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Düsseldorf
Carlsplatz arbeitet an seinem Charme

Düsseldorf: Carlsplatz arbeitet an seinem Charme
Das Reformhaus war eine Institution - nach dem Auszug wirkt das Geschäft trostlos. Beim Joghurt-Laden nebenan herrscht reger Betrieb. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Bunte Werbung, Festivitäten, TV-Koch Dave Hänsel eröffnet ein Restaurant: Der Carlsplatz tut einiges, um an seinem Image zu feilen. Aber auch in direkter Nachbarschaft ist man bemüht, den besonderen Charakter des Quartiers nicht nur zu halten, sondern auszubauen.

So wurde die Häuserzeile an der westlichen Seite des Wochenmarktes in den vergangenen Jahren herausgeputzt. Dort gibt es Modegeschäfte, Friseure, relativ neu ist das Laura's Deli, und allgemein bedauert wird nun, dass an der Ecke im schönen Altbau, in dem auch am Samstag wieder lange Schlangen für den Frozen Joghurt mit den vielen Toppings anstanden, das alte Reformhaus geschlossen hat. Das gab es dort seit den 1950er Jahren, und es war eine Institution wie die Hirsch-Apotheke, die ein paar Häuser weiter residiert und mit mehr als 375 Jahren der Grandseigneur unter den Nachbarn ist.

In den Fenstern hängen Zettel, auf denen sich die Familie Worthoff bei den Kunden verabschiedet. Die Scheiben ziert noch die geschwungene Aufschrift "Reformhaus", sie stammt aus der Zeit gleich nach dem Krieg, und die Worthoffs haben es in den 1970er Jahren übernommen. Die Original-Ladenausstattung ist geblieben, Evelyn Worthoff, die nun Mitte 70 ist, hat sie zurückgelassen in der Hoffnung, dass es damit irgendwie weitergeht. Die Tochter betreibt derweil zwei Reformhäuser, in Eller und in Benrath. Der Charme des Geschäfts soll erhalten bleiben, darauf achten die Leute vom Yomaros, die im Auftrag des Hausbesitzers ein Wörtchen bei der Neuvermietung mitzureden haben. Mehrfach pro Woche kommen Interessenten, vergangene Woche kam einer und wollte das Ladenlokal für einen Handy-Shop haben. Dankend wurde abgelehnt. Man ist auf der Suche nach einem Betreiber, der "zur coolen Atmosphäre hier passt". Zur Nachbarschaft gehören das Café de Bretagne, ein Weinlokal, ausgefallene Textilien. Irgendwie so etwas soll es sein. Dafür wird sogar auf Höchstmieten verzichtet, man würde gar nicht denken, dass sowas in Düsseldorf noch geht.

(ujr)
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