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Zelte an Gleisen aufgeschlagen
Illegales Obdachlosen-Camp in Düsseldorf entdeckt

Düsseldorf: Illegales Obdachlosen-Camp hinter dem Gericht in Oberbilk entdeckt
Das illegale Camp in Oberbilk ist für die Anwohner ein Ärgernis. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
In Oberbilk haben Obdachlose hinter dem Amts- und Landgericht Zelte aufgeschlagen und Holzhütten gebaut. Müllberge türmen sich, auf dem Boden liegen benutzte Spritzen. Die Stadt ist von den Ausmaßen überrascht. Von Tanja Karrasch, Düsseldorf

Auf den ersten Blick sind die Zelte fast nicht zu erkennen. Erst wer näher hinschaut, sieht, dass sie halb versteckt im Gebüsch stehen, davor liegt Müll. Daneben, auf den Schotterwegen und Trampelpfaden, unter den Sträuchern ebenfalls. Benutzte Spritzen und Tupfer mit Blut, dreckige Kleidungsstücke, leere Schachteln, Konservendosen, zerrissene Taschen, Sperrmüll. Die Fläche hinter dem Amts- und Landgericht an der Werdener Straße in Oberbilk könnte eigentlich recht idyllisch sein, ein hübscher Ort zum Spazierengehen. Doch gerade Frauen gehen hier nur noch ungern alleine mit dem Hund raus, denn seit einiger Zeit kampieren auf dem Gelände dauerhaft Menschen. Einige bauen die Zelte morgens ab und abends wieder auf, andere lassen sie stehen. An der Mauer, die die Fichtenstraße von den Bahngleisen trennt, wurde ein feststehender Verschlag gebaut. Und einige hundert Meter weiter stehen sogar mehrere selbst gebaute Holzhütten.

Anwohner vermutet 20 Bewohner im Camp

Ein kleines, illegales Dorf, nennt es ein Mann, der in der Nähe wohnt, und hier regelmäßig mit seinem Hund spazieren geht. Er weiß, welche Trampelpfade er meiden muss, um nicht in menschliche Fäkalien zu treten. Toilettenanlagen gibt es hier schließlich nicht. Ebenso wenig Müllbehälter. Daher hat der Oberbilker immer Handschuhe in der Tasche. "Im vergangenen Jahr habe ich mindestens 80 benutzte Spritzen aufgesammelt und zu Hause entsorgt", sagt er. In den Zelten wohnten Flaschensammler, Obdachlose und Junkies, die vor Ort konsumieren, sagt er. In den feststehenden Holzhütten vermutet er etwa 20 Bewohner, die untereinander in einer osteuropäischen Sprache sprechen. Mit einigen sei es schon zu unangenehmen Begegnungen gekommen, deshalb will er anonym bleiben: "Einer stand mal mit einem Messer vor mir und hat nur gesagt,Hund weg'." Die leeren Schmuckschachteln, Fahrräder, Boxen von Elektrogeräten machen ihn jedoch misstrauisch: "Ich denke, das ist ganz klar Diebesgut."

Etwa ein Dutzend Anwohner der umliegenden Straßen geht in dem Gebiet regelmäßig spazieren. Sie alle hätten schon mehrfach bei der Stadt nachgefragt und die Rückmeldung erhalten, das Problem sei bekannt, man sei jedoch nicht zuständig. "Dass direkt in der Nähe des Gerichts so ein rechtsfreier Raum existiert und nichts dagegen getan wird, finde ich unglaublich", sagt der Anwohner.

Stadt ist überrascht

Auf Anfrage unserer Redaktion hat die Stadt reagiert. Das Ordnungsamt sei der Sache nachgegangen, um sich ein Bild von der Vermüllung zu machen, sagte Stadtsprecher Michael Buch. Dort habe man eine Situation vorgefunden, die man so nicht erwartet habe. Aus Sicht der Stadt sind die feststehenden Verschläge besonders bedenklich, auch wegen des Brandschutzes. "Das ist eine andere Problematik als einzelne Zelte, die vom Grundstückbesitzer geduldet werden", so Buch.

Wie es nun weitergeht, will die Stadtverwaltung in den kommenden Tagen beschließen. Das Problem sei an die Bauaufsicht weitergeleitet worden. Auch gilt es zu ermitteln, wer Eigentümer des Grundstücks ist. "Nach unseren Kenntnissen handelt es sich um ein altes Bahngelände", sagt Buch. Bei der Deutschen Bahn konnte man bis zum Redaktionsschluss noch keine Auskunft geben, ob es sich tatsächlich um ein DB-Gelände handelt.

Quelle: RP
 
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