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Assistenzsysteme
Die vielen Helfer an Bord

Assistenzsysteme: Die vielen Helfer an Bord
Der Seitenwind-Assistent erkennt mittels seiner Sensoren auf das Fahrzeug einwirkende Kräfte durch Seitenwindböen und unterstützt den Fahrer beim Halten der Spur. Im Hymer ML-T ist der Seitenwind-Assistent serienmäßig. FOTO: Hymer
Die Zahl der Unfälle mit Reisemobilen ist zwar gering. Aber dennoch: Mit geeigneten Assistenzsystemen und verantwortlichem Fahren wird die Tour im Wohnmobil komfortabler und sicherer.

 "Um Wohnmobile sicherer zu machen, sollten das Stabilitätsprogramm ESP und Notbremsassistenten obligatorisch sein." Für Siegfried Brockmann, Chef der Unfallforschung der Versicherer (UDV), ist dies eines der Ergebnisse seines Forschungsprojekts, das 2016 das Unfallgeschehen von Wohnmobilen unter die Lupe genommen hat.

Assistenzsysteme versprechen mehr Sicherheit und Komfort und sind im Pkw-Bereich und bei großen Lkw heute vielfach Standard. Nicht so bei Wohnmobilen. Immerhin sind sie bei Freizeitfahrzeugen aus deutscher Produktion auf dem Vormarsch. "70 bis 80 Prozent aller Reisemobile hierzulande verfügen über ESP", sagt Daniel Rätz vom Caravan Industrie Verband, CIVD.

Nicht zur Serienausstattung zählen allerdings so nützliche Helfer wie Notbrems- und Spurhaltesysteme, Seitenwindassistenten, die automatische Reifendruckkontrolle oder Abstandsregeltempomaten. Doch gerade die wären wichtig, denn Auffahrunfälle mit schwergewichtigen Reisemobilen haben erhebliche Folgen.

Hier gilt: die Masse macht's. Doch nicht nur mehr Technik ist gefragt. "Auch der Fahrer sollte etwas für mehr Sicherheit tun", fordert Brockmann. Er kann, um Überladung zu vermeiden, sein Fahrzeug mit Reisegepäck bei Prüforganisationen wie TÜV und Dekra wiegen lassen. Denn Übergewicht kann zum Sicherheitsrisiko werden.

Und immerhin war bei Verkehrskontrollen rund die Hälfte aller Campingfahrzeuge zu schwer, jedes neunte durfte gar nicht weiterfahren. Um Gewicht zu reduzieren, sollte man nicht mit vollem Wassertank in den Urlaub starten. Außerdem muss der Womofahrer den Zustand seiner Reifen im Blick haben und das Reisegepäck sicher verstauen. Denn sonst kann der achtlos abgestellte Bierkasten bei einem Bremsmanöver zum lebensbedrohlichen Geschoss werden.

Trotz dieser Gefahren bleibt festzustellen, dass relativ wenige Unfälle mit Wohnmobilen passieren. 544-mal waren Reisemobile im vergangenen Jahr in Unfälle verwickelt, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden. Das entspricht einem Anteil von 0,18 Prozent an allen Unfällen mit Personenschaden.

"Reisemobilfahrer sind recht kommod unterwegs. Da rast keiner. Schließlich will man sich ja erholen", sagt Bernd van Bebber, Geschäftsführer von Gelderland-Mobile in Geldern. Ein möglicher Unfall kommt daher kaum einem in den Sinn. Und so sind bei Verkaufsgesprächen Assistenzsysteme nur bei einem von zehn Kunden überhaupt ein Thema. Dennoch rät Caravan- und Reisemobilhändler van Bebber zu sinnvollen Features wie Brems-, Seitenwind- und Spurhaltesystemen. Zumal diese bei den Preisen, die heute für Freizeitfahrzeuge aufgerufen werden, kaum ins Gewicht fallen.

So kostet das Fahrassistenz-Paket mit Reifenluftdrucksensoren, Spurhalteassistent mit Abblendautomatik, Licht- und Regensensor für den Hymer Van beispielsweise 880 Euro. "Die Psychologie macht uns einen Strich durch die Rechnung", erklärt Brockmann das Verhalten der Kunden, die lieber in Komfort als in Sicherheit investieren. Unfälle passieren immer nur anderen, das eigene Fahrkönnen dagegen wird oft überschätzt.

Das gilt vor allem bei Reisemobilneulingen und Menschen, die sich zum ersten Mal ein Wohnmobil mieten. "Wer an das Bremsverhalten seiner Mittelklasselimousine gewöhnt ist, kann beim Reisemobil Überraschungen erleben", sagt Brockmann und empfiehlt Neulingen ein professionelles Fahr-Sicherheitstraining. Richtiges Bremsen und Rangieren will gelernt sein.

Auch Assistenzsysteme können nicht die fahrerische Praxis ersetzen. In manchen Fällen mögen sie sogar zum leichtfertigen Umgang mit dem ungewohnten Reisemobil verleiten. Dennoch werden sie wohl in Zukunft eine bedeutendere Rolle spielen. Darum sollte sich der Interessent über die Sicherheitsausrüstung beim Kaufgespräch informieren und sich erklären lassen, was angeboten wird und sinnvoll ist. Denn der nachträgliche Einbau von Assistenzsystemen kann teuer werden.

Achim Wroblewski, passionierter Reisemobilist aus Moers, bedauert sehr, beim Kauf seines Freizeitfahrzeuges vor einigen Jahren auf eine gute Rückfahrkamera verzichtet zu haben. Die nachträgliche, fachgerechte Installation würde mehrere hundert Euro kosten. Zusätzlich zu den Kosten für die Kamera. Und eine preisgünstige Verbindung zwischen Kamera und Bildschirm im Cockpit mittels Bluetooth ist störanfällig. 

Übrigens auch wenn das Reisemobil sicher auf dem Stellplatz eingeparkt ist, sollte ein Assistenzsystem, das es in jedem Baumarkt für kleines Geld gibt, für mehr Sicherheit sorgen – der Rauchmelder. Denn das Leben auf engem Raum erfordert Brandschutzmaßnahmen, die den Sicherheitsvorkehrungen in einer Wohnung nicht nachstehen dürfen. "Grillen und Kochen über offener Flamme stellen besondere Gefahren dar", warnt Carsten Wege, Geschäftsführer des Bundesverband Brandschutz-Fachbetriebe, bvbf.

Deshalb sei es wichtig, dass jedes Reisemobil oder jeder Caravan einen Feuerlöscher an Bord hat und idealerweise mit einem Rauchmelder und einem Gaswarnmelder ausgestattet ist. Der Feuerlöscher sollte griffbereit platziert sein, am besten in der Nähe der Eingangstür. Und um kleine Fettfeuer (Kochen, Grillen) zu ersticken, sind Löschspray oder eine Löschdecke sinnvoll.

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