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Düsseldorf
Carlsplatz-Händler gehen in die Offensive

Düsseldorf. Neue Stände, breiteres Sortiment: Der Wochenmarkt stellt sich auf die Konkurrenz durch Zurheide an der Berliner Allee ein. Von Uwe-Jens Ruhnau

"Wir haben noch ein Jahr Zeit, und dieses Jahr wollen wir nutzen", sagt Heiner Röckrath. Noch ein Jahr: Damit ist die Frist gemeint, bis der große Zurheide-Markt auf der Berliner Allee aufmacht. Anfang 2018 spätestens ist es so weit. Die Familie Zurheide wird in der Innenstadt noch größer und vermutlich noch stärker zelebrieren, was sie in Reisholz den Düsseldorfern seit Jahren offeriert: Lebensmittel in einer großen internationalen Auswahl, dazu Verkostungen aller Art, Restaurantbetriebe und ein gut gefüllter Event-Kalender. Auf 12.000 Quadratmetern soll, was die Versorgung der Bevölkerung angeht, in neue Dimensionen vorgestoßen werden.

Auf dem nahegelegenen Carlsplatz nimmt man diese Herausforderung nun offensiv an. Selbstkritisch sagt Röckrath: "Zehn Jahre ist hier nicht viel passiert." Im Gegenteil: Die Händlerschaft machte durch öffentliche Streitereien und Prozesse von sich reden, die mehr als 100.000 Euro an Kosten bedeuteten, Innovationen gab es kaum. Die Querelen hat man hinter sich gelassen - größtenteils. Denn im Willen, den Markt zu attraktivieren, werden auch auf gewohnt robuste Art alte Zöpfe abgeschnitten. So erhielt der Traditionsmetzger Stüttgen, der an zentraler Stelle einen sehr großen Stand hat, seit Jahren aber zu einer Seite eine geschlossene Wand darbietet, die Kündigung. "Wir wollen aber nicht, dass Stüttgen den Carlsplatz verlässt, sondern nur, dass sich diese Situation ändert", sagt der Geschäftsführer. Dazu gebe es ein Angebot, man hoffe auf eine Einigung.

In den letzten Monaten sind mehrere neue Stände auf dem Markt entstanden und vielfach Sortimente ergänzt worden. Ein Beispiel: Bei Evertzberg findet der Kunde eine gute Brotauswahl vor, dazu bietet jetzt aber auch Roland Schüren seine Waren an - aber eben nicht die komplette Produktpalette, sondern speziell Bio-Vollwert-Backwaren.

Diese Philosophie wird auch an anderer Stelle umgesetzt. Schlösser und Stüttgen sind stadtbekannte Metzgereien, sie werden nun ergänzt durch die Steakschmiede. Das junge Unternehmen aus Dortmund kauft edle Steaks und Filets in aller Welt ein, besucht die Herstellerbetriebe, und hat für diese Premiumware (zu Preisen auch von 60 Euro pro Kilo und mehr) einen Online-Handel aufgebaut. Die Männer bieten das Fleisch aber seit einigen Monaten auch auf dem Carlsplatz an. Am 24. November soll ihr neuer Stand eröffnen, mehr als 17 Meter breit und in drei Abschnitte unterteilt: Verkauf, Küche, Verzehrbereich. Auch heute wird am Stand der Steakschmiede bereits gegrillt.

Mit dieser Auswahl, zu der auch noch der legendäre Schinken-Toni und andere Händler gehören, gibt sich der Vorstand gegenüber der kommenden Konkurrenz an der Berliner Allee selbstbewusst. Ebenso sieht Röckrath beim Thema Fisch durch die Betriebe Pahlke und Obst den zentralen Wochenmarkt nicht in der Verfolgerrolle. "Wir müssen uns nicht verstecken."

60 Händler gibt es auf dem Carlsplatz, zehn sind reine Gastronomiebetriebe, weitere zehn verkaufen Lebensmittel und kochen gleichzeitig. Eine Mischung, die mehr Publikum auf den Markt zieht, den traditionellen Händlern, die das Gesamtbild weiterhin bestimmten sollen, neue Kunden bringen soll. Der Koch-Event-Bewegung könne man sich ohnehin nicht entziehen.

Im Winter müssen jedoch auch die Gastro-Betriebe kämpfen, deswegen soll neben den Glasaufbauten am Kopf des Marktes nun noch ein neuer Pavillon mit 80 Plätzen entstehen. Die Idee zu dem fliegenden Bau hatte Gastro-Berater Markus Eirund. Die Verhandlungen mit der Stadt dazu laufen noch.

An der Berliner Allee können die Kunden vom Parkhaus trockenen Fußes zu Zurheide gelangen. Der Carlsplatz verbindet sich nun mit Evopark, einige Händler wollen den Kunden Gebühren des benachbarten Parkhauses erstatten. Allein bei den Öffnungszeiten kommen die modernisierungswilligen Händler gegen den großen Konkurrenten, der von 8 bis 22 Uhr öffnen will, nicht an. Am Carlsplatz kämpft man darum, dass möglichst viele bis 18 Uhr offenhalten.

Quelle: RP
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