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Großbrand auf Messegelände in Düsseldorf
Polizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung gegen sechs Flüchtlinge

Video: Brand an der Messe Düsseldorf
Düsseldorf. In einer Flüchtlingsunterkunft auf dem Düsseldorfer Messegelände ist ein Großbrand ausgebrochen. 28 Menschen wurden verletzt. Die Halle ist komplett zerstört. Sechs Verdächtige wurden festgenommen. Von Arne Lieb, Stefani Geilhausen, Ina Schwerdtfeger, Sarah Biere (Video)

Aufnahmestopp für Flüchtlinge

Fotos: Flüchtlingsheim in Düsseldorf in Flammen FOTO: Patrick Schüller

Vom provisorischen Zuhause für mehrere Hundert Menschen ist nur ein Trümmerhaufen übriggeblieben. Drei Stunden nach Ausbruch der Feuers in einer Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft raucht die Halle noch immer: Das Dach ist kaputt, das Blech verbogen, das Gebäude nicht mehr zu retten. Einsturzgefahr, warnt die Feuerwehr. Im Inneren der Halle liegen Trümmerteile herum.

Die Flüchtlinge, die hier gewohnt haben, sind inzwischen zu anderen Unterkünften gebracht worden. Noch immer blitzt viel Blaulicht auf dem Gelände, zahlreiche Helfer sind im Einsatz. Bis die Feuerwehr ihr Großaufgebot abziehen kann, wird vermutlich schon die Nacht hereingebrochen sein.

Am Dienstagmittag war vom Messegelände aus eine gewaltige Rauchsäule in den Himmel über Düsseldorf gestiegen, lange kreiste ein Helikopter über dem Areal. Halle 18 stand in Vollbrand, ein ehemaliges Lager der Messe, das bis heute Mittag als Unterkunft für Migranten genutzt wurde. Laut Feuerwehr konnten alle Menschen aus der Unterkunft am Europaplatz im Düsseldorfer Stadtteil Stockum gerettet werden.

Alle wichtigen Fragen und Antworten zum Großfeuer finden Sie hier.

Zwei Männer wurden festgenommen. Ob und in welchem Zusammenhang sie mit dem Feuer stehen, ist noch nicht bekannt. FOTO: David Young

Sechs Verdächtige festgenommen

Die Polizei hat noch während der Löscharbeiten mehrere Personen festgenommen. Das gab die Polizei am Dienstagabend bekannt. Im Zuge der Ermittlungen vor Ort ergaben sich Hinweise auf derzeit sechs Verdächtige. Die tatverdächtigen Bewohner der Flüchtlingsunterkunft haben sich in der Halle aufgehalten. Alle sechs Männer wurden zur Vernehmung in das Polizeipräsidium gebracht. Zwei der Tatverdächtigen sollen 24 Jahre alt sein. Einer ist in Damaskus, der andere im Irak geboren. Zu den Personendaten der anderen Festgenommenen ist nichts bekannt. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern an.

 Einer der beiden Männer wurde festgenommen, kurz nachdem er RP-Reporterin Sarah Biere Videomaterial aus dem Inneren der Halle angeboten hatte.

Aus Feuerwehrkreisen heißt es, dass es keine Hinweise auf einen Anschlag von außen gibt. Auch ein technischer Defekt sei sehr unwahrscheinlich, da sich das Feuer so schnell ausgebreitet habe.

So wurde das Feuer in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft gelöscht FOTO: dpa, ve kno

In der Flüchtlingsunterkunft sind insgesamt 282 Flüchtlinge gemeldet. Dabei soll es sich ausschließlich um alleinreisende Männer handeln. Als das Feuer ausbrach, waren rund 130 Personen in der Halle. 

28 Verletzte mit Rauchgasvergiftung 

Unter den Bewohnern gibt es 28 Verletzte, sie erlitten Rauchgasvergiftungen. Ein Feuerwehrmann und ein DRK-Mitarbeiter wurde ebenfalls leicht verletzt. Zwar ist der Brand seit 14 Uhr unter Kontrolle, allerdings können die Löscharbeiten noch Stunden dauern. Laut Feuerwehr wurde die Halle komplett zerstört. Sie ist einsturzgefährdet und das Dach wird abgetragen. 

Die Berufsfeuerwehr hat den Führungsstab für so genannte Großschadenslagen einberufen. Der Ausnahmezustand gilt dabei weniger für die Bevölkerung als für die Organisation des Einsatzes und des Personals bei der Feuerwehr. So halten sich aktuell etwa die Freiwilligen Feuerwehren bereit, um die Feuerwachen zu besetzen. Im engen Kontakt mit der Feuerwehr ist die städtische Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch.

In unmittelbarer Nähe findet zur Zeit die Druck- und Druckmedien-Messe Drupa statt. Der Betrieb dort kann trotz des Brandes weiter laufen, da die betroffene Halle weiter außerhalb liegt und ausreichend entfernt ist. Auch der Flugbetrieb des Düsseldorfer Flughafens geht trotz der Rauchwolke weiter. Wegen des Großbrandes ist allerdings das benachbarte Freibad Rheinbad heute bis auf Weiteres geschlossen. Die Feuerwehr bittet die Bevölkerung im Norden der Stadt, Fenster und Türen geschlossen zu halten. 

 

 
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