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"Wichtigste Party-Droge"
Cannabis löst Ecstasy ab

"Wichtigste Party-Droge": Cannabis löst Ecstasy ab
Wer häufig zum Joint greift, schadet seinem Gedächtnis. FOTO: ddp, ddp
Düsseldorf. Die früher harmlos "Gras" genannte Droge ist inzwischen härter in ihrer Wirkung. Sie wird dennoch unterschätzt. Der katholische Sozialdienst warnt: Haschisch und Marihuana müssen endlich ernsthaft bekämpft werden. Von Gökçen Stenzel

400.000 Deutsche rauchen Cannabis in einem Umfang, der ihre Gesundheit erheblich schädigt. Zwei Millionen greifen hin und wieder zu. Das sind die aktuellen Zahlen der Bundesregierung. Düsseldorfer Zahlen gibt es nicht, doch es mehren sich die Warnsignale. Jetzt meldet sich der katholische Sozialdienst SKFM zu Wort. "Die wichtigste Party-Droge", so Geschäftsführer Heinz-Werner Schnittker, "ist längst nicht mehr Ecstasy. Es ist Cannabis." Das haben SKFM-Mitarbeiter festgestellt, die drei Jahre lang in Schulen und Jugendclubs unterwegs waren, um aufzuklären.

Darüber hinaus hat die Drogenberatungsstelle "komm-pass", die an der Charlottenstraße sitzt, Cannabis-Raucher langfristig beraten und begleitet. "Das Problem", erklärt komm-pass-Leiter Kay Funk, "sind die veränderten THC-Anteile." Tetrahydrocannabinol (THC) ist der Hauptwirkstoff des Hanfs, der bis zu 20 Prozent höher ist als noch vor Jahren. "Das bedeutet", so Funk, "dass die Wirkungen heftiger sind und dass gerade Jugendliche viel schneller von Haschisch und Marihuana abhängig werden."

Deshalb sei Cannabis nicht nur als Einstiegsdroge, sondern auch an sich gefährlich. "Jugendliche haben neurologische Störungen. Sie verlieren den Boden, es machen sich erhebliche Defizite bemerkbar." Noch gebe es aber keine Einrichtungen, an die vermittelt werden könne. Komm-pass finanzierte die Beratung über Zuschüsse der "Aktion Mensch", die ausgelaufen sind. "Wir werden mit unseren Mitteln weitermachen", so Schnittker. Der SKFM schult beispielsweise Mitarbeiter von Jugendclubs, damit sie Teenager erkennen, die Cannabis-Probleme haben - und ihnen Hilfe anbieten können. "Es wird ein Riesen-Problem, wenn wir nichts tun", sagt Funk. Kompliziert ist, dass Cannabis-Raucher sich selbst nicht mit Drogen in Verbindung bringen. Typischer Ausspruch: "Alkohol ist doch viel schlimmer."

Verbessert hat sich nach Ansicht des SKFM die Situation für Abhängige, die Methadon bekommen - das sind rund 800 der 3500 Heroinabhängigen in der Stadt. Eine psycho-soziale Beratung (PSB) ist für sie verpflichtend, wenn sie im Methadon-Programm sind - und seit zweieinhalb Jahren wird auch rigoros überprüft, ob es Beratungen tatsächlich gibt. Deshalb wurde die Zahl der Betreuer in den Beratungsstellen erhöht, allein im komm-pass gibt es dafür fünf Mitarbeiter, Sie haben sich in 2006 um 334 Abhängige gekümmert. 350000Euro zusätzlich gibt die Stadt dafür in Form von Zuschüssen.

Kritik des Sozialdienstes geht an die Adresse der niedergelassenen Ärzte, die Methadon ausgeben. Trotz Verträgen gestalte sich die Kooperation mit ihnen "schwierig".

Quelle: RP
 
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