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Düsseldorf
Bollerwagen mit Grill und Krumme

Düsseldorf: Bollerwagen mit Grill und Krumme
Doris Stricker und ihre Freunde haben einen Bollerwagen der Extraklasse gebaut - sogar mit Grill. FOTO: Doris Stricker
Düsseldorf. Die einen treffen sich Altweiber immer zum Frühstück, andere jedes Jahr zum Kö-Treiben. Die Karnevalstraditionen der Düsseldorfer. Von Antonia Kasparek

Altweiber und Rosenmontag fallen (fast) jedes Jahr auf ein anderes Datum, doch die offiziellen Traditionen sind immer die gleichen: der Möhnensturm um 11.11 Uhr aufs Rathaus, der Rosenmontagszug, die Hoppeditzbeerdigung am Aschermittwoch. Doch jenseits dieses festen Rahmens haben viele Düsseldorfer ihre ganz eigenen Karnevalstraditionen entwickelt.

Wie Nadine Keller aus Kalkum. Seit Jahren trifft sich die 38-Jährige mit sieben Freundinnen an Altweiber zum Frühstück. Auf die Kinder passen die Väter auf: "Das ist unser Mädelstag", sagt Nadine Keller. Dieses Jahr ist sie mit der Ausrichtung dran. "Es gibt Mettbrötchen, Mettwürstchen und Käse", sagt die Mutter von zwei Kindern. "Was Deftiges, damit wir alle eine gute Grundlage haben. Natürlich stimmen sich die Freundinnen auch schon mit Prosecco und einem Gläschen Düsseldorfer Krumme ein. Um 11.11 Uhr stehen die Mädels dann pünktlich am Rathausplatz - natürlich im Kostüm. "Dieses Jahr haben wir das Motto ,Neonbunt, jetzt geht's rund', wir sind aber auch schon alle als Schornsteinfeger, Pippi Langstrumpf oder Robin Hood gegangen", sagt Keller. Je nachdem, wie das Wetter ist, lassen sich die Freundinnen treiben, aber auf jeden Fall geht es in den Hühnerstall. "Das hat einfach Tradition und Besitzerin Petra begrüßt uns schon seit vielen Jahren." Tulpensonntag fahren die Kellers mit der ganzen Familie zum Veedelszug nach Gerresheim. Danach geht auf einen Absacker in die Fuchsjagd. "Rosenmontag sind wir dagegen immer spontan - auch das hat Tradition. Mal sind wir beim Zug in Wittlaer - dieses Jahr aber wieder auf der Kö."

Auch Doris Stricker ist mit ihrem Freundeskreis am Karnevalssonntag immer in Gerresheim beim Veedelszoch unterwegs: "Im Laufe der Jahre haben wir uns einen tollen Bollerwagen mit allerlei Schnickschnack gebaut. Den passen wir jedes Jahr unserem jeweiligen Motto an. Unsere Truppe war als Froschteich, Engel, Panzerknacker oder Ärzteteam unterwegs - und als besonderes Highlight in 2017 hatten wir das Motto Tour de France. In diesem Jahr gehen wir wieder zurück zu den Wurzeln unserer Kindheit und spielen Cowboy und Indianer, natürlich mit der dazu passenden Musik." Die Vorbereitungen für Karneval, die meist umfangreich sind, machten aber genauso viel Spaß wie der Tag selber, findet sie. Inzwischen haben die Freunde sogar einen Grill an den Bollerwagen gebaut, der nach dem Zoch am Alter Markt angeschmissen wird.

Die bunte Truppe aus Familie und Freunden um Siegrid Rehm läuft seit 30 Jahren dem Rosenmontagszug voraus. FOTO: Siegrid Rehm

Angela König wird mit 15 anderen "feuchtfröhlichen Jungfrauen" aus Reisholz unterwegs sein. "Uns gibt es seit 1992", sagt sie. "Wir sind kein eingetragener Verein und waren zu Anfang nur ein kleiner Kreis, doch mittlerweile sind wir 16 Mädels und bekannt bei uns im Bezirk. Wir haben auch einen eigenen Wagen, auf dem wir Karnevalssonntag an einem Veedelszoch teilnehmen. Unsere Farben sind Schwarz/Pink, die wir schon wunderbar für Indianer- und Wikinger-Kostüme verwenden konnten." Altweiber treffen sich die "feuchtfröhlichen Jungfrauen" zum Frühstück und danach geht es nach Holthausen zum Feiern bei der KG Düsseldorfer Räbbelche. Hinterher wartet als Stärkung eine leckere Kartoffelsuppe auf die Mädels-Truppe, die den Tag mit einer kleinen Kneipentour durch Reisholz beenden wird.

Siegrid Rehm aus Pempelfort pflegt eine Karnevalstradition, die in ihrer Familie schon seit über 40 Jahren besteht: "Schon als Kinder haben wir am Karnevalssonntag ungeduldig darauf gewartet, auf die Kö zu gehen und dort fröhlich Straßenkarneval zu feiern. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Seit 30 Jahren laufen wir nun als bunte Gruppe aus Familie und Freunden dem Rosenmontagszug voran und haben Spaß daran, die Kinder am Straßenrand mit unserem eigenen Wurfmaterial zu beschenken", erzählt Rehm. "Wir leben den Karneval und zählen die Tage bis Altweiberfastnacht. Für uns ist Karneval nicht nur die fünfte Jahreszeit, sondern das zweithöchste Fest neben Weihnachten."

Angelika Heiligtag kann sogar über zwei familiäre Karnevalstraditionen berichten: Seit vielen Jahren geht sie gemeinsam mit ihrer Mutter, Ursula Stelzmann, als Möhne verkleidet in die Altstadt. "Als Karneval 2003 die damalige Venetia Melanie für die Altstadt-Armenküche um Spenden bat, ist bei uns die Idee entstanden, Krawatten für einen Euro zu verkaufen und den Erlös an die Armenküche zu spenden. Seitdem gehen wir Altweiber immer mit 50 bis 80 Krawatten aus dem Haus und fangen mit dem Verkauf an, sobald wir auf der Bolkerstraße sind. Kurioserweise kommen wir am Nachmittag immer völlig nüchtern nach Hause." Heiligtag hofft, dass sie diesen Brauch noch lange mit ihrer 80-jährigen Mutter pflegen kann. Doch damit nicht genug: "Die zweite Karnevalstradition in unserer Familie hat mein Vater Karl Heinz Stelzmann initiiert. Als Jugendlicher hat er bereits Anfang der 50er-Jahre mit der Zigeunertruppe Sahm beim Rosenmontagszug mitgemacht. Meine Mutter wurde schnell vom Karnevalsvirus angesteckt. Es wurden eigene Zigeunerkostüme angefertigt - später auch für Verwandte und Bekannte", sagt Heiligtag. Seit 1974 ist Ursula Stelzmann die Chefin der Zigeunertruppe, die jeden Rosenmontag mit 40 bis 60 Personen im Zug dabei ist.

Uta Wahl trauert einer liebgewonnenen Tradition nach, die leider nicht mehr besteht: Den vorbeifahrenden Rosenmontagszug aus einer Suite des Steigenberger Parkhotels anzuschauen. "Die Direktion des Hotels lud jährlich Kunden in eine Suite ein, von der aus man dem Zug zujubeln konnte. Die gesamte Fensterfront an der Seite zum Kaufhof war an Firmen oder Institutionen vermietet", erzählt Wahl. "Es war stets eine tolle Party, man hatte einen super Blick und bei schlechtem Wetter schön im Trockenen. Der Nachteil: Nur wenige Zugteilnehmer konnten so hoch werfen." Als der Zug wegen des Kö-Bogen-Tunnels die Streckenführung ändern musste, endete diese Tradition.

Klaus Lückerath hält mit Freunden und Familie schon seit Jahrzehnten an einem unumstößlichen Karnevalsbrauch fest: "Am Karnevalssonntag, auch wenn es regnet, gehen wir auf die Kö, um dort den Straßenkarneval mitzuerleben. Ob verkleidet oder auch nicht, hier spielt für uns die (Karnelvals)-Musik. Unseren Bierdurst und den kleinen Hunger stillen wir an den Verkaufsständen." Rosenmontag zelebriert Lückerath den Karneval traditionell mit Freunden zuhause: "Unser Freundeskreis trifft sich zum gemeinsamen Fernseherlebnis - die Übertragung des Düsseldorfer Rosenmontagszugs. Wie sind jedes Jahr aufs Neue wieder davon fasziniert." Dazu gibt es Kartoffelsalat und reichlich Altbier - und natürlich auch lecker gefüllte Berliner.

Quelle: RP
 
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