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Düsseldorf
Bewohner in Sorge wegen Brandschutz im Wohnhochhaus

Düsseldorf: Bewohner in Sorge wegen Brandschutz im Wohnhochhaus
Ralph Abels und Martin Linge-Boom vertreten im Beirat alle Eigentümer im Haus Toulouser Allee 9. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Weil es Hinweise auf Mängel beim Brandschutz gab, droht die Bauaufsicht in einem Anhörungsverfahren damit, das Pandion d'Or an der Toulouser Allee zu sperren. Der Investor betont, die Mängel beseitigt zu haben. Von Stefani Geilhausen und Denisa Richters

Es ist ein Vorzeigeprojekt und steht für einen Kurs in der Düsseldorfer Wohnungsbaupolitik: Das Pandion d'Or auf dem Areal des früheren Derendorfer Güterbahnhofs ist das erste von mehreren hochwertigen Wohnhochhäusern, die in der Landeshauptstadt entstehen.

Doch bei den Bewohnern der 19 Etagen herrscht Unruhe. Nicht nur, weil sie erst verspätet einziehen konnten und in einigen Wohnungen die Bauarbeiten bis heute andauern. Seit einigen Tagen liegt ihnen ein vom 21. Juni datiertes Schreiben der Bauaufsicht vor. Darin heißt es, dass ein Anhörungsverfahren eingeleitet wurde, weil "der Feuerwehraufzug und die Brandmeldeanlage im Gebäude" Mängel aufwiesen.

"Ich beabsichtige deshalb, die Nutzungen im Gebäude Toulouser Allee 9 mit gebührenpflichtiger Ordnungsverfügung zu untersagen", heißt es weiter. Um Stellungnahme wird bis 4. Juli gebeten. Die Bewohner sind verunsichert. Benjamin Willy wohnt in der zwölften Etage, versucht, das Brandrisiko auszublenden. Trotzdem bleibe ein mulmiges Gefühl, gepaart mit Ärger über den Bauträger Pandion, der Mängel nur schleppend beseitige.

Von einer Gefahrenstelle will Rudolf Fenten, den der Beirat der Wohnungseigentümer Anfang des Jahres als Gutachter engagiert hat, nicht einmal reden. Für ihn als Ingenieur existiert der inzwischen instandgesetzte Feuerwehraufzug nicht - es fehlt das Prüfzertifikat. "Man fährt ja auch nicht mit einem Auto ohne Tüv." Mehrfach hat Fenten den Eigentümer-Beirat unterstützt, wenn der auf Mängelbeseitigung am Gemeinschaftseigentum drängte.

"Als Beirat wollten wir mit solchen Dingen nichts zu tun haben"

Im Dezember etwa war der Beirat von der Feuerwehr gerügt worden, weil der Lift nicht funktionierte und Unterlagen für das Brandmelder-System fehlten. "Als Beirat wollten wir eigentlich mit solchen Dingen gar nichts zu tun haben", sagen Ralph Abels und Martin Linge-Boom. Dem ersten folgten zwei weitere Fehlalarme, ausgelöst durch verschmutzte Rauchmelder in der Tiefgarage. Nachdem Gutachter Fenten zwei davon zu Gesicht bekommen hatte, informierte er die Bauaufsicht, die reagierte. Am Mittwoch erfuhr die Eigentümerversammlung von der drohenden Verfügung.

Projektentwickler Pandion beschwichtigt, teilt auf Anfrage unserer Redaktion mit, dem Brandschutz "höchste Priorität" zuzumessen. Brandmeldeanlage und Feuerwehraufzug seien gemäß dem Brandschutzkonzept, das Teil der Baugenehmigung sei, ausgeführt und abgenommen worden. Gravierende Mängel beim Brandschutz hätten nie bestanden, zwei verschmutzte Rauchmelder seien ausgetauscht. Beide Brandmeldeanlagen seien aktuell geprüft worden, sie liefen störungsfrei. Auch die Aufzuganlage sei vergangene Woche geprüft und gewartet worden. Es existierten keine sicherheitsrelevanten Mängel, betont Pandion. Die ausführenden Baufirmen würden für bestehende Mängel zur Verantwortung gezogen.

Gutachter kritisiert Brandschutzkonzept

Gutachter Fenten kritisiert das Brandschutzkonzept, nach dem die Rauchmelder des Wohnhauses Alarm bei einer "ständig besetzten Stelle", etwa dem Concierge, auslösen sollte. "Diese Stelle gibt es gar nicht." Deshalb müsse das Konzept geändert und diese Anlage wie die der Tiefgarage direkt zur Feuerwehr geschaltet werden. Die Tiefgarage brauche staubsichere Rauchmelder und der Feuerwehrlift ein Prüfsiegel. Montag ist Prüftermin, "dann sehen wir weiter".

Ulrike Lappeßen, Leiterin der städtischen Bauaufsicht, bestätigt, dass nach Kenntnis ihrer Behörde "mit der Beseitigung der Mängel bereits begonnen worden" sei. Sollten die Mängel bereits abgestellt sein oder Kompensationen angeboten werden, werde man von der Ordnungsverfügung absehen. Die bezeichnet sie als alltäglichen Vorgang. 350 solcher Verfahren seien dieses Jahr eingeleitet worden.

"Warum bewegt sich Pandion erst jetzt?", wundert sich Rechtsanwalt Martin Bugla, der die Eigentümer vertritt. Es habe etliche Mängel-Meldungen gegeben, "und es ist nichts passiert".

Quelle: RP
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