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Andreas Bruns
"Containerhafen bringt weniger Straßenverkehr"

Andreas Bruns: "Containerhafen bringt weniger Straßenverkehr"
Andreas Bruns ist kürzlich als Werksleiter von Henkel in den Ruhestand gegangen. 31 Jahre war in dem Unternehmen tätig. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Der scheidende Henkel-Werksleiter über den Reisholzer Hafen, die Akzeptanz der Industrie und seine 31 Jahre im Unternehmen.

Herr Bruns, wie hat sich die Akzeptanz der Industrie in Düsseldorf verändert? Sie haben sich ja nicht nur als Werksleiter, sondern auch als Initiator des Industriekreises Düsseldorf und der Initiative Zukunft durch Industrie engagiert.

Bruns Mit beiden Initiativen wollen wir Aufmerksamkeit für Industrie-Themen schaffen. Besonders in den Anfangsjahren der Initiativen gab es wenig Bewusstsein für die Bedeutung der Industrie, auch von Seiten der Politik war dies nicht sehr stark ausgeprägt. Es war zum Beispiel schlicht nicht bekannt, dass 25 Prozent der Wirtschaftsleistung Düsseldorfs aus dem industriellen Sektor kommt. Die Industrie stellt sogar gut ein Drittel der Düsseldorfer Arbeitsplätze, wenn man die Zulieferer berücksichtigt.

Woher kommt diese Industriefeindlichkeit in Düsseldorf?

Bruns Die Skepsis gegenüber der Industrie ist wohl eine allgemeine Zeiterscheinung. Jeder nutzt industrielle Produkte wie selbstverständlich im Alltag, seien es Autos oder Handys, Shampoo oder Bus und Bahn. Von der Produktion aber fühlen sich viele Menschen entkoppelt, obwohl viele Menschen gleichzeitig ihren Arbeitsplatz in einer Industriefirma haben.

Aber muss ein möglicherweise gefährliches oder gesundheitsbelastendes Industrieunternehmen unbedingt mitten im Wohngebiet liegen?

Bruns Die Industrieunternehmen werden ja nicht gezielt in ein Wohngebiet gelegt, sondern es handelt sich meist um eine historisch gewachsene Struktur. Als sich Henkel vor über 100 Jahren im Süden von Düsseldorf ansiedelte, gab es noch keine Wohnbebauung in unmittelbarer Nachbarschaft. Und dann gibt es noch einen anderen Aspekt: Ein Arbeitsplatz vor der Haustüre wirkt auch positiv auf die Umwelt. Ich etwa habe in Düsseldorfs Nachbarstadt Langenfeld gewohnt und hatte so immer einen sehr kurzen Arbeitsweg. Diesen auch für das Privatleben äußerst günstigen Umstand genießen viele Henkelaner. Bald kommt hoffentlich der Regionalexpress RRX.

Umstritten im Düsseldorfer Süden ist der geplante Ausbau des Reisholzer Hafens...

Bruns Vor 100 Jahren war der Düsseldorfer Süden vor allem von Landwirtschaft geprägt. Dann entschied sich die Stadt, dort Industrie ansiedeln zu wollen. Eine kluge Entscheidung. Die IDR baute einen Hafen und die Eisenbahnanbindung an das schon damals existierende öffentliche Bahnnetz. Dies wurde schließlich das Rückgrat der Industrie im Süden und ermöglichte erst deren Ansiedlung. Auch Henkel - gegründet vor 140 Jahren in Aachen - ist vor mehr als 100 Jahren vor allem wegen der günstigen Lage am Rhein nach Düsseldorf gekommen. Bis heute kommt eine signifikante Menge an Rohstoffen für den Standort per Schiff. Für die Industrie ist der Hafen lebensnotwendig.

Aber die Anwohner haben Sorge, dass der Lkw-Verkehr weiter zunimmt.

Bruns Im Düsseldorfer Süden erfolgt heute viel Verkehr über die Straße. Aus meiner Sicht ist eine stärkere Verlagerung auf den Wasserweg überaus sinnvoll. Dazu muss man aber in der Lage sein, Container zu nutzen - das ist wesentlicher effizienter. Und bei aller Sorge: Es entsteht ja kein zweites Rotterdam, dafür ist das Gelände ja viel zu klein.

Wird der Hafen zum neuen Drehkreuz?

Bruns Die Industrie braucht im Reisholzer Hafen eine Ergänzung für das Handling von Containern, es soll aber kein neues Drehkreuz geschaffen werden. Es geht um die Nutzung durch die Firmen, die hier ansässig sind. Ich rede von der nahen Region, nicht von einem nordrhein-westfälischen Hub.

Wird es dadurch zu mehr Lkw-Verkehr kommen?

Bruns Dazu kann ich auf das ja nun vorliegende Verkehrsgutachten verweisen. Es zeigt, dass durch die Hafen-Ertüchtigung unterm Strich die Straßenverkehre im südlichen Stadtgebiet entlastet werden. Lediglich im unmittelbaren Nahbereich des Hafens kommt es zu Verkehrszunahmen, die aber - wie das Gutachten belegt - von den bestehenden Straßen problemlos aufgenommen werden könnten.

Warum kam das Verkehrsgutachten so spät an die Öffentlichkeit?

Bruns Ich kann hier natürlich nur aus meiner persönlichen Perspektive sprechen und glaube, die Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit war von Anfang an transparent und offen. Aber natürlich ändern sich bei einem solchen Projekt auch immer mal wieder Parameter, gerade in der frühen Planungsphase.

Herr Bruns, was bedeutet Henkel für Sie persönlich?

Bruns Ich war mehr als 31 Jahre für Henkel tätig. Angefangen habe ich damals als Forscher. Ich habe mich beispielsweise mit Tensiden beschäftigt, also jenen Inhaltsstoffen, die sauber machen und biologisch abbaubar sind. Sie stecken zum Beispiel in Pril, Fa oder Shampoo - also in vielen Produkten, die bis heute für Henkel stehen. Nach der Zeit in der Forschung hatte ich verschiedene Aufgaben - als Produktionsleiter, Geschäftsführer und Standortleiter diverser Henkel-Standorte, bevor ich vor elf Jahren die Düsseldorfer Standortleitung übernehmen durfte. Meine drei Jahrzehnte bei Henkel waren eine erfüllende, abwechslungsreiche und spannende Zeit.

Was hat sich verändert?

Bruns Henkel hat sich natürlich enorm weiterentwickelt. Die Chemie-Sparte gehört zum Beispiel seit 15 Jahren nicht mehr zum Unternehmen. Erst wurde sie als Cognis ein eigenständiges Unternehmen, dann wurde sie an BASF verkauft. Auch der Standort Düsseldorf hat sich verändert: Heute sind im Industriepark neben Henkel und der BASF zahlreiche weitere Firmen ansässig. Die Verantwortung für die übergreifende Standortleitung liegt aber nach wie vor bei Henkel. Verändert hat sich übrigens auch die Verkehrsführung. Früher war die Henkelstraße eine komplett öffentliche Straße, heute ist sie in das Werk integriert. Das hatte natürlich Auswirkungen auf die Verkehrsflüsse im Süden.

Was war in den vergangenen Jahren Ihre Hauptaufgabe?

Bruns Als Standortleiter hatte ich die Verantwortung für die Infrastruktur des gesamten Industrieparks, also auch für das, was die anderen hier ansässigen Unternehmen betrifft. Darunter fällt auch die Sicherheit am Standort.

Heißt das, Sie waren für Unfälle und deren Bearbeitung zuständig?

Bruns Unfälle kommen glücklicherweise sehr selten vor. Die Arbeit steckt in der Prävention und den entsprechenden Vorkehrungen. Als Standortleiter war ich etwa für die Werkfeuerwehr verantwortlich und für die Zusammenarbeit mit der städtischen Feuerwehr, mit der Henkel sehr eng kooperiert. Darüber hinaus hielten wir stets engen Kontakt zu Behörden wie dem städtischen Umweltamt.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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