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Kolumne Auf Ein Wort
Christus will mit uns leben

Kolumne Auf Ein Wort: Christus will mit uns leben
Ansgar Steinke erzählt von der Beziehung von Kunst und Glauben. FOTO: hjba
Meinung | Düsseldorf. In der Fastenzeit haben wir uns in Flingern und Düsseltal an sechs Kunstwerken zu Passion und Auferstehung Christi in unseren drei Kirchen getroffen - immer unter dem Motto "Kunst zu Glauben".

Unsere Kirchen sind und besitzen viele Kunstwerke von Rang. Architektur, Bilder und die Skulpturen darin könnten es mit manchem Museum aufnehmen. Aber um Museumsführungen ging es uns nicht. Sechsmal haben wir die Kunstwerke kunstwissenschaftlich betrachtet, um dann immer in kleinen Gruppen ins Gespräch darüber zu kommen, welche persönlichen Fragen und Erfahrungen das Dargestellte in uns wach werden lässt. Erstaunlich, wie gut die Kunstwerke uns anregten, über unsere eigene Geschichte mit Gott zu sprechen!

Auch das Osterfest selbst könnte man auf den ersten Blick als einen "musealen" Gedenktag verstehen: Wir begehen ein lange vergangenes Ereignis, das das Neue Testament in unterschiedlichen Erzählungen als Auferstehung des toten, gekreuzigten Jesus bezeugt. Lang ist's her.

Selbst, wer Ostern mit Ehrfurcht begeht, kann Gefahr laufen, einem Missverständnis aufzusitzen: Als handle es sich um die Erinnerung an etwas Vergangenes. So würden die großen Rituale der Osternacht, vom Osterfeuer über die Entzündung der Osterkerzen, die uralten Bibellesungen, die Weihe des Taufwassers bis zur krönenden Feier der Eucharistie zu einem zwar ehrwürdigen, aber die Vergangenheit beschwörenden Kult, einer musealen Aktion.

Wir feiern aber etwas anderes. Das ursprüngliche Ostern war nicht einfach die Einsicht in die Tatsache der Auferstehung Christi an sich, sondern vor allem die Erfahrung einer Begegnung: Der lebendige Christus nimmt erneut mit seinen Jüngern Beziehung auf, und er will mit jedem, der glaubt, auch in der zweiten und dritten und der Generation 2016 in Beziehung treten. Wir feiern unsere Antwort auf den lebendigen Christus, der sich auch uns auf seine und unsere heutige Weise zeigen und als Freund und Lebensbegleiter anbieten will. Kunst wird zu Glauben. Dahin führt alles, was wir in unseren Kirchen zum Anschauen und zum Zelebrieren haben. Christus lebt - nicht an sich, sondern er will mit uns leben. Die Kunst zu glauben besteht darin, dass wir wagen, auch unsererseits mit ihm leben wollen. Er wird sich dann zeigen als der Lebendige, heute.

ANSGAR STEINKE IST PFARRER IN DER KATHOLISCHEN KIRCHENGEMEINDEVERBAND FLINGERN/DÜSSELTAL.

Quelle: RP
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