| 00.00 Uhr

Analyse
Carlsplatz muss Zurheide fürchten

Analyse: Carlsplatz muss Zurheide fürchten
Der Carlsplatz ist Düsseldorfs Wochenmarkt im Herzen der Stadt. Er hat an Attraktivität verloren, das Image hat gelitten - angesichts neuer Konkurrenz wird nun nach Verbesserungen gesucht. FOTO: Endermann
Düsseldorf. Zurheide übernimmt den Ex-Kaufhof an der Berliner Allee. Der Lebensmittel-Einzelhandel in der City bekommt dadurch neue Impulse, es gibt Konkurrenz- und Innovationsdruck. Vor allem der Carlsplatz, nur 700 Meter Luftlinie entfernt, muss sich neu erfinden. Von Uwe-Jens Ruhnau

65 Millionen Euro investiert die Kölner Koerfer-Gruppe in den ehemaligen Kaufhof an der Berliner Allee/Graf-Adolf-Straße. Hauptmieter wird der Lebensmittel-Spezialist Zurheide, der auf 12 000 Quadratmetern Supermarkt, Gastronomie und To-Go-Stationen einrichtet. Für andere Lebensmittelabteilungen in der City, vor allem aber auch für den Carlsplatz ergibt sich eine neue Konkurrenzsituation.

Ausgangslage In der Innenstadt dominiert der Textil-Einzelhandel. Seit Jahren ist klar, dass noch Bedarf bei Angeboten der Nahversorgung und für den täglichen Bedarf besteht. Deswegen gibt es mittlerweile in mehreren Shopping-Centern Supermärkte, auch für das Ingenhoven-Tal war im Untergeschoss an einen großen Supermarkt gedacht worden. Dieser Plan wurde aus Platzgründen aufgegeben. Zurheide war dort im Gespräch, orientierte sich dann aber zur Berliner Allee.

Konkurrenz Von der Größe her wird Zurheide in der City konkurrenzlos sein. Bürobeschäftigte, urbanes Publikum, Genießer: Wer rund um die Kö ausgeht oder arbeitet, kann sich ab dem Frühjahr 2017 entscheiden, ob er lieber zum Carlsplatz oder zu Zurheide geht. Beide sprechen die gleiche Klientel an. Die Auswahl wird bei Zurheide bei weitem größer sein, dafür punktet der Wochenmarkt mit seinem einzigartigen Ambiente. Es verwundert nicht, dass Carlsplatz-Geschäftsführer Heiner Röckrath sagt: "Die Nachricht, dass Zurheide in den Kaufhof geht, erfreut uns nicht." Zumal die Einkäufe an der Berliner Allee auch noch trockenen Fußes ins Auto gebracht werden können - mehr als 500 Stellplätze gibt es im Parkhaus gleich über den beiden Verkaufsebenen.

Der Lebensmittel-Händler Zurheide wird um umgebauten Ex-Kaufhof an der Berliner Allee auf 12 000 Quadratmetern Lebensmittel, Gastronomie und To-Go-Stationen anbieten. FOTO: Koerfer-Gruppe/RKW

Stadt Für die Stadt als Eigentümerin und Vermieterin des Carlsplatzes sind die Zurheide-Pläne "ein weiterer Beleg dafür, dass man sich sorgfältig darüber Gedanken machen muss, wie sich der Carlsplatz künftig aufstellen sollte", sagt der zuständige Dezernent Stephan Keller. Die Stadt habe ein großes Interesse daran, dass der Wochenmarkt funktioniere. Dass dies heute nicht der Fall ist, wissen alle Beteiligten.

Markt-Probleme In den beiden vergangenen Jahren machte der Carlsplatz immer wieder Schlagzeilen. Prozesse, Streit und sogar öffentliche Raufereien zwischen Markthändlern sorgten für ein negatives Image. Höhepunkt war das "Himbeer-Gate" - ein Händler soll die Früchte im Supermarkt preiswert erstanden und doppelt so teuer weiterverkauft haben. Noch immer gibt es zudem keine Gleichberechtigung zwischen den Händlern, es herrscht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Und, für die Kunden das größte Problem: Es gibt außerhalb der Urlaubszeit, in der Kleinunternehmer verständlicherweise ihr Geschäft schließen, keine verlässlichen Öffnungszeiten. Zurheide wird wie in Reisholz auch in der Innenstadt von 8 bis 22 Uhr öffnen.

Zukunft Angesichts der neuen Konkurrenz fordern renommierte Markthändler wie Erik Fehling (Fisch Pahlke) und Christian Dauser (Dausers Gulaschkanone) ein Ende der Streitereien und ein professionelles Management des Marktes. Das bedeutet auch: keine weiteren Imbisse, die in ihrer Vielzahl den Markt kaputtmachen, und die Einhaltung von Kernöffnungszeiten. Dauser: "Der Markt muss zu seiner alten Stärke als Einkaufsmarkt zurückfinden." Röckrath stimmt dem größtenteils zu, man versuche mit einem neuen Marketing-Arbeitskreis unter Kaffeehändlerin Ursula Wiedenlübbert die Kollegen zu bewegen, die Öffnungszeiten (10 bis 18.30 Uhr) einzuhalten. "Veränderungen durchzusetzen, ist auf dem Markt sehr schwer", sagt Röckrath. Da man mit Edeka oder Rewe nicht konkurrieren könne, versuche man, mehr Sortiment anzusiedeln, das es im Supermarkt nicht gebe. Gerade erst hat die "Steak-Schmiede", wo das Kilogramm Spitzenfleisch auch mal 88 Euro kosten kann, auf dem Markt eröffnet. In Kürze folgt ein dänischer Lakritz-Produzent.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Analyse: Carlsplatz muss Zurheide fürchten


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.