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Landeshauptstadt
Boomtown Düsseldorf - und die Folgen

Landeshauptstadt: Boomtown Düsseldorf - und die Folgen
FOTO: Grafik: Ferl
Düsseldorf. In Rankings belegt die NRW-Landeshauptstadt regelmäßig Spitzenplätze und kann viele Rekorde vorweisen: steigende Einwohnerzahl, immer mehr Geburten, Pendler und Sportaktive. Das stellt die Stadt aber auch vor Herausforderungen. Von Denisa Richters

Vor einigen Tagen war es wieder so weit: Düsseldorf landete bei einem Städtevergleich auf einem Top-Platz. Die Unternehmensberatung Mercer hatte weltweit 230 Städte auf ihre Lebensqualität hin untersucht - die NRW-Landeshauptstadt kam auf Platz sechs und ließ selbst das hippe Berlin hinter sich. Solche Rankings gibt es viele und viele Bereiche, in denen Düsseldorf Rekorde bricht, von denen manche andere Großstadt nur träumen kann. Doch Wachstum stellt die Verantwortlichen im Rathaus auch vor besondere Herausforderungen.

Einwohnerzahl steigt weiter

Fotos: Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Düsseldorf FOTO: Hans-Juergen Bauer

Während die Bevölkerung in vielen Städten, auch in Nordrhein-Westfalen, schrumpft, steigen die Einwohnerzahlen in Düsseldorf seit Jahren. Und zwar schneller, als manchen lieb ist. Es ist noch nicht lange her, dass die 600.000er-Grenze überschritten wurde, Ende 2015 waren es bereits 628.437 Düsseldorfer - 8602 mehr als ein Jahr zuvor. Das positive Saldo ist auch, aber nur zu einem Drittel, auf Flüchtlinge zurückzuführen, die die Stadt aufgenommen hat. Jedes Jahr werden in Düsseldorf auch mehr Babys geboren, 8136 waren es vergangenes Jahr bis 21. Dezember, ein neuer Rekord. Wobei in dieser Zahl auch Kinder von jenen Müttern enthalten sind, die nur in einem Düsseldorfer Krankenhaus entbunden haben, aber jenseits der Stadtgrenze leben. Echte Düsseldorfer waren 6528 Neugeborene. Laut Prognose wird die Einwohnerzahl weiter steigen.

Gentrifizierung droht

Düsseldorfs blaue Stunden FOTO: Endermann, Andreas

Das ist einerseits ein Glück, denn in einer wachsenden Stadt ist nicht nur Leben, sondern das bedeutet auch Arbeitskräfte, Steuer- und Gebührenzahler, Kunden für Handel, Gastronomie und Theater. Es bedeutet aber auch höhere Nachfrage - zum Beispiel nach Wohnraum. Höhere Mieten und Immobilienpreise sind die Folge, auch Verdrängung von einkommensschwächeren Menschen aus bestimmten Vierteln. Zumal über viele Jahre hinweg zu wenig preiswerte Wohnungen gebaut worden sind. Die Stadt steuert zwar nach, doch sind die Flächenreserven nicht mehr allzu üppig. Zumal auch die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien immens ist - drei Millionen Euro wurden in diesem Segment 2015 investiert, oft aus dem Ausland.

Die steigenden Mieten in Düsseldorf haben auch zur Folge, dass viele Menschen ins Umland ziehen - und zur Arbeit nach Düsseldorf pendeln. 287.462 Einpendler waren es täglich laut der aktuellsten städtischen Zahl von Mitte 2013, tägliche Auspendler wurden 91.266 gezählt. Das erfordert nicht nur ein gut funktionierendes Straßennetz. Um die Straßen zu entlasten, sind auch Anreize nötig, zumindest innerhalb der Stadt auf Busse und Bahnen oder das Fahrrad umzusteigen.

Herausforderungen für Schulbau

Aber auch bei Schulen und Kitas führt das Wachstum zu Engpässen. Bisher basieren die Planungen für neue Schulräume auf einem Plus von 6500 Schülern bis 2020 - was die Stadt beim Schulbau schon vor Herausforderungen stellt. Jetzt müssen sie den höheren Bevölkerungszahlen angepasst werden. Vom Schuljahr 2019/20 bis 2020/21 geht man nun von weiteren 1685 Schülern aus, was zusätzliche Neu- und Erweiterungsbauten bei Schulen und somit einen höheren finanziellen Bedarf mit sich bringt.

Bei den sportlich Aktiven in Vereinen rechnet man in Düsseldorf ebenfalls mit steigenden Zahlen - was begrüßenswert ist, weil es zeigt, dass Fitness und Vereinsleben eine große Rolle spielen. Für das Rathaus bedeutet das aber, dass ausreichend und gut ausgestattete Flächen und Räumlichkeiten angeboten werden. Auch das kostet. Rekordzahlen meldet auch der Flughafen: 22 Millionen Passagiere waren es 2015.

Das schlägt sich in den Übernachtungszahlen nieder (4,4 Millionen 2015), weshalb neue Hotels entstehen - die aber wiederum mit Wohnraum konkurrieren. Immerhin: Weil größere Flugzeuge im Einsatz sind, sinkt trotz des Passagierrekords die Zahl der Flüge.

Quelle: RP
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