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Deutschlandspiel
Besucher unzufrieden mit Public Viewing in Düsseldorf

Deutschlandspiel: Besucher unzufrieden mit Public Viewing in Düsseldorf
Mehr als genug Platz hatten die Zuschauer, die das Spiel der deutschen Mannschaft gegen die Ukraine auf dem Marktplatz verfolgten. FOTO: Romahn
Düsseldorf. Das erste Düsseldorfer Public Viewing zu einem Deutschlandspiel bei der EM 2016 war ein Reinfall. Statt möglicher 4000 Gäste kamen rund 1000. Vieles spricht dafür, dass es nur am Wetter lag. Der Veranstalter will nichts ändern. Von Thorsten Breitkopf und Marcel Romahn

Vor dem Rathaus sollte die Fortsetzung des Sommermärchens 2006 stattfinden. Mit viel Aufwand wurde dort erstmals eine Großleinwand aufgebaut, große Sicherheitsabsperrungen geschaffen. Wegen der jüngsten Ereignisse gab es 60 Sicherheitsmitarbeiter an allen Ecken und Enden. Die Gäste wurden kontrolliert wie vor einer Flugreise. Entlang der Absperrungen standen dutzende Security-Mitarbeiter, an zwei Zugangsschleusen wurden Jacken und Taschen durchsucht. "Auch wenn Gäste den Platz zwischenzeitlich verlassen und wiederkommen, werden sie erneut durchsucht", sagte einer der Mitarbeiter. "Da machen wir keine Ausnahmen, auch wenn es länger dauert."

Doch der mit viel Hoffnung erwartete EM-Auftakt mit Public Viewing im Herzen der Düsseldorfer Altstadt wurde ein Reinfall. Zwei Stunden vor Anpfiff versammelten sich die ersten Zuschauer auf der Fanmeile. Immer wieder schüttete es wie aus Eimern.

Unsere Autoren sind geteilter Meinung: Kamen nur wegen des Wetters so wenige Leute oder ist Public Viewing schlichtweg out? Lesen Sie hier das Pro und Contra unserer Autoren.

DJ Ötzi spielt vor leerem Bühnenraum

Mit Mallorca-Songs, die aus den Boxen dröhnten, oder dem spontanen Schnappschuss mit dem Stadt-Maskottchen überbrückten die Fans die Wartezeit. Höhepunkt der Bühnenshow an diesem verregneten Abend war der Auftritt von DJ Ötzi, der seine bekannten Après-Ski-Songs anstimmte. Dass zu seinem Auftritt nur etwa hundert Fußball-Fans vor der Bühne standen, nahm der 45-Jährige mit Gelassenheit. "Vor vollen Konzerthallen zu spielen, ist einfach. Aber das hier ist etwas ganz Besonderes. Das habe ich wirklich noch nie erlebt."

Begünstigt durch eine längere Regenpause füllte sich die Fanmeile unmittelbar vor Anpfiff etwas. Laut Veranstalter Dennis Kessmeyer waren gut 1000 Karten für das Public Viewing verkauft worden - 4000 Gäste hätten reingedurft.

Die 1000 reichten nicht aus, um den Platz wirklich zu füllen. Aus dem VIP-Bereich im Rathaus war gut zu erkennen, dass auch während des Spiels der Marktplatz maximal zu einem Drittel gefüllt war. Das änderte sich auch nicht, als die Regenschauer nachließen.

Zuschauer beklagen schlechte Sicht

Größtes Ärgernis für viele Fans waren jedoch die schlechte Sicht auf die Leinwand und die hohen Preise für Essen und Getränke. "Es macht zwar Spaß, auf einer Fanmeile Fußball zu schauen, aber das geht schon ordentlich ins Geld", sagte Fußballfan Olaf, der 60 Euro für ein VIP-Ticket auf der Fanmeile ausgegeben hatte. René und Mike dagegen boykottierten die Fanmeile. Der Eintrittspreis von sieben Euro für einen Stehplatz war ihnen schon deutlich zu hoch. Von der anderen Seite der Absperrung aus verfolgten sie das Geschehen auf der Leinwand. "Dafür geben wir nicht so viel Geld aus", sagte Mike. "Das lohnt sich auch bei diesem Wetter nicht."

Auch an den anderen Public-Viewing-Hotspots der Innenstadt kam am Sonntagabend nicht die erwartete EM-Stimmung auf. Besonders auf der Ratinger Straße, der Bolker Straße und an den Kasematten blieben viele Plätze leer. Und das obwohl die Gastronomen mit zusätzlichen Bänken, Fernsehern und Schirmen aufwendig nachgerüstet hatten.

"Es ist wenig verwunderlich, dass bei dem Regen und den Temperaturen die Leute zu Hause bleiben", sagt Public-Viewing-Veranstalter Kessmeyer. Das sei in allen großen deutschen Städten so gewesen. "Ich glaube aber, dass das Spiel gegen Polen verbunden mit besserem Wetter die Leute lockt. Außerdem steigt die Euphorie erfahrungsgemäß von Spiel zu Spiel", so Kessmeyer. Trotz der Gäste-Kritik will Kessmeyer an Preisen und Technik nichts ändern. Er hofft auf einen Stimmungsumschwung im Verlauf der Meisterschaft.

Quelle: RP
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