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Düsseldorf
Besucher erkunden das Schauspielhaus

Düsseldorf: Besucher erkunden das Schauspielhaus
An ungewöhnlichem Ort trugen Anke Retzlaff und Paul Jumin Hoffmann ihre Texte vor. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Beim Theaterfest im "Central" stellte sich das Ensemble vor - kurz vor dem Spielzeitstart mit vielen Premieren. Von Regina Goldlücke

Was die Zuschauer sonst nie zu Gesicht bekommen, war am Samstag beim großen Eröffnungsfest des Schauspielhauses im "Central" frei zugänglich. In hellen Scharen folgten die Besucher der reizvollen Aufforderung, die verborgenen Welten hinter der Bühne zu erkunden. Ein vorgezeichneter Parcours und rot-weiße Absperrbänder wiesen den Weg und erleichterten die Orientierung in diesem Labyrinth aus gigantischem Holzlager, Werkstätten, Malsaal und Kostümfundus.

Es wurde ein kurzweiliger und spannender Spaziergang, weil an jeder Ecke eine neue Überraschung wartete. Das Ensemble hatte sich allerlei schräge Aktionen einfallen lassen. Da gab es die "Raucherzelle", in der Schauspieler Sebastian Tessenow mit dem berühmten Fragebogen von Max Frisch in der Hand von seinen zeitweiligen Mit-Insassen wissen wollte: Lieben Sie jemanden? Und woraus schließen Sie das? Sogar die beiden Toiletten zwischen den Künstler-Garderoben wurden bei halb geschlossenen Türen kreativ verfremdet. Paul Jumin Hoffmann las Klo-Texte vor, im stillen Örtchen daneben zupfte Anne Retzlaff auf der Gambe. Sehr skurril.

Auf der Metalltreppe im engen Eingang zum beeindruckenden Schuh-Fundus balancierte Schauspielerin Claudia Hübbecker mit "Ingeborg Bachmann kauft Schuhe", Texte und Lieder aus ihrem Soloabend, begleitet von Pianist Klaus-Lothar Peters. Dass dort nur ein knappes Dutzend Leute Platz fand, war ihr egal, bald hat sie ja wieder ein größeres Publikum. Darauf scheint sich auch die ausgelassene Truppe zu freuen, die auf der Bühne vor dem "Central" vor voll besetzten Bierbänken schwungvolle Unterhaltung bot. Erst begeisterten Sängerin Hanna Werth und Johan Leenders am Piano mit "All that Jazz - das Beste der 90er", danach ging es bei "Das Ensemble singt" mit Welthits von den Beatles, von Queen, Marilyn Monrie und einem Potpourri aus "Dirty Dancing" weiter. Wer sich dabei über die seltsame blonde Perücke von Moritz Führmann oder die extremen Lockenwickler von Cathleen Baumann wunderte: Die beiden Schauspieler waren auch bei zwei Szenen aus dem "Revisor" im Einsatz, da lohnte es sich nicht, sich umzuziehen. "Wir sind alle so großartig motiviert, es herrscht schon jetzt ein wunderbarer Geist zwischen uns", bestätigte Moritz Führmann, der spät am Abend noch sein Heine-Programm "Hast du vertrauten Umgang mit Damen?" gab.

Erfreulich belebt war auch die gläserne Foyerbrücke - beim Schminken, Verkleiden und Basteln für die Kinder, der Kostümversteigerung und dem Tanzen für alle zum Ausklang des langen Tages. Drinnen, auf der großen und der kleinen Bühne des Theaters, ging es von 16 bis 23 Uhr Schlag auf Schlag: mit Musik aus "In 80 Tagen um die Welt", Szenen aus "Meine Schwester Sheherazade" mit dem Ensemble des Jungen Schauspielhauses, einem "Voguing Workshop" (der Tanz aus der New Yorker Subkultur äfft Mode-Posen nach) und der Vorstellung der zweiten Bürgerbühne-Produktion "Verlorene Lieder". Die erste, Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" (Premiere am 16. September), konnte auch schon mal in Ausschnitten beäugt werden. Kurz im Gewühl erhascht: Intendant Wilfried Schulz. "Schön, dass sich endlich etwas bewegt", sagte er erleichtert und sprach damit dem theaterhungrigen Publikum aus dem Herzen. Das fand sich mit Neugier und Interesse bei der "Großen Saisonvorschau" ein. Autoren, Regisseure und Schauspieler gaben einen Ausblick auf die Spielzeit, die am kommenden Donnerstag mit "Gilgamesh" beginnt. Komplett gefüllt war der Saal. Die frohe und erwartungsvolle Aufbruchstimmung äußerte sich danach mit spürbarer Zuneigung und rauschendem Beifall.

Quelle: RP
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