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Misshandlungen in Educon-Haus
Bessere Kontrollen gefordert

Düsseldorf. Nachdem bekannt wurde, dass autistische Kinder in einem Haus der Educon, einer Tochter der Graf-Recke-Stiftung, misshandelt worden sein sollen, ermittelt der Staatsanwalt gegen eine Psychologin, Therapeuten und Erzieher. Der Kinderschutzbund NRW fordert nun, die Kontrollen von Kinder- und Jugendeinrichtungen zu verbessern. Von Sonja Schmitz

Wie werden Kinder- und Jugendeinrichtungen bislang kontrolliert? Ob und wie die vorgegebenen pädagogischen Konzepte in einer Einrichtung umgesetzt werden, sei in erster Linie Aufgabe der Leitung der Einrichtung, sagt Christophe Göller, Sprecher des Landschaftsverband Rheinland (LVR). "Man muss davon ausgehen, dass die Leitung weiß, was in ihrem Haus passiert." Der LVR hat die Präventiv- und Interventionsaufsicht. Die Präventivaufsicht bedeutet, dass der LVR bei der Betriebserlaubnis einer Einrichtung das pädagogische Konzept, die Ausstattung und die Ausbildung des Personals prüft. Gibt es Berichte von Eltern oder Mitarbeiter über Missstände in einer Einrichtung, schreitet die Behörde ein.

Worunter leiden Kinder mit Autismus? Autistische Menschen haben Probleme, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und mit ihnen zu kommunizieren. Hinzu können andere Merkmale kommen: etwa das zwanghafte Wiederholen bestimmter Bewegungsabläufe, eingeschränkte Interessen. Manche Autisten verletzen sich selbst.

Wie werden Autisten therapeutisch behandelt? Für die angemessene Behandlung dieser Störung gibt es eine offizielle Behandlungsleitlinie. Darin wird die Festhaltetherapie, bei der die Kinder in der Educon-Einrichtung gegen ihren Willen über lange Zeit festgehalten wurden, ausdrücklich als entbehrlich eingestuft. Zur Standardtherapie gehört die Aufklärung des Umfelds des Autisten, das sich auf die Störung einstellen muss. Mit einer Verhaltenstherapie können über einen langen Prozess Erfolge erzielt werden – "aber nur in sehr einfühlsamer, vorsichtiger Form, nicht mit der Brechstange", wie Ingo Spitczok von Brisinski, Vorstandsmitglied des Berufsverbands Kinder- und Jugendpsychiater betont. Wenn Kinder sich selbst verletzen wollen, dann könne es als Notfallmaßnahme sinnvoll sein, sie für kurze Zeit und in moderater Form festzuhalten.

Wie können künftig Missstände in Jugendhilfeeinrichtungen vermieden werden? Durch regelmäßige externe Supervisionen, bei denen Probleme im Team oder in der Betreuung reflektiert werden. Nötig sei auch, dass sich alle Mitarbeiter regelmäßig fortbilden, so Spitczok von Brisinski. Und schließlich sei es auch im Zuge des Qualitätsmanagements wichtig, dass die Leitungsebene durch Mitarbeiterbefragungen das Arbeitsklima einschätzt.

Quelle: RP
 
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