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Düsseldorf
Bergische Kaserne - die große Leere

Blick in die Bergische Kaserne in Düsseldorf
Blick in die Bergische Kaserne in Düsseldorf FOTO: Bretz, Andreas (abr)
Düsseldorf. Seit 2007 wird das militärische Areal im Osten Düsseldorfs kaum noch genutzt: nur vom Ausbildungsmusikkorps und dem Sanitätsversorgungszentrum. 2017 gehen auch sie. Nun sollen auf eine Freifläche Flüchtlinge ziehen. Von Denisa Richters und Andreas Bretz (Fotos)

Die Szenerie erinnert an dänische Psychofilme: Der Herbststurm jagt Wolken über die Landschaft, Hallen sind von Unkraut umwuchert, in einzelner Mann dreht auf dem Oval des Sportplatzes seine Runden. Alles andere wirkt wie ausgestorben.

Das wird sich bald ändern. Bis zu 1000 Flüchtlinge sollen hier in einigen Monaten leben. Winterfeste Leichtbauhallen werden dafür errichtet. Es ist bereits rot abmarkiert, wo der Zaun stehen wird, der das militärische Gelände vor den Flüchtlingen schützen soll. Oder ist es andersrum? Es ist eben doch eine Kaserne - wenn auch nur noch wenig genutzt - und somit militärischer Sicherheitsbereich.

Doch am Zaun soll es nicht scheitern. Das Land braucht die Notunterkunft. Und es wird nun schon seit mehr als einem Jahr darum gerungen. Zuerst waren dafür Bestandsgebäude im Gespräch, was aber immense Instandsetzungskosten verursacht hätte. Beim Blick von außen ist das schwer zu verstehen. Die 40 Gebäude auf dem 24 Hektar großen Areal der Bergischen Kaserne sehen gut erhalten aus. Die Bauten, die noch von etwa 100 Dienstleistenden genutzt werden, zum Beispiel vom Ausbildungsmusikkorps Hilden oder den Medizinern des Sanitätsversorgungszentrums, sind auch tatsächlich gut in Schuss.

Fotos: Traglufthalle für Flüchtlinge in Düsseldorf aufgebaut FOTO: dpa, fg jai

Anders ist das bei jenen 60 Prozent, die seit Jahren leerstehen. Dort rieselt der Putz von den Wänden, Wasserschäden, undichte Fenster, die Heizungen abmontiert. Vom Zustand der Versorgungsleitungen nicht zu reden. Rundherum wuchert aus allen Ritzen Unkraut. Nur der Rasen ist frisch gemäht, was in der Tristesse absurd akkurat wirkt.

Teilbereiche auf dem Areal in Ludenberg zwischen Bergischer Landstraße und Knittkuhler Straße sind denkmalgeschützt. Altfränkisches Flair. Die Wehrmacht hatte 1937 die Luftwaffenkaserne gebaut, in der nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu 1500 Soldaten der Bundeswehr gedient und gelebt haben. Der steinerne Turm links von der Zufahrt, in dem früher die Kommandantur untergebracht war, wirkt mittelalterlich. An der Fassade hängt der Bergische Löwe. "Diese Kaserne hat was", sagt Stabsfeldwebel René Amende, der von 1999 bis 2002 hier stationiert war. "Schade drum." Auf dem Gelände in der Größe von fast 50 Fußballfeldern gibt es riesige Lagerhallen, ein Heizkraftwerk. Wohnblöcke - alle nach dem gleichen Prinzip aufgebaut: im Erdgeschoss Verwaltungsräume, oben die Stuben. 110 Mann waren pro Block untergebracht. "Eine Kompanie ist aufgebaut wie eine militärische Heimat", sagt Oliver Arning, Sprecher des Landeskommandos.

Zusammenhalt steht im Vordergrund. Wohl auch deshalb gab es im Hauptgebäude einen Querriegel mit niedlichem Türmchen auf dem Dach, ein Unteroffiziersheim und ein separates Mannschaftsheim. An der Wand wirbt ein Plakat martialisch für die "Max Fight Night" 2006 in der Philippshalle. Der Speisesaal ist riesig, sicher 500 Quadratmeter groß, nebenan steht noch die Spülstraße. Und immer wieder Hinweise: "Betreten der Truppenküche verboten!", "Brot nicht an die Heizung stellen!!" - und, ganz unscheinbar, eine Kopie mit aktuellem Inhalt: Alpha, Bravo, Charlie, Delta. Die Gefährdungsstufen bei drohenden Terrorangriffen.

Quelle: RP
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