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Düsseldorf
Dank Technik länger zu Hause leben

Düsseldorf: Dank Technik länger zu Hause leben
Mirco Kern (r.) und Andreas Knoll, beide Elektrotechniker, gehören zum Team, das die Geräte entwickelt und gebaut hat. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Wieder die Herdplatte vergessen auszuschalten? Die Hochschule Düsseldorf hat ein Sicherheits-System für Menschen mit Demenz und ihre Familien entwickelt. Von Ute Rasch

Schon wieder nicht daran gedacht, die Terrassentür zu schließen und den Herd auszuschalten? Ist der Mensch vergesslich, kann Technik der Erinnerung auf die Sprünge helfen. Aber wie muss die beschaffen sein, damit sie den Alltag wirklich erleichtert? "Nutzerwelten" heißt ein neuer Forschungsschwerpunkt der Hochschule Düsseldorf (ehemals Fachhochschule), dabei verfolgen Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen ein gemeinsames Ziel: Alte Menschen mit Demenz sollen durch den Einsatz technischer Hilfsmittel länger in ihrem Zuhause bleiben können. "Dabei geht es um Lebensqualität und vor allem um mehr Sicherheit", erläutert Manuela Weidekamp-Maicher, Professorin für Soziologie und Projektleiterin einer aktuellen Studie.

Sie sind Pioniere, allen voran Elektrotechniker, die eine Fülle an Geräten für den Haushalt entwickelt und selbst gebaut haben - ein komplexes Warn- und Sicherheitssystem, das selbstständig funktioniert: Wassermelder, die erkennen, wenn ein Schlauch in der Waschmaschine defekt ist oder wenn die Badewanne überläuft. Herdüberwachung, die sich bemerkbar macht, wenn die Kochplatten nicht ausgeschaltet wurden. Sensoren, die ein Warngeräusch auslösen, wenn der Bewohner die Wohnung verlässt, ohne Fenster und Türen zu schließen - und die sich mit dem Herd kombinieren lassen. Fernbedienungen, durch die elektrische Geräte von jedem Punkt der Wohnung, aber auch von außerhalb, bedienen lassen. Bewegungsmelder, die nachts das Licht einschalten, damit der Weg zur Toilette beleuchtet ist. Und schließlich ein Gerät, das automatisch erkennt, wenn der Bewohner stürzt und das im Notfall Alarm auslöst.

"Das besondere an diesem System ist, dass alle Geräte über einen Computer miteinander vernetzt sind", erläutert Ulrich Schaarschmidt, Professor für Elektrotechnik. Und dass per Handy auch ein Familienangehöriger informiert werden kann. Aber was sagen die Menschen, für die das alles entwickelt wurde, zu den technischen Hilfsmitteln? "Es war zunächst nicht leicht, Teilnehmer für unsere Studie zu finden, die bereit waren, die Geräte zu testen", so die Psychologin Annett Schmitz. Einerseits gibt niemand gern zu, Probleme mit dem nachlassenden Gedächtnis zu haben, andererseits scheint der Gedanke, "von Technik umgeben zu sein", bei vielen Älteren Unbehagen auszulösen.

Erstes Demenzdorf der Welt eröffnet FOTO: dpa, Annette Birschel

Doch bei denen, die sich schließlich zur Teilnahme bereit erklärten und die Geräte vier Monate testeten, verwandelte sich Skepsis bald in Interesse. Manchmal in Begeisterung. Annett Schmitz wollte bei ihrer intensiven Befragung wissen, ob sich die Geräte bewährt haben oder es Schwierigkeiten im Umgang mit der Technik gab. "Ich habe bisher immer das Licht die ganze Nacht angelassen, damit ich rechtzeitig zur Toilette finde", meinte eine Teilnehmerin, die dank ihrer Bewegungsmelder nun nachts das Licht wieder ausschalten kann. Andere waren froh über die Sensoren, die vor einer heißen Herdplatte warnten. Insgesamt fühlen sich die Teilnehmer der Studie sicherer in ihren Wohnungen, so erste Ergebnisse. Auch deren Familienmitglieder berichteten, durch die Warnsysteme wesentlich beruhigter zu sein. Ein Verbesserungsvorschlag wurde ebenfalls gleich realisiert: Jetzt hat jedes Gerät einen eigenen Warnton. Außerdem entwickelte der Elektrotechniker Andreas Knoll eine Sprachsteuerung. Mit ihrer Hilfe reicht es, wenn jemand sagt: "Mach' Licht" - und es wird hell.

Die Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass sich durch ihr System der Umzug in ein Heim für viele alte Menschen mit Demenz verzögern lässt. Fehlt eigentlich nur noch eins: dass ein Unternehmen die vernetzten Geräte "Made in Düsseldorf" in Serie herstellt - und auf den Markt bringt.

Quelle: RP
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