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Düsseldorf
Beckmanns Zahlen noch schlechter

Düsseldorf. Der Verein "Gemeinsam gegen Kälte" hat 2015 nur 13.142 Euro an Obdachlosenprojekte ausgeschüttet.

Die Geschäftstätigkeit des Obdachlosenhilfsvereins "Gemeinsam gegen Kälte" wirft immer mehr Fragen auf. Die Abrechnung für das vergangene Jahr, die unserer Redaktion vorliegt, weist nur eine Ausschüttung an Hilfsprojekte in Höhe von 13.142 Euro aus. Dazu kommt ein Posten für "direkte Zuwendungen an arme Menschen" in Höhe von rund 11.000 Euro. Der Verein um den Cellisten Thomas Beckmann hatte aber, vor allem durch Spenden sowie durch Landeszuschüsse, fast 400.000 Euro eingenommen. Das Geld wurde durch hohe Ausgaben aufgezehrt: Allein für Personal wurden laut dem Papier rund 164.000 Euro aufgewendet, zudem verfügt der Verein laut Geschäftsführer Beckmann über drei Autos. Für 2016 präsentierte Beckmann den Mitgliedern zwar eine geplante höhere Projektförderung in Höhe von 120.000 Euro - allerdings bei einem Verlust von fast 80.000 Euro, trotz geplanter Einnahmen etwa in Höhe des Vorjahrs. Die schlechten Zahlen hatten vereinsintern zu Kritik geführt. Der Stadtrat hatte bereits einen Zuschuss für 2015 verweigert, da sich der Verein nicht mit einem Spendensiegel zertifizieren lässt.

Auch die Landespolitik meldet sich zu Wort. Der Abgeordnete Stefan Engstfeld (Grüne) fordert Beckmann auf, "Transparenz in der Bilanz herzustellen". Beckmann betont, dass die Ausschüttung nicht der einzige Vereinszweck sei, sondern man laut Satzung auch kulturelle Zwecke verfolge und der Einfluss seiner Konzerte auf die Meinungsbildung zu berücksichtigen sei. Zudem beschäftige er Mitarbeiter mit schlechten Arbeitsmarktchancen.

Engstfeld warnt, dass die Kritik am Verein nicht mit der anderen Debatte vermischt werden sollte, in die der Cellist involviert ist. Die Stadt will ihn zum Auszug aus dem Schumann-Haus bewegen, um ein Museum einzurichten. Nun wurde dem Cellisten eine andere Wohnung angeboten: Beckmann soll ins Pförtnerhaus am Südfriedhof ziehen. "Das kommt für mich nicht infrage", sagte er unserer Redaktion.

(arl/sg)
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