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Düsseldorf
Bewährungsstrafe für Hofgarten-Brandstifter

Düsseldorf: Bewährungsstrafe für Hofgarten-Brandstifter
Der 32-Jährige muss eine Psychotherapie antreten. FOTO: Kannegiesser
Düsseldorf. Ein 32-Jähriger hat gestanden, einen Schuppen angezündet zu haben. Haft oder Männerheim - beides war ihm aber "lieber als zu meiner Mutter zurück zu gehen". "Da werden alle lachen im Gerichtssaal, aber mit 30 Jahren sollte ich noch mit Stofftieren spielen", schilderte er am Montag als Angeklagter vorm Amtsgericht. Von Wulf Kannegießer

Nur hat niemand gelacht. Viel zu ernst und mit spürbarer Verzweiflung gestand der 32-Jährige, dass er am Japantag 2015 wegen der dominanten Mutter, deren heimischem Regime und "wegen der Katastrophe meines ganzen Lebens eine Straftat begehen wollte, die ausreicht, um in Haft zu kommen". Nur teils gelang ihm das mit einer Brandstiftung in einem Schuppen des Gartenamts im Hofgarten. Der Schaden betrug 200.000 Euro. Und doch kam der Sohn am Montag mit einer Bewährungsstrafe davon.

Im Urteil werteten die Richter die Tat nicht als Bagatelle, aber als "Hilferuf, den der Angeklagte abgesendet hat". Er hatte es anders formuliert: "Ich wollte Aufmerksamkeit erregen, um von zuhause loszukommen, was mir in all' den Jahren nicht gelungen war." Seit 2006 arbeitslos, habe er nur noch zuhause gehockt, extrem unter der Regie seiner Mutter gelitten. "Meine ganze Kindheit und Jugend war ein Elend. Aber als ich merkte, dass sie mich mit 30 noch wie ein kleines Kind behandelte, wollte ich alles gegen die Wand fahren." Denn "ich habe das nicht verarbeitet, bin auf dem infantilen Stand von 2003 geblieben, als ich Abitur gemacht hatte".

Tagelang sei er im Mai 2015 durch die Stadt gestreift, "um eine Straftat zu begehen, die aber keinem persönlich schadet". Am Japantag, gegen Mitternacht, habe er am Hofgarten dann den Schuppen des Gartenamts entdeckt. Dort Feuer zu legen, sei ihm erst nicht gelungen, aber als es dann doch brannte, Laubbläser, Kettensägen, Heckenscheren und zwei Transporter in Flammen aufgingen, "war es "erschütternd, sich anzuschauen, was ich getan hatte". Und doch wurde der 32-Jährige nicht gefasst, fuhr ins Ruhrgebiet zur Mutter zurück, wurde erst Monate später verhaftet, nachdem er zusätzlich ein leerstehendes Haus in Oberhausen angezündet hatte. Erst nach der U-Haft habe er es jetzt geschafft, sich eine Bleibe in einem Männerheim zu besorgen und mit Hilfe einer kirchlichen Organisation inzwischen sogar ein eigenes Zimmer zu finden.

Den Kontakt zur Mutter habe er abgebrochen, sagte er. Obwohl er wegen der Brandstiftungen inzwischen 500.000 Euro Schulden habe, wolle er nach vorne sehen. Die Staatsanwältin und das Gericht gaben ihm diese Chance. Eine Haftstrafe von zwei Jahren wurde zur Bewährung ausgesetzt - unter der Bedingung, dass der Sohn nun eine Psychotherapie antritt.

Quelle: RP
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