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Schließung zum 31. März
Kunde schreibt Liebeserklärung an Stern-Verlag

Buchhaus Stern-Verlag: Kunde schreibt Liebeserklärung an seine Buchhandlung
Am 31. März schließt das Geschäft an der Friedrichstraße. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf . "Du warst immer da, gehörtest einfach dazu. Du wirst fehlen." Diese herzergreifenden Wort stammen aus der Feder eines Kunden der Düsseldorfer Buchhandlung Stern-Verlag, die am 31. März schließen wird. Sein "Abschiedsbrief" rührt viele Facebook-Nutzer.  Von Jessica Kuschnik

Sebastian Brück schwelgt auf Facebook in Erinnerung an gemeinsame Zeiten. Er erzählt Anekdoten, versucht zu ergründen, warum es vorbei ist. Seine Liebeserklärung richtet er aber nicht an eine Frau oder eine geliebte Person. Er richtet sie an das Buchhaus Stern-Verlag in Düsseldorf, das Ende März schließen muss. 

Auf Facebook begeistert der Beitrag viele Nutzer. Fast 900 Mal wurde er mit "Gefällt mir" markiert, 220 Mal wurde er geteilt (Stand Donnerstagmittag). Minütlich werden es mehr. Unter den Kommentatoren hat er viele Gleichgesinnte gefunden – sie alle tun sich schwer mit dem Gedanken, dass "ihre" Buchhandlung bald nicht mehr da sein wird. 

ABSCHIEDSBRIEF AN DIE GRÖSSTE BUCHHANDLUNG DEUTSCHLANDSLiebes Buchhaus Stern-Verlag,Ja, ich weiß: Eigentlich ist es...

Posted by Sebastian Brück on  Dienstag, 16. Februar 2016

Der Post beginnt süffisant: "Ja, ich weiß: Eigentlich ist es eine bescheuerte Idee, eine Buchhandlung persönlich anzusprechen. Doch Du bist nun mal eine Ausnahmeerscheinung", schreibt Sebastian Brück. Er schwelgt in "gemeinsamen Erinnerungen": Wie er sich in der Buchhandlung in den 70ern als Grundschüler seine ersten Bücher aussuchen durfte; wie er in den 80ern als Gymnasiast und in den 90ern als Student seine Fachbücher bestellte; wie er im ersten Obergeschoss im Antiquariat stöberte. "In den vergangenen Jahren habe ich meiner Tochter bei Dir ihre ersten Bilderbücher ausgesucht, und manchmal sind wir samstags gemeinsam zum ,Vorlesen für Kinder' vorbeigekommen", schreibt er.

Minütlich kommen Kommentare auf Facebook hinzu

Auch erzählt er von seinem Freund, der unfreiwillig zum Ladendieb geworden war, weil er beim Stöbern die Zeit vergaß und kurz vor Ladenschluss übereilt das Geschäft verließ – ohne zu bemerken, dass er noch ein unbezahltes Buch in der Hand hielt. "Zurückgetraut in den Laden hat er sich aber nicht. Der Fall ist inzwischen sicher verjährt, für Dich hatte er positive Langzeitfolgen: Der Täter hat mir berichtet, dass er seitdem ein umso treuerer Kunde geworden ist – und Amazon bis heute boykottiert."

Der Post spricht vielen Lesern aus der Seele, wie sie in ihren Kommentaren beteuern: "Egal bei welchem Wetter, ein Aufenthalt im Sternverlag und seinem Café war immer ein kleiner Urlaub mitten im Alltag", schreibt eine Kundin. Sogar eine Kanadierin meldet sich zu Wort.

Am Ende seines Abschiedsbriefes stellt Sebastian Brück die Frage: "Hätte man Dich mit einem neuen, vermeintlich ,moderneren' Konzept retten können? Oder warst Du einfach nicht mehr ,zeitgemäß'? Ich weiß es nicht. Doch eines weiß ich sicher: Du wirst fehlen."

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