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Nach Absage an Uni Düsseldorf
Bernd Lucke will selbst Diskussion veranstalten

Bernd Lucke will in Düsseldorf selbst Debatte veranstalten
Asta-Vorsitzender David Klatt (l.), Uni-Sprecher Julius Kohl und die Rektorin Anja Steinbeck rechtfertigten gestern die Absage einer Diskussion, an der auch Bernd Lucke teilnehmen sollte. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Nach dem Ärger um die Absage einer geplanten Veranstaltung an der Heinrich-Heine-Uni will der ausgeladene Bernd Lucke jetzt selbst aktiv werden. Uni und Studentenvertretung verteidigten ihr Handeln. Von Uwe-Jens Ruhnau

Heute hätte an der Heinrich-Heine-Universität die Podiumsdiskussion um das Freihandelsabkommen TTIP stattgefunden. Uni-Rektorin Anja Steinbeck und der AStA-Vorsitzende David Klatt stellten sich gestern Nachmittag kurzfristig der Presse, um die Absage vom vergangenen Donnerstag zu begründen. Die Polizei war nach Informationen unserer Redaktion für eine Teilnahme angefragt, lehnte die Offerte aber ab. Sie hatte nicht zur Absage der Podiumsdiskussion geraten. Diesen Eindruck hatten Uni und AStA erweckt. Man habe mit der Bezeichnung "in Abstimmung" eine eigene Wortwahl getroffen, räumte Uni-Sprecher Julius Kohl ein. Die Polizei hatte ein erwartbares Potenzial von Störern gesehen.

An der Diskussion sollte Bernd Lucke, heute Chef der "Allianz für Fortschritt und Aufbruch", in seiner Eigenschaft als Wirtschaftsprofessor teilnehmen. Da er ehemals Vorsitzender der AfD war, ist er umstritten. Im Internet wurde er von Kritikern als "Rechtspopulist" bezeichnet. Er hatte die Partei jedoch wegen ihres Rechtsrucks verlassen. Er kündigte gestern gegenüber der Rheinischen Post an, die Diskussion selbst in Düsseldorf organisieren zu wollen, stehe aber auch der Hochschule zur Verfügung, wenn es eine Neuansetzung geben sollte. Neben Lucke waren Gerhard Eschenbaum (Vize-Hauptgeschäftsführer und Leiter der Abteilung Außenwirtschaft bei der IHK), Heinz-Josef Bontrup (Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Westfälischen Hochschule) und ein Vertreter von Greenpeace eingeladen. Sie hatten teils erzürnt auf die Absage reagiert. Aus dem Freundeskreis der Universität wurde der Vorwurf laut, die Hochschule habe sich blamiert.

Fotos: Bernd Lucke – Familienvater, Professor, Ex-AfD-Gesicht FOTO: dpa, pse jak

Hauptursache für die Absage sei eine Gefährdungslage gewesen, so Steinbeck und Klatt, die Hochschule und AStA nur schwer hätten einschätzen können. Es habe einen anonymen Drohbrief gegen einen Uni-Angehörigen gegeben. Die Polizei ermittle gegen Unbekannt, auch wegen der vielen Androhungen von Gewalt im Internet. Es hätte "Gemüse" fliegen können oder auch ein Schuh. Eine Bombendrohung habe es aber nicht gegeben.

"In der Abwägung haben wir uns für die Absage entschieden", sagte Steinbeck. Dies sei "zu 100 Prozent richtig gewesen", die Sicherheit gehe vor. "Die Kürze der Zeit hätte für ein Sicherheitskonzept nicht ausgereicht", ergänzte Klatt. Ob man die Veranstaltung noch durchführen wolle, ließ er offen. Darüber werde das Studierendenparlament entscheiden. Ihm sei er bei der Verwendung von Mitteln, beispielsweise für einen Sicherheitsdienst, auch verantwortlich.

Die Uni-Rektorin kündigte an, die Veranstaltung des AStA zu unterstützen, sollte sie wiederholt werden, und einen Raum zur Verfügung zu stellen. Die Meinungsfreiheit sei nicht infrage-, sondern lediglich zurückgestellt worden. Mit einer Neuansetzung der Veranstaltung könne man diese wiederherstellen. Einen Fehler sehen weder Klatt noch Steinbeck bei sich. Die Uni-Rektorin meinte, man müsse sich fragen, was man an einer Hochschule zu leisten imstande sei.

Quelle: RP
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