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Serie Düsseldorf Und China
Chongqing - der große Partner

Serie Düsseldorf Und China: Chongqing - der große Partner
Blick auf das Herz von Düsseldorfs Partnerstadt Chongqing: Hier fließen der Jangtse (links) und der Jialing zusammen. Die Stadt ist dominiert von Hochhäusern, vier sind mehr als 400 Meter hoch. FOTO: Uwe-Jens Ruhnau
Düsseldorf. In der chinesischen Millionen-Metropole sind viele hiesige Unternehmen präsent. Umgekehrt wächst auch die Bedeutung Düsseldorfs. Von Uwe-Jens Ruhnau

Es sind wieder lange Nächte für Matthias Müller. Fußball-Europameisterschaft: Das heißt auch Public Viewing am German Center (GC) in Shanghai. Die 21-Uhr-Spiele sind in Fernost um drei Uhr in der Nacht zu sehen. Für die deutsche Community kein Problem, auch Mitarbeiter der Düsseldorfer Messe, deren China-Tochtergesellschaft im Center ihren Hauptsitz hat, fiebern mit. GC-Chef Müller, der seit fast 20 Jahren im Reich der Mitte lebt, kennt aber auch die Fußballbegeisterung der Chinesen. "Als wir in Rio Weltmeister wurden, kam auch der chinesische Fanclub der deutschen Nationalmannschaft bei uns zum Public Viewing. Nach dem Finale stand der Vorsitzende mit Tränen in den Augen vor mir. 20 Jahre habe er auf diesen Tag gewartet, meinte er - und war überwältigt."

Die Deutschen haben ein gutes Image in China. Die Qualität ihrer Produkte ist hochgerühmt, die Präzision der Arbeitsorganisation bewundert, die Fußballer sind ohnehin bekannt, und Düsseldorfs Tischtennis-Spieler Timo Boll ist ein Star der Superlative. Wo er auftaucht, kommt es zum Menschenauflauf.

Rheinmetall unterhält in Kunshan (Shanghai) ein Werk, in dem unter anderem Ventile für den Automobilbau gefertigt werden. FOTO: Ruhnau

China wächst, die Zahl der Menschen (um die 1,4 Milliarden) ebenso wie die Wirtschaft, und dies der vieldiskutierten Krise zum Trotz. "Fünf bis sieben Prozent plus sind in einem solch gigantischen Land immer noch enorm", sagt Jeroen de Groot, Statthalter der Düsseldorfer Metro in China. Für ihn ist "das Gerede" über die Krise deswegen "ziemlich lächerlich". In China würde die Hälfte allen Betons und allen Stahls verbaut.

Die Stadt Düsseldorf und Düsseldorfer Unternehmen wollen am Wachstum des Riesenreichs teilhaben, fast 200 Unternehmen aus dem Bezirk der Industrie- und Handelskammer (Düsseldorf und Kreis Mettmann) exportieren dorthin, weit mehr als 300 Firmen unterhalten wirtschaftliche Beziehungen, sie verfügen dort über Investments oder Tochtergesellschaften.

Die Düsseldorf Metro ist in 57 chinesischen Städten vertreten, hier einer der beiden Märkte in der Partnerstadt Chongqing. FOTO: Ruhnau

Umgekehrt hat sich die NRW-Landeshauptstadt zum wichtigsten China-Standort in Deutschland entwickelt und Hamburg den Rang abgelaufen. Mehr als 400 Unternehmen haben die zentrale Lage der Stadt entdeckt und sich hier niedergelassen, darunter Telekommunikationskonzerne wie Huawei und ZTE oder Minmetals und die Bank of China. Es gibt nun ein Generalkonsulat, im September wird vor dem Rathaus China-Fest gefeiert. Das freut nicht nur die 3421 Chinesen, die in der Landeshauptstadt ihren Hauptwohnsitz haben. Düsseldorf ist schon lange Japan, aber jetzt ist es auch China. Eine Entwicklung, die zögerlich begann, dann aber Fahrt aufnahm und heute mit einem Ausrufezeichen zu versehen ist.

Henkel war eine der ersten Firmen, die sich aufmachte. Wenn man es ganz genau nimmt, erkannte schon Firmengründer Fritz Henkel das Potenzial. Jedenfalls importierte er bereits 1887 Tee aus China. Ein Nebengeschäft, das 1913 abgestoßen wurde. In den 1980er Jahren streckte Henkel von Hongkong aus die Fühler aus. Zu Beginn der 1990er Jahre, als sich das Land zu öffnen begann, baute Ulrich Lehner als Chef der Henkel Asia Pacific das Geschäft auf. Der spätere Henkel-Vorstandsvorsitzende und heutige IHK-Präsident hat nicht nur Respekt für das Land übrig, er bewundert seine Entwicklung und bringt das Verständnis des Insiders auf. Er betont die Bedeutung des Sonderwegs zwischen Kommunismus und Marktwirtschaft und sieht es als besondere Leistung an, dass die chinesische Führung es bis heute schafft, "diese gewaltige Menge an Menschen koordiniert zu halten".

Henkel erkannte früh die Bedeutung des Öffnungsprozesses für die deutsche Wirtschaft, andere ebenso. Politisch ist das Reich der Mitte aus europäischer Sicht als Ein-Parteien-System jedoch ein schwieriger Partner und mit Blick auf Menschenrechte und Meinungsfreiheit immer wieder in der Kritik. Sie hat sogar zugenommen, da die Regierung heute rigider mit ihren Kritikern umgeht als noch vor einigen Jahren. Deutsche in China erklären das mit der Absicht der Führung, die Korruption zu bekämpfen und Standards durchzusetzen, sei es im Wirtschaftsleben oder im Straßenverkehr. Das große Ziel der chinesischen Führung sei es, Wohlstand und Gesundheit für alle zu schaffen, eine Jahrhundertaufgabe, die in vielerlei Hinsicht relevant und natürlich auch lukrativ ist. 1,4 Milliarden Menschen bedeuten einen riesigen Markt, in dem an vielen Stellen nach wie vor Aufbauarbeit zu leisten ist und Nachholbedarf besteht.

Die Rheinische Post wird das Thema "Düsseldorf und China" ab heute in einer Serie aufgreifen. Denn die Verbindungen zwischen Düsseldorf und China sind vielfältig, die Themen zahlreich. Henkel beispielsweise beschäftigt heute in seinem drittwichtigsten Markt mehr als 5000 Menschen. Die Metro ist mit ihren Märkten in 57 Städten vertreten und hat in China mehr als 11 000 Mitarbeiter. Rheinmetall expandiert als Automobilzulieferer kräftig. Jetzt, da nicht nur die Top-Metropolen boomen und sich eine finanzkräftige Mittelschicht ausbildet, sondern auch die "kleineren" Städte wachsen, werden immer mehr Autos verkauft. Rheinmetall ist mit seiner Tochter KSPG (unter anderem Pierburg) an 15 Standorten mit insgesamt 5000 Mitarbeitern in China präsent.

Düsseldorf unterhält seit 2004 eine Städtepartnerschaft mit Chongqing, 1500 Kilometer von Shanghai im Landesinneren gelegen. Diese Stadt, in Deutschland nahezu unbekannt, ist so groß wie Österreich und die größte in China. Der engere Kern kommt auf zwölf Millionen Menschen, mit dem Umland sind es 33 Millionen, fünf Millionen mehr als in Shanghai. Hinter Manhattan muss man sich am Zusammenfluss von Jangtse und Jialing nicht verstecken. Die Zahl der Hochhäuser kann in der Stadtverwaltung niemand beziffern, so viele sind es, man erfährt allein, dass es vier mit mehr als 400 Metern Höhe sind. Mit Chongqing gibt es Schüler- und Kultur-Austausch. Das Vinzenz-Krankenhaus hat eine Partner-Klinik dort.

Düsseldorf setzt weiter auf die Karte China. Stadtverwaltung, Messe und die IHK haben mit dem China-Kompetenzzentrum die serviceorientierte Grundlage für weiteren Zuzug von chinesischen Unternehmen gelegt. Neben dem privat betriebenen China-Zentrum an der Königsallee soll es, wie jetzt bekannt wurde, ein zweites China-Center in Düsseldorf geben, diesmal in Kooperation mit der Provinz.

Quelle: RP
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