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Düsseldorf
Stadt greift auf dem Carlsplatz ein

So kommen die Waren zum Carlsplatz
So kommen die Waren zum Carlsplatz FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf. Im August soll eine Versammlung mit allen Händlern stattfinden. Die vielen Streitereien, die unprofessionelle Führung und die Zwei-Klassen-Gesellschaft auf dem Markt sind der Stadtspitze ein Dorn im Auge. Von Uwe-Jens Ruhnau

Irgendwann ist Schluss. Die Stadtspitze hat sich die immer wieder auflodernden Konflikte auf dem Carlsplatz lange angeschaut, viele Gespräche geführt und die Situation analysiert. Jetzt wird gehandelt: Im August veranstaltet die Stadt seit Jahren erstmals eine Versammlung, zu der jeder Händler des zentralen Düsseldorfer Wochenmarktes eingeladen wird. Die Einladung ist nach RP-Informationen bereits verschickt. Allein dies ist bemerkenswert, denn in der Vergangenheit kam es vor, dass nicht jeder der Händler zu den Versammlungen des Marktvereins eingeladen wurde. Wer missliebig aufgefallen war, musste damit rechnen, wichtige Dinge nicht zu erfahren.

Der Carlsplatz ist ein beliebter Treffpunkt der Düsseldorfer. Dort kann man frische Waren kaufen, aber auch essen. Der Markt braucht jedoch neue Impulse. FOTO: end

Die Stadt ist Eigentümerin des Carlsplatzes. Sie hat ihn an den Verein der Marktleute vermietet. Eine Konstruktion, die aus den 1990er Jahren stammt und Ursache vieler Probleme ist. Damals beteiligten sich die Händler an den Umbaukosten des Platzes und erhielten im Gegenzug die Selbstverwaltung. Damit startete ein Dauertheater, in dem es immer mal wieder Pausen gab, aber regelmäßig Dramen und Komödien garantiert waren. Der Verein bestellte Geschäftsführer, die mal durch ihre herrische Art von sich reden machten, dann durch ihre Inkompetenz oder abstruse Ideen, zuweilen durch schlimmsten Klüngel. Immer wieder gab es Prozesse, die unter dem Strich eine sechsstellige Summe verschlangen - zu tragen über eine Umlage durch jeden der rund 60 Händler. Das sorgt bis heute für böses Blut.

Der Stadtspitze ist besonders ein Dorn im Auge, dass unter den Marktleuten nach wie vor eine Zwei-Klassen-Gesellschaft herrscht. Mehrfach hat Ordnungsdezernent Stephan Keller dies angemahnt und beispielsweise die Bildung einer Genossenschaft vorgeschlagen - ohne Erfolg. Hintergrund: Von den "Alt-Händlern", die mit ihrem Beitrag zur Platzmodernisierung die Eintrittskarte in den Verein erhielten, sind viele ausgeschieden. Neue Händler sind über die Jahre aufgenommen worden, und wie zu hören ist, soll es mal nicht um Aufnahmegelder gegangen sein, dann wieder doch. Diese "unsaubere Situation" will die Stadtspitze offenbar nicht mehr hinnehmen, auch die Vertragskonstruktion zwischen Stadt und Markt steht zur Disposition.

Carlsplatz in Düsseldorf: Umfrage unter den Händlern FOTO: Bretz, Andreas

Zentraler als all diese Querelen ist die Frage, wie der Markt zukunftsfähig gemacht wird. Daran hat die Stadt ein großes Interesse. Die Bio-Angebote in den Supermärkten sind ebenso eine Konkurrenz wie der Boom der Lieferdienste. Die Ankündigung des Lebensmittel-Spezialisten Zurheide, in zwei Jahren auf 12 000 Quadratmetern im ehemaligen Kaufhof an der Berliner Allee zu eröffnen, erhöht den Handlungsdruck. Es gibt Händler, die gerne an eine der Vermarktungsgesellschaften der Stadt angeschlossen wären - wie etwa die Marketingtochter DMT. Auch hat die Stadt ein Marktamt, das zumindest bei der Verwaltung intensiver mitreden könnte. Die Personalunion von Markthändler und Geschäftsführer jedenfalls dürfte ein Auslaufmodell sein.

Quelle: RP
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