glaube aber, dass immer mehr Banken dem Vorbild aus Gmund folgen werden und bei Guthaben über 100.000 Euro den Negativzins weiterleiten."

Quelle: RP
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