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Diskussion über Umgangston
Erobert die "Sprache des Hasses" den Schulhof?

BLLV-Manifest gegen verrohte Sprache: Düsseldorfs Lehrer unbesorgt
In der Schule sollte der Umgang respektvoll sein. Erwachsene sind dabei nicht immer gute Vorbilder. FOTO: ddp
Düsseldorf. In Talkshows, Parlamenten und im Internet wird immer hemmungsloser über die politische Lage diskutiert. Schauen sich Schüler diesen teils respektlosen Umgang ab? Der Bayerische Lehrerverband befürchtet das. In Düsseldorfer Schulen scheint dies noch kein großes Problem zu sein. Von Helene Pawlitzki

Die Flüchtlingskrise erhitzt die Gemüter. In Berlin zankt sich die große Koalition. Und in Ländern und Kommunen wird darüber gestritten, wer die Integrationkosten tragen soll. Dazu kommt: Die Anonymität des Internets verleitet so manchen dazu, die akzeptierten Formen des zwischenmenschlichen Umgangs über Bord zu werfen.

BLLV fordert Haltung gegen respektlose Sprache

Das besorgt den Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). "Wir erleben eine Aggressivität, eine Sprache des Hasses, der Geringschätzung und Diskriminierung", klagen die Pädagogen im Manifest mit dem Titel "Haltung zählt". Und die Verbandspräsidentin Simone Fleischmann fügt hinzu: "Wir haben in Bezug auf unsere Demokratie derzeit ganz große Bedenken."

Worum geht des den bayerischen Lehrern konkret? Dass sich über die wüste Wortwahl fragwürdige Weltbilder bis auf den Schulhof fortpflanzen.

Fleischmann beschreibt Szenen aus dem bayerischen Landtag: Dort habe ein Politiker bei einer Debatte gesagt, Integration sei, wenn der Schwarze in Lederhosen ein Volksfest besuche. "Das vermittelt ein Bild von Integration, das mir nicht gut gefällt", so Fleischmann. Auch der Begriff "Flüchtlingswelle" sei problematisch. "Schüler spüren die Ängste, die mit dieser Sprache transportiert wird." Wenn zu Hause oder im Internet vom "Dreckspack" oder von "Scheiß-Ausländern" die Rede sei, machten Schüler sich das irgendwann zu eigen.

Ängste vergiften die Generation von morgen

Dabei seien die Kinder von heute die Erwachsenen von morgen, die die Welt bunter und toleranter gestalten könnten, sagt die BLLV-Präsidentin. "Wenn Lehrerinnen und Lehrer in der Schule mitbekommen, dass sich so eine Sprache durchsetzt, dann müssen wir da ran", fordert sie. "Als besorgte Lehrerinnen und Lehrer appellieren wir deshalb an alle, unsere Gesellschaft vor Spaltung, Brutalität, Rücksichtslosigkeit und Radikalisierung zu schützen und so unsere Demokratie zu bewahren", heißt es dazu im Manifest.

Unterstützung vom Verband Bildung und Erziehung

Die Lehrergewerkschaft VBE sieht das genau so. Der Verrohung der Sprache Einhalt zu bieten, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. "Diese Aufgabe ernst zu nehmen, heißt, den eigenen Sprachgebrauch genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier ist es auch wichtig, dass Politik- und Medienvertreter genauer hinschauen, wie sie welche Dinge formulieren und beschreiben", schreibt der Verband auf seiner Webseite. Der VBE will das Manifest der Bayern auf seiner Bundesvorstandssitzung am 23. September beraten.

Düsseldorfer Lehrervertreter sehen das Problem weniger

Nicht ganz so dramatisch sieht es der Philologenverband Nordrhein-Westfalen. "Ich habe noch nicht beobachtet, dass rechtspopulistische Einflüsse in die Schule schwappen", sagt Vorsitzender Peter Silbernagel. Natürlich wirke sich der allgemeine politische Diskurs auch auf Schüler aus. "Aber harte Auseinandersetzungen in der Politik sind nichts absonderliches."

Die Aufgabe der Schule sieht er darin, einen wertschätzenden Umgang miteinander zu lehren. "Schule muss Werte-Erziehung leisten." Besonders in der Pflicht sieht Silbernagel die Eltern. Sie müssten ihrer Vorbildfunktion nachkommen und beispielsweise auch Respekt vor Polizisten oder anderen Autoritätspersonen lehren. "Wenn die zu Hause ständig verunglimpft werden, ist es kein Wunder, wenn die Schüler sich das abschauen."

Düsseldorfer Schuldirektor nimmt's gelassen

Auch Klaus-Peter Vogel, Direktor der Gemeinschaftshauptschule Bernburger Straße, sieht das Problem in Düsseldorf nicht. "Schüler sehen eher keine politischen Talkshows", sagt er lakonisch. Die Gefahr, sich dort sprachliche oder andere Unsitten abzugucken, sei also gering. Problematischer sieht er das Potential der Beleidigungen in sozialen Netzwerken. "Wenn Schüler sich dazu hinreißen lassen, jemanden bei Whatsapp zu beleidigen, kommt das bei uns auf den Tisch." Dann seien die Lehrer, Sozialpädagogen und Streitschlichter gefragt, um den Schülern nahezubringen, wie wichtig Respekt sei.

Ansonsten sieht er das sprachliche Niveau auf den Schulhofen gelassen. "Dass Schüler eine nicht gemäße Sprache sprechen, war immer schon an der Tagesordnung", sagt er. Es sei sinnvoll, dafür immer wieder zu sensibilisieren. Aber die Sprache der Rechtspopulisten wie beispielsweise der AfD - "das ist nicht die Sprache unserer Schüler, und ich sehe nicht, dass sie das beeinflusst."

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