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Serie Sommerlektüre (7)
Christof Wingertszahn rät zu Münkler, Broch, Chesterton

Serie Sommerlektüre (7): Christof Wingertszahn rät zu Münkler, Broch, Chesterton
Christof Wingertszahn FOTO: Endermann
Düsseldorf. Soll man im Urlaub lesen? Es ist doch Leben angesagt und nicht dessen Beugung in die Literatur. Aber Lesen ist ja im Buch leben, also statthaft. Es fängt im Zug an, wo man im Ruheabteil Stoff braucht, als Papier oder Stimmkonserve. Eigentlich ist mein Koffer zur Hälfte mit Büchern vollgepackt, das gibt Muskeln. Ich brauche immer mehrere Bücher auf einmal, jedes ist eine eigene Welt, und ich will so viele Welten wie möglich verstehen.

Im Gepäck soll sein: Herfried Münkler über die Mythen der Deutschen (zum Nibelungenlied hatten wir kürzlich einen Vortrag im Goethe-Museum). Und endlich will ich wieder den großen österreichischen Romancier Hermann Broch lesen: spannend, wie Technik, Psychologie und Literatur zueinanderkommen. Nebenbei sind vorgesehen die Pater-Brown-Detektivgeschichten des britischen Autors Gilbert Keith Chesterton.

Goethe ist immer mit im Gepäck, die "Maximen und Reflexionen" lassen sich stets und überall in kleinen Portionen lesen. Diesmal stecke ich aus Lokalstolz noch den Altersroman "Wilhelm Meisters Wanderjahre" ein. Als gebürtiger Saarländer muss ich besondere Abbitte leisten gegenüber einem schändlichen Pasquillanten, dem Pfarrer Pustkuchen, früher Hauslehrer in Pempelfort und später Geistlicher in Wiebelskirchen (20 km von meiner Heimatstadt entfernt), der dem größten Dichter der Deutschen fehlende Moral vorhielt und seine eigenen - die Pustkuchenschen Wanderjahre - dem Genie entgegensetzte. Gäbe es den Düsseldorfer Gesellschaftsroman, würde ich ihn auch einpacken. So muss ich mir aber den Düsseldorfer aus Goethes "Wanderjahren" herausbilden. Deren Hauptfigur Wilhelm Meister lässt das Lesen, wird Wundarzt, geht nach Amerika.

Wenn nach den Ferien die ausgelesenen Bücher wieder weggestellt sind, wartet auf mich schon ein dreibändiges Riesenwerk, das beim besten Willen nicht mitgeschleppt werden kann: die Dokumentation "Ars publica Düsseldorf" von Wolfgang Funken (Geschichte der Kunstwerke und kulturellen Zeichen im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt). Wir wünschen, so würde es mein Arbeitgeber, der "Meister"-Autor, sagen, einem jeden wohlgesinnten Deutschen die Lektüre dieser ebenso gelehrt-vorzüglichen wie schönen Schrift. Sie lässt keinen Winkel der schönsten Stadt am Rhein ungesehen, und ich will jeden einzelnen abschreiten!

Quelle: RP
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