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Der Bundespräsident in Düsseldorf
Herr Steinmeier und das Bad in der Menge

Bundespräsident Steinmeier zu Besuch in Düsseldorf
Bundespräsident Steinmeier zu Besuch in Düsseldorf FOTO: Endermann, Andreas
Die Sonne strahlte, die Kinder sangen und der Bundespräsident freute sich: Frank-Walter Steinmeiers Besuch am Rathaus bildete das Herzstück seiner Düsseldorf-Etappe auf der NRW-Reise. Eindrücke vom Rande des roten Teppichs. Von Helene Pawlitzki, Düsseldorf

Eigentlich ist schönes Wetter etwas Gutes - gerade, wenn hoher Besuch erwartet wird. "Kaiserwetter", sagen dann die Leute und linsen in den blauen Himmel.

Filiz Wierlemann und Sylvia Sievers richten aber eher skeptische Blicke nach oben. Ihnen gefällt die strahlende Sonne nicht. Ein Wölkchen muss her, nur ein dünnes, ein Schleier. Ihre Kinder stehen nämlich auf der Treppe des Rathauses im prallen Sonnenschein. "Dann kneifen die doch gleich auf den Fotos alle die Augen zusammen", befürchtet Frau Sievers, deren Tochter Emilia (9) genauso wie Frau Wierlemanns Sohn Carl (ebenfalls 9) im Düsseldorfer Mädchen- und Jungenchor ist und gleich dem Bundespräsidenten ein Ständchen singen sollen.

Frank-Walter Steinmeier zu Besuch bei der Rheinischen Post

Den Kindern gefällt der Sonnenschein auch nicht so gut, denn sie sind ganz in Schwarz gekleidet, mit einer roten Stoffblume am nicht vorhandenen Revers, und deshalb ist ihnen ziemlich warm. Aber sie tragen es mit Fassung.

Die meisten sind zufällig hier - aber jetzt wollen sie auch den Bundespräsidenten sehen

Alle sind ein bisschen zappelig, nicht nur die Kinder. Die meisten Menschen sind zufällig da, sie hatten einen Arzttermin, wollten in der Altstadt zu Mittag essen oder sind touristisch unterwegs. Auf dem Marktplatz sind sie - metaphorisch gesprochen - über einen roten Teppich gestolpert, haben sich ein Deutschland- und ein Düsseldorf-Fähnchen in die Hand drücken lassen und offenbar gedacht: Ach, so einen Bundespräsidenten sieht man nicht alle Tage. Sie wissen nicht, was die Polizisten und die Pressevertreter wissen: Dass Herr Steinmeier frühestens um 12.20 Uhr vorfahren wird. Gerade erst hat das Glockenspiel am Haus gegenüber vom Rathaus geläutet.

Infos zum NRW-Besuch Steinmeiers lesen Sie hier.

Zum Zeitvertreib unterhält man sich über "den Steinmeier": "Ein recht angenehmer Mensch", findet Hans aus Neuss, der mit Regina da ist und seinen Nachnamen nicht nennen möchte. "Wo er schon mal hier ist, möchte ich ihn auch mal sehen", sagt Franz Buhl (73) aus Dortmund. Und fügt noch an, er komme ursprünglich aus Gießen - wie Frank-Walter Steinmeier. Das stimmt nur so halb, Steinmeier kommt eigentlich aus dem Lipper Bergland, aber er hat immerhin in Gießen studiert und ist ohnehin ein Mensch, mit dem sich viele hier offenbar identifizieren können. "Ich finde, er ist einer der besten Bundespräsidenten, die es je gab!", sagt Franz Buhl.

Fotos: Bundespräsident Steinmeier besucht die RP FOTO: Krebs, Andreas

Inzwischen ist der Oberbürgermeister vor die Rathaustür getreten, mit seiner Frau und einer Mitarbeiterin, die sich in Protokollfragen auskennt. Er trägt einen dunklen Anzug und die Amtskette um den Hals, seine Frau ein graues Kostüm und einen sehr runden, sehr roten Hut, der ziemlich genau dieselbe Farbe wie der rote Teppich hat. Man denkt sofort an die Queen, nur dass Vera Geisel deutlich jünger ist, und eine Handtasche hat sie auch nicht dabei. Beide lassen sich noch mal kurz ein paar Sachen erklären und schreiten dann den roten Teppich ab, bis ganz nach vorne.

Frank-Walter Steinmeier nimmt erst mal ein Bad in der Menge

Und dann geht es auf einmal schnell, und der Motorradkorso fährt vor, und dann ist da die große schwarze Limousine, und ein strahlender Frank-Walter Steinmeier entsteigt ihr. Außerdem seine Frau Elke Büdenbender. Und auf einmal stehen da auch der Ministerpräsident Armin Laschet und seine Frau Susanne. Die Geisels schütteln den Steinmeiers/Büdenbenders die Hände und dann den Laschets. Und dann sagt der Bundespräsident zum Oberbürgermeister so etwas wie: "Sollen wir!" Und ein Dutzend Fotografen, Kameramänner und schreibende Journalisten fluchen, weil sie ganz am anderen Ende des roten Teppichs stehen und nicht damit gerechnet haben, dass die versammelte Polit-Prominenz keineswegs als nächstes zu ihnen kommt, sondern stattdessen kehrt macht und auf die andere Seite des Autos wechselt, wo die ganz normalen Menschen stehen.

Die Menge probiert so eine Art Jubeln, aber es gerät ein wenig heiser und tief, mehr so wie beim Fußball. Deutschland ist einfach etwas aus der Übung. Schließlich rufen einige "Hallo!" und der Bundespräsident und die First Lady winken und rufen auch "Hallo!" Sie kennen das offenbar schon, dass der kollektive Jubel nicht so auf Anhieb funktioniert. Stattdessen wenden sie sich einzelnen Menschen zu, das klappt schon besser.

Ein älterer Herr prescht vor und verrät dem Bundespräsidenten, dass seine Begleitung genau heute 77 Jahre alt wird. Daraufhin gratuliert der Bundespräsident herzlich und ein halbes Dutzend Fotografen (die es mittlerweile auch den roten Teppich herunter geschafft haben) machen ein Foto. Die Dame ist ganz verlegen. Ingrid heißt sie, kommt aus Mönchengladbach und steht eigentlich gar nicht so gern im Mittelpunkt. Jetzt hat sie etwa hundert schöne Erinnerungsfotos, aus denen sie wählen kann.

Ein Kinderchor singt, und der Bundespräsident wippt im Takt

Dann endlich marschieren die Gäste und die Geisels wieder zurück zur Rathaustür, und der Kinderchor hat seinen großen Auftritt. "Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!", singen sie zur Musik vom Band, nur kann das keiner verstehen, denn sie singen den Psalm 133 auf Hebräisch. Aber hübsch ist es doch. Anschließend wird's dann etwas weltlich-beschwingter mit "Superkalifragilistikexpialigetisch" aus dem Musikfilm "Mary Poppins". Nicht nur dem Oberbürgermeister, auch dem Bundespräsidenten zuckt es da ein wenig in den Beinen. Und nach einem herzlichen Händeschütteln mit der Chorleiterin marschieren schließlich alle hinein ins Rathaus.

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Sylvia Sievers lassen sie dabei vor dem Rathaus hochzufrieden zurück. Denn just zu Beginn des ersten Stückes ist sie erschienen, die erhoffte Schleierwolke. Keiner musste die Augen zusammenkneifen. Und die Kinder haben auch schön gesungen. Was für ein Tag.

 
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