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Düsseldorf
Bilker Schützen: "Wer hetzt, der fliegt"

Düsseldorf: Bilker Schützen: "Wer hetzt, der fliegt"
Hans-Dieter Caspers vom Schützenverein Bilk.
Düsseldorf. Am Wochenende hatte Hans-Dieter Caspers genug. Tagelang sorgten neben den dramatischen Nachrichten über die Situation der Flüchtlinge immer wieder auch feige Anschläge gegen Asylbewerberheime und widerliche Hetze im Internet für Schlagzeilen. Von Stefani Geilhausen

Da beschloss der Chef der Bilker Schützen ein Zechen zu setzen und schrieb einen offenen Brief an die rund 700 Mitglieder seines Vereins. "Leider gibt es in der Bevölkerung - und damit auch in unserem Verein - einige, die das Recht auf freie Meinungsäußerung dahingehend missverstehen, mit ihren Äußerungen das verbriefte Recht auf Unversehrtheit zu missachten", schrieb der Schützenchef auf der Internetseite des Vereins und bei Facebook.

Und machte unmissverständlich klar: Kameraden, die dem Verein schaden wollen, kann er nicht gebrauchen: "Wir sind nicht eure Heimat!" Wer durch die Verbreitung rassistischer Hetze dem Verein schade, gegen den "wird der Vereinsausschluss erwirkt."

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Er habe, sagt Caspers, keinen konkreten Anlass gehabt. "Aber ich bin nicht blauäugig: Bei rund 700 Mitgliedern ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass da der ein oder andere darunter ist, der mit braunem Gedankengut liebäugelt." Wer so denke, dem rät der Schützenchef: "Haltet in solchen Dingen einfach die Klappe - oder meldet euch schnellstmöglich ab." Er habe sozusagen vorsorglich warnen wollen.

"Wir werden als Schützen völlig zu Unrecht immer wieder in die rechte Ecke gestellt", sagt Caspers auch mit Blick auf die jüngst öffentlich geführte Auseinandersetzung mit der Linkspartei, die dem Schützenverein in Oberbilk einen Zuschuss nicht gewähren wollte. "Da möchte ich bestimmt nicht einen von uns in einem solchen Hetze-Forum finden", sagt Caspers, das würde den Vorwürfen nur neue Nahrung geben und darüber vergessen lassen, dass "Schützen" zwar von "Schießen" kommt, aber auch mit Schutz zu tun hat. "Wir helfen den Schwächeren, kümmern uns um die Benachteiligten", sagt Caspers. Und folglich wollen sich die St. Sebastianer auch in Bilk mit ganzem Herzen für Flüchtlinge einsetzen - und nicht dagegen Stimmung machen.

Der offene Brief hat über Nacht viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Etliche Schützenvereine, nicht nur in Düsseldorf, haben ihn weiterverbreitet, viele Mitglieder signalisierten Zustimmung. Britta Damm, Chefin der Interessengemeinschaft der Schützenvereine, war eine der ersten, die den Caspers-Brief begrüßte. "Wow, hab' ich gedacht - er hat genau die richtigen Worte gefunden", sagt die Schützenchefin. "Gerade wir Schützen sind bei dem Thema hochsensibel, und ich bin sicher, Hans-Dieter Casper hat den meisten aus dem Herzen gesprochen."

Weil in den Vereinssatzungen in der Regel "kameradschaftliches Verhalten" als Voraussetzung für eine Mitgliedschaft genannt ist, geht ein Rausschmiss aus dem Verein wegen menschenverachtender Hetztiraden rechtlich wohl in Ordnung. Arbeitsrechtlich ist es dagegen nicht so einfach: Beamte, die auf die freiheitlich demokratische Grundordnung vereidigt sind, würden im Fall verfassungsfeindlicher Statements sicher zumindest mit einem Disziplinarverfahren rechnen. Bei anderen Arbeitnehmern greift dagegen womöglich der Kündigungsschutz.

Düsseldorf: Hier sollen Flüchtlinge untergebracht werden FOTO: dapd, dapd

Mehrere Blogger haben sich zur Aufgabe gemacht, strafbare oder auch nur widerliche Statements zu sammeln und mit den Angaben zu veröffentlichen, die der Verfasser selbst von sich im Netz preisgibt - auch den Arbeitgeber. Der Blog "Perlen aus Freital" soll so einige Hetzer ihre Jobs gekostet haben.

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Quelle: RP
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