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So wohnt Düsseldorf
Buddhisten planen ein Wohn-Quartier

So wohnt Düsseldorf: Buddhisten planen ein Wohn-Quartier
Das Buddhistische Zentrum befindet sich an der Volmerswerther Straße. Das Wohnprojekt soll nach Möglichkeit in der Nähe entstehen. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. 22 Erwachsene, sieben Kinder, drei Generationen - und die Idee, unter einem Dach zu leben. Nun wird ein Grundstück gesucht. Von Ute Rasch

Menschen eilen vorbei, schleppen Einkäufe, wollen noch schnell die Straßenbahn erreichen. Ihn kümmert das nicht: Der Buddha blickt aus einem Fenster auf die Volmerswerther Straße, mit ewigem Lächeln, als wundere er sich, was die da draußen so treiben. Früher war hier mal eine Kneipe mit Vereinssaal und deutscher Gemütlichkeit. Seit acht Jahren aber werden die Räume in Unterbilk vom Buddhistischen Zentrum Düsseldorf genutzt. Einige der 130 Mitglieder haben einen Traum: Sie wollen unter einem Dach leben, arbeiten, meditieren - und planen das erste buddhistische Wohn-Quartier Düsseldorfs.

Nein, sie sind keine Mönche, die rostrote Gewänder trägen, in Armut leben und viele Stunden des Tages in Meditation versinken. Sie arbeiten bei Versicherungen und in der Telekommunikation, sind Marketing- und IT-Experten. "Wir sind Laien-Buddhisten und schon froh, wenn wir einmal am Tag zum Meditieren kommen. Wir haben Familien und leben ein ganz normales Leben", sagt Thomas Weyer. Mit einem Unterschied: Irgendwann fanden sie alle auf ganz unterschiedlichen Wegen zum Buddhismus - und dadurch zueinander. So entstanden enge Freundschaften und schließlich eine Vision: 22 Erwachsene, sieben Kinder, drei Generationen wollen bauen und gründen soeben - ganz westlich-weltlich - eine Genossenschaft.

Auf einem gezeichneten Plan hat die Zukunft schon Gestalt angenommen: Er zeigt einen Hinterhof in Unterbilk, der Stadtteil wäre aus Sicht der Gruppe ideal, weil das heutige Zentrum schon vielen Düsseldorfern bekannt ist und jedes zweite Mitglied in der Nähe wohnt. Die Architektur ist eine Mischung aus alten Industrie- und modernen Ergänzungsbauten mit Werkstätten, Ateliers, Wohnungen und dem buddhistischen Zentrum, dessen spirituelle Mitte der große Meditationsraum ist - ein Ort der Stille.

Aber da der Mensch nicht allein durch das Streben nach Erleuchtung Glückseligkeit erlangt, soll direkt daneben der zweite Treffpunkt für die ganz und gar handfesten Genüsse entstehen: eine große Gemeinschaftsküche. "In einer Küche findet das Leben statt, wir essen alle gern", meint Nathalie Josten, eine junge Frau, die als Schülerin ein Praktikum in einem buddhistischen Kloster absolviert hat. "Ich hatte damals viele offene Fragen und bekam zum ersten Mal Antworten, die mich überzeugt haben."

In den nächsten Monaten will die Gruppe ein Grundstück suchen, das etwa 1000 Quadratmeter groß sein sollte. Und dann wollen alle miteinander die schwierige Aufgabe angehen, die Finanzierung zu stemmen. Dabei hoffen sie, von der Erfahrung anderer Wohngruppen zu profitieren. Innerhalb der Genossenschaft soll jedes Mitglied Eigentümer seiner privaten Wohnung sein, die Gemeinschaftseinrichtungen sind als gemeinsamer Besitz vorgesehen. Oder wie Thomas Weyer das formuliert: "Die sind ein Geschenk, das wir uns allen machen." Er selbst entdeckte den Buddhismus, als er durch persönliche Erfahrungen lernen musste, "wie vergänglich alle Dinge sind". Zwar werde der Buddhismus zu den Weltreligionen gezählt, von den Praktizierenden aber eher als Methode angesehen, das Leben zu bewältigen - "ohne Hierarchien", wie Nathalie Josten betont.

Dass sie "als Gruppe gut funktionieren", daran zweifeln die künftigen Genossenschaftler nicht, sind sie doch darin geübt, regelmäßig Sommerkurse im Allgäu mit 7000 Teilnehmern zu organisieren. Das gemeinsame Leben soll ihre Gemeinschaft weiter stärken, so das erklärte Ziel. Und wenn es unterschiedliche Meinungen bei der Planung und später auf der Baustelle gibt? Oder haben Buddhisten keinen Krach? "Na klar haben wir Auseinandersetzungen", lacht Thomas Weyer, "wir sind doch Menschen." Aber vielleicht welche, die ausgestattet sind mit einem besonders ausgeprägten Sinn für Harmonie.

Quelle: RP
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