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Düsseldorf
"Bei Papa dürfen wir länger aufbleiben"

Düsseldorf: "Bei Papa dürfen wir länger aufbleiben"
Stefan Pascher mit seinen Söhnen Leon (7, oben) und Joel (5) im Garten seines Einfamilienhauses an der Golzheimer Heide. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Im 14-tägigen Rhythmus ist Stefan Pascher für eine Woche alleinerziehender Vater. Dann betreut er seine beiden Söhne Leon und Joel rund um die Uhr. Das machen Männer immer noch selten. Von Jörg Janssen

Joel stürmt aus dem Garten ins Wohnzimmer. "Papa, Papa, ein Vogel hat den Regenwurm gebissen, wir haben ihn jetzt in ein Glas mit Wasser getan", ruft der Fünfjährige. "Guck' ich mir gleich an", sagt Stefan Pascher. Das Wörtchen "gleich" hat Bruder Leon inspiriert. "Gehen wir gleich noch schwimmen, bitte", sagt der Ältere und erhält lautstarke Unterstützung von seinem jüngeren Bruder, der es sich gerade auf der Rutsche bequem gemacht hat: "Jaaaa, bitte!"

Lebhaft geht es zu in dieser Woche. Denn der freiberuflich tätige Experte für Baufinanzierungen ist dran mit der Betreuung seiner Söhne. "Eine Woche sie, eine Woche ich - so haben wir das vereinbart", sagt der 50-Jährige und zeigt auf einen Familienkalender, der in der Küche hängt. Ganz rechts in der Spalte steht jeweils ein "S" und ein "J". Das S bedeutet Stefan, das J steht für Jenny, Paschers Ex-Frau. Die 27-Jährige wohnt in der Nähe. "Was die Kinder betrifft, tauschen wir uns ganz locker aus. Laufzettel, die beispielsweise an der Kita-Pin-Wand hängen, schicken wir uns über WhatsApp, damit wir immer auf dem gleichen Stand sind", sagt er.

Vor dreieinhalb Jahren scheiterte die Ehe. Für den Familienmenschen, der in Bilk mit drei weiteren Geschwistern aufwuchs, eine bittere Pille. Nicht zuletzt, weil er es von zu Hause anders kannte. "Meine Eltern waren 55 Jahre verheiratet, eine Zeit mit Höhen und mit Tiefen, aber zusammengeblieben sind sie natürlich." Von seinem inzwischen verwitweten Vater Hans-Peter hat er als jüngstes Kind viel gehabt. "Ich war bei TuRu Düsseldorf, mein Vater hat mich zu jedem Training und zu jedem Spiel begleitet. Das war toll."

Eine prägende Erinnerung. Denn genau das möchte Pascher sein: ein Vater, der im Alltag eine Rolle spielt, der viel Zeit mit den Söhnen verbringt, auf den man sich verlassen kann. Dabei weiß er, dass viele Männer sich nach Trennungen eher zurückziehen. "Die einen argumentieren mit einer Sechs-Tage-Woche und der alles beherrschenden Arbeit. Andere räumen ein, dass die Rolle, die nun mal meist eine Mutter einnimmt, nicht so ihr Ding ist. Aber ich wollte nicht nur der Spaß-Wochenend-Papi alle 14 Tage sein."

In Paschers Kinder-Woche kommt es vor allem auf eins an: Struktur. "6.45 Uhr aufstehen, Toast einwerfen für die Jungs, Schulbrot für Leon machen. Joel zur Kita bringen, danach ins Büro, das am Hauptbahnhof liegt", beschreibt er den Morgen. Seine Auftraggeber, dazu zählt neben der Sparda-Bank auch Schwäbisch Hall, kommen ihm entgegen. In der einen Woche arbeitet er um die 30, in der anderen um die 50 Stunden oder mal zusätzlich am Samstag. Ein Arrangement, das für ihn Gold wert ist.

Warum, das wird auch an diesem Nachmittag deutlich. Denn immer mittwochs macht Joel Judo. Und Erstklässler Leon hat Sport AG in seiner Grundschule. Und so juckelt ihr Papa irgendwann nach 14 Uhr von der City in die Unterrather Siedlung, lädt Joel ein, fährt zum Judo-Sportzentrum in Derendorf und wieder zurück nach Unterrath. Bis die Jungs ("bei Papa dürfen wir ein bisschen länger aufbleiben") irgendwann nach 20 Uhr ins Bett fallen, stehen dann noch Spielplatz, Eiscafé oder Schwimmbad auf dem Programm.

Sport hat Pascher früher deutlich öfter gemacht, und Verabredungen mit Freuden muss er akribisch vorplanen. Anstrengend? "Ja", antwortet er. Trotzdem zufrieden? "Mehr als das." Und was treibt ihn an? "Ich liebe meine Söhne, und ich will sie einfach ganz oft bei mir haben."

Quelle: RP
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