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Verhaftung in Düsseldorf
Profi-Schmuggler sollen 100 Kilo Marihuana importiert haben

Polizei Düsseldorf nimmt vier mutmaßliche Drogenschmuggler fest
Sie konnten es nicht lassen: Die Düsseldorfer Polizei hat vier Männer festgenommen, die kiloweise Drogen aus Spanien in die Stadt brachten. Mit dem Schmuggeln begannen sie wahrscheinlich, nachdem ihre Hanf-Plantage in Derendorf endeckt worden war. Von Helene Pawlitzki, Düsseldorf

Das Marihuana war gut verpackt und sorgfältig versteckt. Zwischen Fahrerkabine und Laderaum hatten die Schmuggler eine doppelte Wand in ihren Transporter gezogen. Vier Schrauben hielten ein Gitter fest, hinter dem sich die Drogen verbargen. 50 Kilogramm, in vakuumierten Beuteln so verpackt, dass man den starken Geruch nicht wahrnehmen konnte. Der Transporter selbst war voll beladen mit Schrott: Europaletten, alte Klimaanlagen – vermutlich, um Fahndern die Lust zu nehmen, genauer nachzuforschen. "Bei einer einfachen Kontrolle waren die Drogen nicht zu entdecken", sagt ein Ermittler der Düsseldorfer Polizei, der aus ermittlungstaktischen Gründen anonym bleiben möchte.

Durch verdeckte Ermittlungen gelang es der Polizei am Ende, den Transporter als Drogenkurier-Fahrzeug zu enttarnen und den Fahrer, einen 39-jährigen Mazedonier aus Düsseldorf, festzunehmen – am 20. Mai 2017 und damit fast auf den Tag genau ein Jahr, nachdem der Fund einer riesigen Hanf-Plantage in Derendorf bekannt geworden war. Mit diesem Fund nahmen damals die Ermittlungen ihren Anfang.

Drogen von Düsseldorfer Schmugglern beschlagnahmt FOTO: Polizei Düsseldorf

Am vergangenen Mittwoch verhaftete die Polizei drei weitere Männer. Gemeinsam waren sie offenbar als Marihuana-Zwischenhändler tätig und versorgten Dealer in Düsseldorf und möglicherweise auch der Umgebung mit kiloweise Drogen. Die Polizei geht davon aus, dass es mindestens zwei Fahrten mit 50 Kilogramm Marihuana gegeben hat - deswegen wird ihnen zur Last gelegt, 100 Kilo geschmuggelt zu haben.

Verhaftet wurden insgesamt vier Männer, zwei Haupttäter und zwei Kuriere:

  • Michel W. (30) aus Düsseldorf, deutscher Staatsangehöriger. Er wurde am 19. Juli mit Hilfe eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) festgenommen, als er eine Bank in der Suitbertusstraße in Bilk verließ.
  • Abdelhalim L. (26) aus Ratingen, ebenfalls deutscher Staatsbürger. Die Polizei nahm ihn mit Hilfe eines MEK in Bilk fest, nachdem er an einem Auto beobachtet worden war, das auf ihn gemeldet war. Dieses Auto diente den Drogenhändlern offenbar als Zwischenlager. Im Kofferraum befanden sich vier Kilo Marihuana, abgepackt in Beuteln, wohl um sie an Dealer weiterzureichen.
  • Sedat N. (31), ein Türke aus Düsseldorf, der am 19. Juli in seiner Wohnung festgenommen wurde.
  • Hamza B. (39) aus Düsseldorf. Der Mazedonier wurde bereits am 20. Mai bei Bitburg festgenommen, als er in dem Drogen-Transporter aus Spanien Richtung Düsseldorf unterwegs war.

Insgesamt stellte die Polizei 54 Kilo Marihuana sicher. Es soll einen besondes hohen Wirkstoffgehalt haben und unter dem Straßennamen "Haze" für etwa 5.000 Euro das Kilo weggehen. Außerdem beschlagnahmten die Behörden 50.000 Euro in einem Schließfach, das auf eine weitere Person angemeldet war, sowie drei Uhren im Wert von insgesamt 20.000 Euro und zwei Autos, einen Audi Q7 und einen 1er BMW.

Wo ist der Zusammenhang zur Rekord-Plantage in Derendorf?

Welche Spur genau von der Plantage in Derendorf zu den vier Beschuldigten führt, wollen die Ermittler nicht öffentlich sagen. Keiner der vier sei Mieter des ehemaligen Schlachthofs in der Rather Straße 66 gewesen, wo die Rekord-Plantage im Mai 2016 entdeckt worden war. Der Mieter selbst war zeitweise gesucht worden und untergetaucht. Der Haftbefehl sei aber inzwischen wieder aufgehoben worden – nach Ansicht der Polizei hat der nominelle Mieter des Gebäudes also nichts mit der Plantage zu tun.

Es soll aber DNA-Spuren von dort geben, die möglicherweise einem der vier nun verhafteten Männer zugeordnet werden können. "Es gibt deutliche Anhaltspunkte, dass die beiden Haupttäter die Betreiber der Plantage in Derendorf waren", so der Düsseldorfer Ermittler.

Etwa 2700 Cannabis-Pflanzen und 34 Kilo Marihuana hatte die Polizei damals gefunden. Das machte die Hanf-Plantage zur größten, die jemals in Düsseldorf ausgehoben wurde – und das bis heute.

Riesige Hanf-Plantage in Düsseldorf-Derendorf entdeckt FOTO: Bretz, Andreas

Bemerkenswert war schon damals, wie professionell die Betreiber ihre riesige Plantage aufgestellt hatten: Hightech-Equipment im Wert von geschätzten 50.000 Euro sorgte für die richtige Belüftung, Beleuchtung und Bewässerung. Nach Ansicht der Ermittler mussten die Betreiber nur alle paar Wochen mal zur Kontrolle vorbeischauen, ansonsten lief die Anlage selbsttätig. Täglich verbrauchte sie Strom im Wert von mehreren hundert Euro – den die Cannabis-Bauern nicht bezahlten, weil sie illegal die Leitung angezapft hatten.

Die Ermittler hatten damals das Gebäude in einem Hinterhof einige Zeit beobachtet – die Betreiber waren aber nicht aufgetaucht. Ein Grund, warum es ein Jahr und viele "verdeckte Ermittlungsmaßnahmen" – so einer der Polizisten – brauchte, um auf die Spur der vier mutmaßlichen Täter zu kommen. Man vermute, dass sie mit dem Schmuggeln von Marihuana begonnen hätten, als die Plantage entdeckt worden war.

Das wird den vier Männern vorgeworfen

Die vier Beschuldigten schweigen zu den Tatvorwürfen, so Dietmar Kneib, Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität. Man sei sehr zufrieden mit dem Ermittlungserfolg. "Uns geht es nicht nur darum, Betäubungsmittel oder einzelne Personen aus dem Verkehr zu ziehen, sondern wir wollen Strukturen zerschlagen." Das sei hier gelungen. Die Düsseldorfer Polizei glaubt nicht, dass die vier Täter zu einer größeren Bande gehören.

Ob sie gemeinsam agierten und deshalb der bandenmäßigen Kriminalität beschuldigt werden können, prüft die Staatsanwaltschaft derzeit. Bislang lautet der Tatvorwurf auf die unerlaubte Einfuhr und den Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen. Sollte die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss kommen, dass es sich um eine Bande handelt, müssten die Haupttäter mit Strafen zwischen fünf und fünfzehn Jahren rechnen. Dietmar Kneib hat deshalb Hoffnung, dass noch einer von ihnen auspackt. "Der Druck ist gegeben, denn die drohenden Haftstrafen sind ja schon ordentlich."