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Kolumne Auf Ein Wort
Danken verändert!

Düsseldorf. Kürzlich schickte ich einer Person, der ich bisher noch nie geschrieben hatte, einen kleinen Kartengruß zum Geburtstag. Es waren nur wenige Sätze, in denen ich auf ihre Situation einging und ihr für ihr neues Lebensjahr Gottes Segen wünschte. Als wir uns einige Tage später trafen, bedankte sie sich dafür so herzlich, dass ich darüber staunte, wie wichtig ihr dieser Gruß war. Ich konnte meine Freude über diesen Dank nicht verbergen, was wiederum bei jener Person erkennbar Freude auslöste. Eine kleine Kettenreaktion der Freude und des Dankes. Ein Erlebnis, das nicht der Rede wert ist? Ich meine: doch! Danken ist alles andere als selbstverständlich. Und es verändert das Verhältnis zwischen Geber und Beschenktem zum Positiven.

Das ist auch der Sinn des Erntedanktags. An 365 Tagen im Jahr frühstücke ich, esse zu Mittag und zu Abend und oft auch noch etwas zwischendurch. Hungern kenne ich nicht aus eigener Erfahrung. Von meinen Eltern und älteren Bekannten habe ich mir erzählen lassen, wie sie in den Kriegs- und Nachkriegsjahren oft hungern mussten - eine schlimme Erfahrung! Aktuell leiden Menschen Hunger in den umkämpften Gebieten von Syrien, weil Krieg herrscht und Hilfsgüter über Monate nicht ihr Ziel erreichen. Nahezu vergessen sind die Hungernden im Tschad, im Südsudan und anderen afrikanischen Ländern.

Zur gleichen Zeit werden bekanntlich in den reichen Ländern Europas und Amerikas - auch in Deutschland - Nahrungsmittel tonnenweise in den Müll geworfen. Mache ich mir das bewusst, dann kann ich mir nicht mehr gedankenlos eine Mahlzeit nach der anderen "reinziehen", als sei dies das Selbstverständlichste von der Welt. Ich beginne zu ahnen, wie wertvoll jede Mahlzeit ist und wie viele Menschen dazu beitragen, dass sie bei mir auf den Tisch kommt. Ihnen allen habe ich zu danken. Aber auch dem, der letzten Endes fürs Wachsen und Gedeihen sorgt. Unsere Bauern pflügen und streuen den Samen auf das Land, "doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand" (Matthias Claudius). Danken verändert. Danken für die Ernte verlässt die Gleichgültigkeit und das Anspruchsdenken.

Es macht nicht blind für Missstände und Katastrophen, sondern schärft den Blick für die Wirklichkeit. Und es macht dazu bereit, etwas von dem weiterzugeben, was wir selber empfangen haben. Solch ein Dank macht nicht ärmer, sondern reicher. Reicher an Freude bei uns selbst ebenso wie bei denen, die etwas von uns empfangen, wie auch bei dem, dem wir danken. Freude ist etwas Himmlisches. Deshalb: Ernten ja - und danken ja - mit Freude! "Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn; drum dankt ihm, dankt, und hofft auf ihn!"

Quelle: RP
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