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Düsseldorf
"Cool, so einen Rollator will ich später auch mal"

Düsseldorf: "Cool, so einen Rollator will ich später auch mal"
Waren gestern ein Team beim Rollator-Training: Matilda (sechs Jahre) und Gudrun Kolleck (80) aus Wersten. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Rentner und Vorschulkinder machen gemeinsam den Führerschein für die Gehhilfe. Die Aktion soll gegenseitiges Verständnis fördern. Von Stefani Geilhausen

Matilda ist sechs Jahre alt und Ampelindianer in der evangelischen Kita in Wersten. Das heißt, dass sie mit den Polizisten vom Verkehrskommissariat schon die Grundlagen des richtigen Verhaltens im Straßenverkehr gelernt hat.

Gudrun Kolleck ist 74 Jahre älter, und darf schon ziemlich lange Autofahren. Gestern haben die Große und die Kleine gemeinsam den Rollator-Führerschein gemacht.

Die Idee, das Rollator-Training mal nicht nur für Senioren, sondern auch für Kinder anzubieten, hatten die Verkehrssicherheitstrainer der Polizei, als bei einer Veranstaltung mal ein Kind gefragt hat, was das für komische "Autos" seien und ob es für die Rentner nicht schwierig sei, damit zu fahren.

Joachim Tabath, der die Rollator-Schulung entwickelt und die Düsseldorfer Polizei damit bis in die Schweiz bekannt gemacht hat, und sein Team nutzten den Aktionstag, zu dem die Werstener Falken-Apotheke gemeinsam mit Stephanus-Haus und dem DRK eingeladen hatte, um die beiden Gruppen, die im Straßenverkehr besonders gefährdet sind, zusammenzubringen. Die Ampelindianer zeigten erst einmal den Senioren, was sie schon gelernt haben ("Am Bordstein heißt es erst mal Halt, weil es sonst knallt"), und brachten die mehr als 50 erwachsenen Teilnehmer sicher über die Wiesdorfer Straße. Diese wiederum erklärten den Kindern, warum sie den Rollator haben, und was ihnen damit Probleme bereitet - zum Beispiel hohe Bordsteinkanten.

Gudrun Kolleck hat sich ihren Rollator vor zwei Jahren nach einer Rücken-Operation zugelegt. "Ich war danach beim Gehen unsicher und dachte, ich probier's mal aus - und es klappt wirklich gut", sagt die 80-Jährige. Für die Bordsteinkante hat sie sich eine praktische Lösung ausgedacht: Sie dreht den Rollator um, tritt rückwärts auf die Straße und zieht die Gehhilfe dann nach. Jürgen Kreuels Gesichtsausdruck spricht Bände, als sie das erzählt. "Lebensgefährlich" sagt der Polizeibeamte aber nicht laut, sondern begleitet Gudrun Kolleck über den aufgebauten Parcours. Die Rampe geht es zügig hinauf - und dann ist da die Kante. Bevor die 80-Jährige ihr Rückwärts-Manöver vorführen kann, gibt Kreuels einen Tipp: Den Rollator über die Kante schieben, die Bremsen festziehen und beim Schritt nach vorn auf die Griffe stützen. "Logisch", sagt Frau Kolleck. "Ist ganz einfach, wenn man's weiß." Auch den Slalom um die Pylonen meistert sie schnell - und ungebremst. "Ein Rollator fährt sich wie ein Panzer", erklärt Kreuels. Und obwohl Frauen ihres Jahrgangs mit Kettenfahrzeugen nicht so viel Erfahrung haben, kapiert Gudrun Kolleck sofort, dass der Wendekreis deutlich enger wird, wenn man dabei jeweils die Bremse zieht, in deren Richtung man fährt. "Alles bestens", bescheinigt Kreuels ihr zum Schluss, und Joachim Tabath überreicht Gudrun Kolleck nicht nur den Rollator-Führerschein, sondern klebt auch noch zwei Reflektoren an ihr Gefährt. Jürgen Kreuels gehört übrigens nicht zu seinem Team, sondern kommt von der Polizei in Neuss. Da will er ähnliche Programme starten und ist mit der Kaarster Seniorenbeirätin Renate Dübbers "eigentlich auch zum Lernen da".

So wie Matilda, die unterdessen mit Polizeioberkommissarin Sonja Martin einen Kinder-Rollator über den Parcours schiebt und schnell feststellt, dass die Rampe ganz schön steil und eine Treppenstufe ganz schön hoch ist. Sie schafft es trotzdem und strahlt: "Das war cool. So einen will ich später auch!"

Quelle: RP
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