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Neue Wehrhahn-Linie
Ausgezeichnet – und im Zeitplan

Düsseldorfer feiern neue Wehrhahn-Linie
Düsseldorfer feiern neue Wehrhahn-Linie FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Der Bau der Wehrhahn-Linie hat den Stuva-Preis erhalten. Am reibungslosen Ablauf waren neben der Stadt zahlreiche Firmen beteiligt.

Deutsche Großbauprojekte bekommen oft viel negative Aufmerksamkeit. Bei der Wehrhahn-Linie, die jetzt eröffnet wird, ist das anders. Im Gegenteil – sie hat sogar eine Art Ritterschlag erhalten: Die Stadt Düsseldorf sowie die beteiligten Ingenieure und Firmen wurden im Dezember mit dem STUVA-Preis der Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen ausgezeichnet, unter anderem für ihre Zusammenarbeit, die zukunftweisende Nutzung von unterirdischem Raum und die zahlreichen technischen Neuerungen, die beim Bau zum Einsatz kamen.

Doch bevor überhaupt mitten in der Düsseldorfer Innenstadt gebaut werden konnte, musste die komplette Statik genauestens überprüft werden. Die Prüfgemeinschaft Wehrhahn-Linie war damit beauftragt. "Wir hatten bei unserer unabhängigen Prüfung festzustellen, ob die Anforderungen an die Standsicherheit der Tunnelanlage erfüllt war", sagt Dr. Jörg Erdmann vom Ingenieurbüro Erdmann und Brandmann als technischer Federführer der Prüfgemeinschaft.

Besichtigungen: Blick in die "Heinrich-Heine-Allee" und "Benrather Straße" FOTO: Schaller,Bernd

Zum einen handelte es sich bei der Wehrhahn-Linie um ein besonders großes Projekt mit tiefen Baugruben für die Bahnhöfe, zwei langen Tunnelstrecken sowie der Unterfahrung des Kaufhofs an der Kö. Zum anderen kamen bei dem Projekt nahezu alle Spezialtiefbauverfahren wie Schlitzwände, Hochdruckinjektionen, Fundamenthebungen oder Vereisung des Untergrundes zum Einsatz. "Ein Mehr an Ingenieurtiefbau ist im innerstädtischen Bereich nicht möglich", sagt Erdmann. "Und unsere baustatische Prüfung konnte die Planungen dieser besonderen Baumaßnahme bestätigen und zur Ausführung freigeben."

Wehrhahn-Linie - ein kompliziertes Projekt

Alle Tunnel und Rampenbauwerke, fünf der sechs Bahnhöfe sowie alle Arbeiten an der Oberfläche wie Straßen-, Gleis-, Kanal- und den Leitungstiefbau unter anderem für Strom und Wasser zu erstellen, lag in der Verantwortung von Implenia Construction (vormals Bilfinger). "Die große Herausforderung bestand darin, innerstädtisch zu bauen", sagt Georg Lottritz, Gesamtprojektleiter Los 1 der Wehrhahn-Linie. Schließlich standen nur sehr beengte Flächen für die Bauaktivitäten zur Verfügung. Der Verkehr musste aufrechterhalten und alle Zugänge zu den Gebäuden gewährleistet werden. "Dass die gesamte Logistik reibungslos funktioniert hat, darauf sind wir stolz", meint Lottritz.

Die technischen Anforderungen lagen in den Bauverfahren selbst. Zum einen in der Deckelbauweise der Bahnhöfe, bei der nach der Fertigstellung der jeweiligen Baugrubenumschließung die Arbeiten unter Tage weiter gingen. "Am spektakulärsten war es aber, den eigentlichen Tunnel herzustellen", erklärt Lottritz, "sich mit dem 9,50 Meter hohen und 65 Meter langen Schildbohrer unter der Stadt hindurchzugraben, ohne dass davon an der Oberfläche irgendetwas spürbar war oder dass Bauwerke beschädigt worden sind."

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15 Jahre nach dem Start ist das Ziel erreicht

Bauen unter einer Großstadt, Stichwort Stadtverträglichkeit: Dass dies gelang, lag in der Obhut der Ingenieursgemeinschaft Bauüberwachung Wehrhahn-Linie. Federführend dabei war die Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft. "Wir waren für die Objektplanung der Ingenieurbauwerke, der Verkehrsanlagen und der Tragwerksplanung zuständig und mit umfangreichen Baumanagementaufgaben betraut", sagt Nobert Schüßler, geschäftsführender Gesellschafter von Schüßler-Plan. "Und 15 Jahre nach dem Start des Großprojekts ist die 3,4 Kilometer lange Stadtbahnlinie termingerecht am Ziel."

Neben dem Bau der Wehrhahn-Linie sei für ihn auch die Verknüpfung dieses Projektes mit dem Bau des Kö-Bogen-Tunnels einer der Planungshöhepunkte gewesen, sagt Schüßler. "Aber in Sachen Wehrhahn-Linie selbst war für uns Ingenieure die Herstellung der Bahnhofsbauwerke und die Unterfahrung des denkmalgeschützen Kaufhofs die größte technische Herausforderung."

Für die Unterfahrung des Kaufhof-Gebäudes zeichnete die Firma Wayss & Freytag Ingenieurbau technisch federführend in der "Arbeitsgemeinschaft Los 2” verantwortlich. "Wir haben den Auftrag mit dem Sondervorschlag gewonnen, den Baugrund unter dem mehr als 100 Jahre alten Jugendstilgebäude zu vereisen", erklärt Bereichsleiter Thomas Fiedler von Wayss & Freytag. Ein sehr spezielles und nicht alltägliches Verfahren, für das die Firma Max Bögl die Fachbauleitung hatte, war die Vereisung des Bodens nah an Fundamenten und Kellergeschoss des Kaufhofs – "der größte Eisklotz in Westeuropa".

Die Haltestellen der neuen Wehrhahn-Linie FOTO: RP-Grafik

"Die Wehrhahn-Linie ist ein enormer Mobilitätsgewinn"

Vom Start- bis zum Endschacht musste dafür zunächst ein System von 120 Gefrierrohren auf einer Länge von 75 Metern in den Grund gebohrt werden. Besonders schwierig: Die Bohrung musste einen großen Bogen bis zur Zielbaugrube beschreiben. "Zur Steuerung hatten wir ein sehr kostspieliges Kompass-System im Bohrkopf im Einsatz, das normalerweise zur Gewinnung von Erdöl verwendet wird", erklärt Fiedler. In das fertige Rohrsystem wurde schließlich Sole – eine wässrige Salzlösung – mit einer Temperatur von minus 35 Grad gepumpt, dann das Ganze 60 Tage lang gefroren.

Im Schutz des 2,50 Meter dicken Eises konnte schließlich mit Baggern und Fräsen der eigentliche Tunnel zwölf Meter unter dem Kaufhof in bergmännischer Bauweise gebohrt, der Stollen anschließend mit Spritzbeton gesichert werden. Immer in dem Bewusstsein, dass hinter dem Frostkörper im kiesigen sandigen Untergrund das Grundwasser steht. Dann erst wurden die Tunnelbauteile eingebaut. "Dass der Mannschaft dies alles gelungen ist, ohne nennenswerte Schäden am Kaufhof zu verursachen, ist eine herausragende technische Leistung", sagt Fiedler, der gleichermaßen die Zusammenarbeit aller Beteiligten – auch in schwierigeren Bauphasen – lobt. "So haben wir es geschafft, in time ein sehr großes Bauvolumen zu bewältigen."

"Wenn die Wehrhahn-Linie heute offiziell in Betrieb genommen wird", sagt Schüßler, "ist dies ein enormer Mobilitätsgewinn für die Landeshauptstadt. Zugleich gelten die neuen Bahnhöfe als neue Visitenkarte Düsseldorfs", so Schüßler weiter. "Und die Wehrhahn-Linie ist ein wunderbares Beispiel für die Verschmelzung von Architektur, Städtebau, Kunst und Ingenieurbaukunst."

Quelle: RP
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