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Holo-Café in Düsseldorf
Eingetaucht in Spielwelten

Besuch im Holo-Café Düsseldorf: Mit der VR-Brille in virtuelle Welten
RP-Redaktionsmitglied Tim Harpers auf der Spielfläche - und mit der nötigen Ausrüstung für den Ausflug in die virtuelle Realität. FOTO: RP-Foto; Andreas Bretz
Düsseldorf. In den Bilker Arcaden hat ein ganz besonderes Café eröffnet: Die Betreiber versprechen einen Ausflug in die virtuelle Realität. Unser Autor hat einen Blick in die digitalen Welten gewagt. Von Tim Harpers

Ich habe keine Ahnung, wo ich bin. Eine Senke in irgendeiner Wüste, zwei fremde Planeten über meinem Kopf und strahlender Sonnenschein. Es ist schön. Genießen kann ich es aber nicht. Plötzlich rast ein Feuerball auf mich zu. Ich bekomme Panik, ducke mich. Szenenwechsel. Eine Ebene voller seltsamer Bäume. Irgendwo spielt eine Panflöte. Ein geisterhafter Blauwal zieht am Himmel seine Bahnen.

"Schon Wahnsinn", denke ich. "Was heute schon alles möglich ist." Mir ist klar, dass das hier alles nicht real ist. Aber ich habe das Gefühl, in diesem Augenblick Teil von etwas Besonderem zu sein. Für mich steht fest, dass das, was ich hier erlebe, nicht weniger ist als die Zukunft der Unterhaltungsbranche.

Mein Ausflug in die fremden Welten beginnt knapp 20 Minuten zuvor. Mit vor Aufregung leicht kribbeligen Händen fahre ich die Rolltreppe in den Bilker Arcaden herunter, schließlich weiß ich nicht so recht, was mich erwartet. Mein Ziel ist das Holo-Café.

Google Daydream View - VR-Brille im Test FOTO: Christoph Schroeter

Alles fühlt sich überraschend natürlich an

Die Besitzer versprechen eine gänzlich neue Erfahrung: virtuelle Realitäten. Das Konzept ist einfach: Die Betreiber stellen teure Hardware wie Virtual-Reality-Brillen (VR), Controller und eine 25 Quadratmeter große Fläche zur Verfügung. Wer spielen will, reserviert und zahlt für die gespielte Zeit.

Die Erfahrung beginnt mit dem Einstellen der Hardware. Ich bekomme vom Spielleiter eine HTC-Vive gereicht - eine VR-Brille, eines der leistungsfähigsten Modelle. Im Kopfteil sind zwei HD-Bildschirme verbaut. Für die nötige Rechenleistung sorgt ein Oberklasse-PC. Außerdem drückt man mir zwei futuristisch anmutende Controller in die Hand. Das Café verwendet keine Technik für den Hausgebrauch. Einen Spieler so auszurüsten, kostet sicherlich mehrere tausend Euro.

Nachdem ich die Brille aufgezogen habe, finde ich mich zunächst in einem dunklen Raum wieder - die Lobby. Das ist im ersten Moment etwas verwirrend, schließlich weiß ich, dass meine Umgebung eigentlich anders aussieht. Ich drehe den Kopf, schaue auf meine Hände und stelle erfreut fest, dass ich die Controller sehen kann, die in meinen Handflächen liegen. Alles fühlt sich überraschend natürlich an.

Gadgets - diese Technik-Neuheiten will man haben FOTO: Fensens

Meine Bewegungen werden ohne Verzögerung in das Programm übersetzt. Deshalb stellt sich die Bewegungs-Übelkeit nicht ein, die vielen VR-Spielern in der Vergangenheit zu schaffen gemacht hat. Ich frage den Spielleiter danach und erfahre, dass man inzwischen herausgefunden hat, dass den Testern immer dann schlecht wird, wenn die körperlichen Impulse und das, was das Auge wahrnimmt, nicht zusammenpassen. Dank der neuen Technik komme das kaum mehr vor.

Man wird Teil des Spiels

In der Lobby mache ich mich mit den Controllern vertraut: alles sehr intuitiv. Da ich meine Mitspieler in der virtuellen Realität sehen kann, laufe ich nicht Gefahr, mit ihnen zusammenzustoßen. Und ein virtuelles Gitter, das immer eingeblendet wird, wenn ich mich den Grenzen der Fläche nähere, sorgt dafür, dass ich keine Angst vor Hindernissen in der echten Welt haben muss.

Ich darf drei Spiele ausprobieren. Bei "Chaos Kommando" geht es darum, ein Raumschiff vor dem Absturz zu bewahren. Dafür müssen die Spieler zusammenarbeiten und unter Zeitdruck Schalter und Hebel bedienen.

Das zweite Spiel nennt sich Holo-Arena und führt mich in besagte Wüste. Es bietet deutlich mehr Action. Ich muss mich gegen pyramidenförmige Gegner wehren und körperlich aktiv werden, um dem Beschuss auszuweichen. Als drittes wird mir Carpe Lucem vorgeführt, ein meditatives Rätselspiel, in dem ich Lichtstrahlen zu farbigen Glühbirnen leiten muss.

Ich habe Spaß, tauche ein in die Spielwelten und werde selbst Teil des Spiels. Als ich die Brille schließlich absetze, bin ich ein wenig traurig darüber, dass mein Ausflug in die Weiten des Alls so abrupt geendet hat. Ich packe meine Sachen und fahre die Rolltreppe wieder hinauf. Erneut kribbeln meine Hände. Diesmal aber vor Euphorie.

Quelle: RP
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