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Düsseldorf
"Bei uns bleibt niemand lange allein"

Düsseldorf: "Bei uns bleibt niemand lange allein"
Die Eltern des "Welcome Committee" der Internationalen Schule helfen Neuankömmlingen, in Deutschland und Düsseldorf heimisch zu werden. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Eltern vom "Welcome Committee" der Internationalen Schule helfen Neuankömmlingen, sich in Düsseldorf zuhause zu fühlen. Von Tino Hermanns

Weltbürger zu sein und sich überall heimisch zu fühlen, ist das Ziel. Schüler aus 52 Nationen lernen genau das zusammen an der International School of Düsseldorf (ISD) in Kaiserswerth. Und ganz nebenbei lernen sie dabei nicht nur den vorgeschriebenen Unterichtsstoff, sondern auch voneinander. Der Einblick in unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen lässt die Schüler weltoffen und tolerant werden. Was aber Kindern und Jugendlichen wegen ihrer natürlichen Neugier vergleichsweise leicht fällt, ist für Erwachsene oft schwer - wie etwa für die Eltern der ISD-Schüler. Sich in neue Lebensumstände einzufinden, sich an einen neuen Arbeitsplatz, ein neues Umfeld und dann noch eine fremde Stadt zu gewöhnen, kann zu Entfremdung führen, ein Gefühl der Heimatlosigkeit auslösen.

Ganz anders ist das für die ISD-Elternschaft, denn das "Welcome Committee", in dem 39 verschiedene Nationaltäten vertreten sind, steht allen Neuankömmlingen in Düsseldorf mit jedem Rat und vielen Taten zur Seite. "Wir schauen, aus welchem Land die neuen Schüler und deren Eltern kommen, und vermitteln, sofern es gewünscht ist, Kontakte zu Eltern aus dem gleichen Land. Wir geben praktische Hilfen vom alltäglichen Leben über Tipps für sämtliche Behördengänge bis hin zu schulischen Belangen", erläutert Carol Krafft vom Welcome Committee. "Bei uns bleibt niemand lange allein." Und Deutschkurse gibt es auch.

Von Anfang an sorgen diejenigen ISD-Eltern, die schon länger in der Landeshauptstadt sind und sich deshalb schon gut auskennen, für eine Wohlfühlatmosphäre für die Neulinge. Und die Unterstützung der ISD durch Louise Mather, die herzliche rheinische Mentalität, die Hilfsbereitschaft und die Offenheit der Düsseldorfer tun ihr übriges dazu.

Das Welcome Committee hat ein eigenes Booklet aufgelegt, das umfassende Informationen enthält, die im Alltag helfen sollen. Über Banken und Versicherungen beispielsweise, über den Personennahverkehr, die Einkaufsmöglichkeiten, das Gesundheitswesen. Aber auch über Kulturangebote, Kirchen und Tempel verschiedenster Religionen und über Restaurants. Das kommt auch Deutschen zugute. "Wir betreuen auch Eltern, die aus Nord- oder Süddeutschland kommen oder nach längerem Auslandsaufenthalt zurückgekommen sind. Auch sie fühlen sich manchmal, als ob sie zwischen den Stühlen sitzen", so Krafft.

Dass das Welcome Committee ganze Arbeit leistet, bestätigen Maria José Guallar aus Spanien und Katja Damasco aus Brasilien, die davon schon profitiert haben. "Wir haben eine spanische WhatsApp-Gruppe, in der wir uns gegenseitig helfen und uns auch zum Sport oder zum Essengehen verabreden. Ich wurde sofort aufgenommen und war direkt mittendrin. Berührungsängste gab es nicht", erläutert Guallar. Sie fühlt sich nun schon nach kurzer Zeit in Düsseldorf pudelwohl: Nur die Tatsache, dass der Himmel öfter so grau ist, stört die Spanierin.

Auch mögliche Kulturschocks werden durch die Helfer abgefedert. So hatten nicht nur die Brasilianer jede Menge Spaß im rheinischen Karneval: "Wir haben uns alle als Piraten verkleidet, waren beim Rosenmontagszug und auch beim Sturm aufs Rathaus an Altweiber dabei", so Damasco. "In unserer Gruppe waren auch Eltern aus den USA, aus England, Spanien und noch so einigen anderen Nationen." Ohnehin gehört das deutsche Brauchtum mit dem Martinstag oder Schützenfesten fest zum Eltern-Bildungsprogramm des "Welcome Committees".

Auch Krafft selbst vertraute einst auf die Hilfe der ISD-Eltern. "Es brauchte trotzdem seine Zeit, bis ich mich richtig heimisch gefühlt habe", sagt sie. Inzwischen ist sie 23 Jahre in Deutschland.

Nach elf Jahren an der ISD will die Schottin Louise Mather nicht mehr weg. Für sie ist Düsseldorf längst Heimat geworden. "Ich werde die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen", verrät sie. "Düsseldorf ist einer der nettesten Orte in Deutschland." Sie möchte weiterhin Weltbürgerin in Düsseldorf sein - und nicht Opfer des Brexits werden.

Quelle: RP
 
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