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Düsseldorf
Bessere Betreuung für Schlaganfall-Patienten

Düsseldorf: Bessere Betreuung für Schlaganfall-Patienten
Andre Schumacher von der "Düsseldorfer Initiative gegen den Schlaganfall" will die Versorgungslücke bei der halbseitigen Sehfeldstörung schließen. FOTO: Bauer
Düsseldorf. Vieles ist in den vergangenen 20 Jahren besser geworden, aber wer an einer speziellen Sehstörung leidet, fand bisher kaum ambulante Hilfe. Von Ute Rasch

Es ist ein alltägliches Leiden, das von einem Moment auf den anderen das Leben verändern kann: Mehr als 2000 Düsseldorfer erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall. Seit den 1990er Jahren hat sich die Versorgung dieser Patienten stark verbessert: Es wird schneller und exakter diagnostiziert und besser behandelt. Doch die "Düsseldorfer Initiative gegen den Schlafanfall" hat eine gravierende Fehlstelle in der ambulanten Versorgung entdeckt.

Peter S., Fotograf, war 39 Jahre alt, als ihn der Schlag traf. "Ich war auf einem Termin, fühlte mich sehr seltsam, konnte meinen linken Arm nicht mehr richtig gebrauchen. Ein Kollege meinte plötzlich: Dein Mundwinkel hängt so merkwürdig." Es folgte das komplette Programm medizinischer Versorgung: Notarzt, Krankenhaus, später Reha. Eine Folge des Schlaganfalls war, dass Peter S. auf einem Auge kaum noch etwas sehen konnte, Mediziner nennen das eine halbseitige Störung des Sehfeldes.

Während seines Aufenthaltes in der Reha-Klinik behandelte eine Neuropsychologin diese Störung, trainierte intensiv mit Peter S. mithilfe hoch spezialisierter, computergesteuerter Programme. "Als ich entlassen wurde, konnte ich wieder etwas besser sehen, aber längst noch nicht richtig." Von einer anschließenden ambulanten Therapie erhoffte er sich Besserung - und vor allem die Chance, wieder in seinem Beruf arbeiten zu können. Doch bald wurde ihm klar, dass das nicht so einfach war: "Ich habe in Düsseldorf einfach keinen niedergelassenen Neuropsychologen gefunden."

Diesen Mangel kritisiert auch die "Initiative gegen den Schlaganfall". Die dort organisierten Mediziner bestätigen, dass sich generell die Situation für Schlaganfallpatienten in den vergangenen 20 Jahren verbessert habe. Zwar sei die Zahl der Schlaganfallpatienten fast doppelt so hoch wie noch damals, was nach Einschätzung der Experten daran liegt, dass die Diagnose genauer geworden ist. Heißt: Es werden einfach mehr Fälle entdeckt. Gleichzeitig sind die Rettungsdienste stärker vernetzt, die Krankenhäuser besser ausgerüstet (zusätzlich haben drei Kliniken spezielle Schlafanfallabteilungen) und die Nachsorge straff organisiert mit Reha-Angeboten, auch der niedergelassenen Ergo- und Physiotherapeuten. "Nur für Patienten mit halbseitiger Sehfeldstörung, die nicht nur nach Schlaganfällen, sondern auch durch Gehirnverletzungen bei Unfälle auftreten können, gibt es keine ambulanten Angebote", so Andre Schumacher vom Vorstand der Initiative.

Durch eine Förderung der Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post über 20.000 Euro will die Initiative nun ein Projekt anstoßen, um diese Versorgungslücke zu schließen. Zunächst soll systematisch ermittelt werden, wie viele Patienten an dieser Sehfeldstörung leiden und nicht therapiert werden. In einem zweiten Schritt plant die Initiative, eine ambulante Behandlung zu organisieren und wissenschaftlich zu begleiten.

Eine leichte Aufgabe wird das wohl nicht werden, denn die Initiative hat ermittelt, dass es zurzeit keine neuropsychologische Praxis in Düsseldorf gibt, die sich einerseits mit den Folgen eines Schlaganfalls auf die Psyche beschäftigt, andererseits Patienten mit Sehstörung ein Training anbietet. Da scheint noch eine Menge Aufbauarbeit notwendig zu sein.

Peter S. hofft, dass dies in absehbarer Zeit geschieht. "So lange kann ich weder Autofahren noch in meinem Beruf arbeiten."

Quelle: RP
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