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Schwerpunkt Altstadt
Brauerei Kürzer: So jung kann Alt sein

Düsseldorf. Hans-Peter Schwemin hat die Brauhaus-Tradition modern interpretiert. Das war gewagt, aber es hat sich gelohnt. Von Torsten Thissen

Wer über die Düsseldorfer Altstadt nachdenkt, kommt nicht an ihrer Gastronomie vorbei. Das ist es wohl, was die meisten Menschen mit dem Stadtteil verbinden, die kaum überschaubare Anzahl von Kneipen, Bars und Clubs, die vielen Menschen, die sich besonders am Wochenende durch die engen Straßen schieben und so den Ruf von der angeblich längsten Theke der Welt begründet haben. Besonders auf der Bolkerstraße ist das Geschäft auf Masse ausgelegt, meist auf ein junges Publikum. Eine Sonderrolle nehmen die Brauhäuser ein. In ihnen wird die Tradition gepflegt, Tempel des rheinischen Brauchtums sind sie, zu denen ein manchmal misslauniger Köbes gehört, wie die Zwiebelringe zu Blut- und Leberwurst. Das ist fraglos nicht immer jedermanns Sache, und so war es vielleicht nur eine Frage der Zeit, dass jemand auf die Idee kam, die Idee des Brauhauses zu entstauben.

Was man der Brauerei Kürzer zu gute halten muss: Sie hat den traditionellen Qualitätsanspruch, den die alten Hausbrauereien wie Uerige oder Schlüssel pflegen, beibehalten, und so ist die Grundlage des Gastronomie-Konzepts von Hans-Peter Schwemin das Bier.

Kürzer Alt ist fein und malzig, und auch was für Leute, die von Haus aus keine Alt-Trinker sind. Hinzu kommt eine Atmosphäre, die sowohl an eine Studentenkneipe erinnert, dabei aber auch die Brauhaus-Tradition nicht verleugnet. Nicht zuletzt natürlich deswegen, weil im hinteren Teil der Kneipe tagsüber eben gebraut wird. Die Anlage ist Teil des gastronomischen Konzepts, eigentlich ist sie das edelstählerne Herz der Kneipe.

Man muss in diesem Zusammenhang erwähnen, wie mutig es war, eine eigene, neue Altbier-Brauerei in der Altstadt zu errichten. Die Investitionen waren immens. Zwei Häuser in der Kurze Straße mussten zusammengelegt und renoviert werden, und zwar so, dass etwa die fünf Meter hohen, maßgefertigten Biertanks untergebracht werden konnten.

Das alles wurde mit einer beeindruckenden Liebe zum Detail gemacht, wenn etwa im hinteren Teil des Ladens die alten Kacheln einer Wurstküche erhalten blieben oder der Gewölbekeller aus dem 16. Jahrhundert so weit Instand gesetzt wurde, dass man ihn für Geburtstage oder andere private Feiern mieten kann. Der Erfolg: Kürzer hat sich als fünfte Hausbrauerei in der Altstadt neben Uerige, Schlüssel, Schlösser und Schumacher etabliert. Inzwischen gibt es das Bier auch in ausgewählten Getränkemärkten und in vier anderen Düsseldorfer Kneipen. Zehn Menschen bietet das moderne Brauhaus inzwischen Arbeit, das Unternehmen kann und will noch expandieren, doch man weiß auch, dass es Zeit braucht. "Andere Brauereien haben zum Teil mehr als 150 Jahre Vorsprung, bis sie das wurden, was sie heute sind", sagt der Leiter der Gastronomie Patrick Walsdorf.

Die Marke setzt immer noch auf Mund zu Mund-Propaganda, es gibt keine Werbekampagnen. Deshalb wird Kürzer auch mehrheitlich noch von Düsseldorfern besucht. Darunter sind Junge und Alte. Letztlich ist es dann doch die Qualität, die überzeugt.

Quelle: RP
 
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