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Düsseldorf
Buddhismus für Anfänger

Buddhismus in Düsseldorf leben
Philipp Wesemann leitet die Einführung in die Lehren des Buddhas im Buddhistischen Zentrum. FOTO: Lisa Kreuzmann
Düsseldorf. Die größte buddhistische Gemeinde der Stadt ist nicht etwa eine japanische - in einer alten Kneipe kann jeder zum Buddhisten werden. Von Lisa Kreuzmann

Die buddhistische Weisheit folgt einer simplen Kosten-Nutzen-Kalkulation. Und die geht so: Wenn ein Buddhist einen Strafzettel bekommt, dann ärgert er sich nicht. Denn Ärger nutzt weder ihm, noch anderen. Und darum geht es. Sich selbst und anderen nützlich sein. Das ist effizient. Und Zorn stört dabei nur.

Also blickt der Buddhist in den Himmel, freut sich, dass er blau ist und er keine Punkte bekommen hat. Es geht darum, das "Störgefühl Zorn" in etwas Nettes umzuwandeln. So jedenfalls erklärt es Philipp Wesemann beim Schnupperkurs Buddhismus im Buddhistischen Zentrum. Hier sind überhaupt alle sehr nett zueinander, umarmen sich lange und intensiv. Und auch Fleisch isst man, Alkohol ist auch okay. Alles, nur nicht dogmatisch will man sein.

Die größte buddhistische Gemeinschaft der Stadt ist nicht etwa eine japanische. Die Buddhisten der Stadt heißen Maria, Claudia, Philipp und Dirk. Sie sind Heilpädagogen, Ingenieure, Techniker, Handwerker, Verkäufer, Informatiker, Sozialarbeiter und Logopäden. Sie tragen Jeans und T-Shirt und nehmen zum Meditieren ihre Getränke, Handys und Zigarettenschachteln mit. Sie treffen sich mehrmals die Woche in den Räumen einer ehemaligen Kneipe in Unterbilk, um der eigenen Buddha-Natur näher zu kommen.

Warum diese Buddha-Natur so erstrebenswert ist, wird jeden Dienstagabend beim offenen Kennelernen erklärt. Dann können auch andere dazu kommen, die wissen wollen, wie es ist, der Erleuchtung ganz nahe zu sein. Heute ist Claudia Sautter zum ersten Mal mit dabei. Die Klarinettistin bei der Neuen Philharmonie Westfalen hat viele Jahre Yoga gemacht. "Ich bin einfach neugierig, was es noch für mich gibt", sagt die 35-Jährige.

Buddhismus ist Zeitgeist. Zumindest eine romantisierte Form davon. "Die meisten Yoga-Studios bieten ja heute Meditation an", sagt Dirk Wenzel, der früher mal Christ war, so wie die meisten hier. Yoga ist Volkssport für die gestressten Großstädter. Viele merken: Es tut ihnen gut. Das "geschmeidiger werden", das "sich ausrichten", wie es Lehrer Philipp Wesemann beschreibt.

Und Buddhisten, so scheint es, geht es einfach besser. "Wir lachen viel, wir sind laut", sagt Dirk Wenzel. "Diese Freude, die nicht an Bedingungen geknüpft ist", erklärt er. "Ein Zustand von permanenter Freude, Klarheit und Mitgefühl." Dabei habe jede buddhistische Gruppe ihre eigene Schwingungen. "Wir sind gerne nah miteinander."

Das Buddhistische Zentrum in Düsseldorf gibt es bereits seit 1991. Anfangs in Privaträumen untergebracht, ist es seit 13 Jahren in Unterbilk zu Hause. Gegründet hat es ein Däne, Lama Ole Nydahl, der ein wichtiger Mann in Düsseldorf ist. Ein Vorbild, ein Lehrer, ein Begleiter. Sein Bild hängt im Meditationsraum neben dem von H.H. 16. Gyalwa Karmapa, ein tibetischer Lama, der die Gründung der Buddhistischen Zentren in 15 Städten in NRW in Auftrag gegeben hat und ein noch entscheidenderer Mann ist. Sein Bild ist ein bisschen größer.

Mit rund 130 Mitgliedern ist das Zentrum die größte buddhistische Gemeinschaft der Stadt. Selbst im Eko-Haus der japanischen Kultur ist die Gemeinschaft nicht so groß. Denn die Japaner, sagt Japanologe und buddhistischer Priester im Eko-Haus Marc Nottelmann-Feil, leben ihre Spiritualität vielmehr im Privaten. "Buddhismus in Japan ist eine Familienreligion", sagt der Wissenschaftler.

Die Unterbilker Buddhisten folgen der Tradition der Karma Kagyü Linie, einer der vier großen Schulen des tibetischen Buddhismus. Dabei geht es ihnen darum, die Methoden Buddhas im Alltag anzuwenden. "Das ist kein Glaube", sagt Dirk Wenzel, "uns geht es um innere Erfahrungen. Wir sind Freunde auf dem Weg zur Erleuchtung." Das Ziel: ein Zustand, in dem man sein volles Potenzial ausschöpft. Ein Zustand, den wohl nur wenige erreichen können. Aber es zu versuchen, scheint glücklich zu machen.

Jeden Dienstagabend, 20 bis 22 Uhr, lädt das Buddhistische Zentrum in der Volmerswerther Straße 3 Interessierte zum Kennenlernen ein.

Quelle: RP
 
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