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Düsseldorf
Brand in Flüchtlingsheim wohl ein Unfall

Düsseldorf: Brand in Flüchtlingsheim wohl ein Unfall
Christian Schlich von der Feuerwehr (r.), die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch und Peter Lorch vom Amt für soziale Sicherung und Integration. FOTO: H.-J. Bauer
Düsseldorf. Mit einem Großaufgebot brachte die Feuerwehr ein Feuer in einer Unterkunft an der Schanzenstraße unter Kontrolle. Es gab nur Leichtverletzte, ein Anschlag wird ausgeschlossen. Die 179 Bewohner wurden in drei Turnhallen untergebracht. Von Marc Ingel und Denisa Richters

Drei Löschzüge, zwei zusätzliche Löschfahrzeuge, sechs Rettungswagen - bei Brandalarm in einem Flüchtlingsheim rücken die Rettungskräfte in großer Stärke an. So auch am Freitagmittag an der Schanzenstraße in Oberkassel. In dem Gebäuderiegel mit fünf Stockwerken, das die Stadt seit Jahren für die dauerhafte Unterbringung von Flüchtlingen angemietet hat, ist Platz für 210 Menschen. 179 lebten dort, bis ein Feuer in einer Wohnung in der dritten Etage, das auf den vierten Stock übergriff, und die anschließenden Löscharbeiten das Haus vorerst unbewohnbar machten.

Den eintreffenden Wehrleuten boten sich dramatische Bilder: An der Vorderseite und an der Rückseite des Gebäudes, wo das Feuer ausgebrochen war, wollten Bewohner bereits aus Angst vor den Flammen aus dem Fenster springen. "Wir konnten sie über Drehleitern retten", sagt Christian Schlich, der stellvertretende Amtsleiter der Feuerwehr. Die Polizei hatte das Gebiet großräumig abgesperrt, ließ keine Autos mehr durch. "Es hat in dem Flüchtlingsheim gebrannt", erzählte ein Anwohner. Eine Schwarzafrikanerin bestätigt auf Englisch: "Die Flammen schlugen aus einem Fenster im dritten Stock." Und eine Passantin sagt das, was alle Umstehenden jetzt inständig hoffen: "Bitte kein Anschlag."

Feuer in Asylbewerberunterkunft in Düsseldorf-Oberkassel FOTO: Anne Orthen

Am Ende ging alles glimpflich aus: Drei Menschen wurden leicht verletzt, mussten nicht einmal in eine Klinik eingeliefert werden. Die Brandursache steht zwar nicht endgültig fest, die Polizei ermittelt noch, doch man geht "mit höchster Wahrscheinlichkeit" davon aus, dass es sich nicht um einen Anschlag handelt. Die Ursache könne ein technischer Defekt oder "fahrlässiger Umgang in der Küchenzeile" in der Wohnung gewesen sein.

"Es war Glück im Unglück", sagt die städtische Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch. Für die Stadt, die Diakonie, die für die Betreuung in dem Flüchtlingsheim zuständig ist, und für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) war es dennoch eine strategische Herausforderung: Denn in der ohnehin schon angespannten Situation bei der Unterbringung von Flüchtlingen mussten die 179 Bewohner von der Schanzenstraße am Freitag kurzfristig auf andere Unterkünfte verteilt werden. "Wir hatten in zwei Schulturnhallen noch 100 Plätze Reserve", so Koch. Eine weitere in Pempelfort wurde noch hergerichtet und mit Betten ausgestattet. In allen drei Hallen - an der Friedenstraße in Unterbilk, an der Stettiner Straße in Garath und an der Pempelforter Straße in Pempelfort - ist das DRK für die Betreuung der Bewohner zuständig. Mit dem Land wurde laut Koch vereinbart, dass angesichts der besonderen Situation in der nächsten Woche keine zusätzlichen Zuweisungen von Flüchtlingen an Düsseldorf erfolgen sollen.

Düsseldorf: Hier sollen Flüchtlinge untergebracht werden FOTO: dapd, dapd

Die Rheinbahn stellte am Nachmittag Busse zur Verfügung, um die Flüchtlinge zu den Unterkünften zu bringen. Doch der Transport verzögerte sich, die Registrierung, notdürftig von den Mitarbeitern des Amtes für soziale Sicherung und Integration auf einem Stromkasten als Schreibtisch durchgeführt, zog sich in die Länge. Die Flüchtlinge ganz unterschiedlicher Nationen warteten zunächst geduldig mit dem, was sie in der Eile hatten mitnehmen können - darunter zwei Käfige mit einem Kanarienvogel und einem Kaninchen - in schattigen Hauseingängen. Als jedoch klar war, dass nur diejenigen noch einmal ins Haus durften, die unterhalb der betroffenen dritten Etagen wohnten, gab es kurzen Tumult.

Weil viele der Evakuierten aus diesem Grund ohne ihr ohnehin spärliches Hab und Gut umziehen mussten, veranlasste Thorsten Nolting, der Vorsitzende der Diakonie, dass die Fairhaus-Läden länger offenblieben, damit sich die Flüchtlinge mit Kleidung und anderen Notwendigkeiten eindecken konnten. Auch im Umfeld des Flüchtlingsheims war die Hilfsbereitschaft groß: "Ein Nachbar bot spontan an, eine Flüchtlingsfamilie mit Kindern bei sich im Haus unterzubringen", sagt Koch. Das sei aber letztlich nicht nötig gewesen.

Isaac Boahen aus Ghana zählte zu den Bewohnern, die das Unglück unbeschadet überstanden: "Ich habe gerochen, dass da was nicht stimmt, kurz danach setzte der Alarm ein und wir sind alle rausgestürmt. Draußen habe ich dann gesehen, wie die Bewohner in dem brennenden Zimmer aus dem Fenster springen wollten. Zum Glück war die Feuerwehr rechtzeitig mit einer Leiter da", berichtet er.

Quelle: RP
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