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Gastro-Krise in Düsseldorf
Darum sind so viele Restaurants rund ums Rathaus geschlossen

Gastro-Krise in Düsseldorf: Darum sind so viele Restaurants rund ums Rathaus geschlossen
Das "En de Canon" steht bereits seit Jahren leer. Besitzer der Immobilie ist die Stadt. Das Haus soll von einem Investor saniert werden. Diesen gibt es bislang jedoch nicht. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Viele Läden im Herzen der Düsseldorfer Altstadt sind geschlossen. Die Lage gilt als nicht einfach, vor allem Wirte am Rathausufer haben mit der großen Konkurrenz in den Kasematten zu kämpfen. Bald versuchen es die Nächsten. Von Laura Ihme und Arne Lieb

Die Stadtspitze träumt immer noch von Gastronomie im Keller des Rathauses - dabei gilt die Gegend um Düsseldorfs politische Machtzentrale schon jetzt als schwieriges Pflaster für Wirte. Das zeigt sich derzeit so deutlich wie selten: Viele Läden rund ums Rathaus haben ihre Türen geschlossen - teilweise schon länger. Jüngste Abgänge: Das Restaurant "Lobster Fishhouse" hat nach nur einem halben Jahr zugemacht, die Kaffeerösterei Vier und die anhängige Rösterei der Gastro-Kette Woyton werden in den kommenden Wochen in neue Räume umziehen. Auch der Mexikaner "Hacienda Real" an der Rückseite des Rathauses hat aufgegeben - mitten im Herzen der Altstadt gibt es also eine Gastro-Krise.

Für Kenner der Szene ist das keine Überraschung. Hohe Mieten, die Lage etwas abseits der hochfrequentierten Kneipenstraßen sowie schwierige Konkurrenzsituationen machen das Terrain zu einem schwierigen Pflaster für Gastronomen. "Wer zum Beispiel am Rathausufer ein Restaurant eröffnet, hat kaum eine Chance auf Laufkundschaft, weil die meisten Leute lieber entlang der Kasematten flanieren", sagt Gastronomie-Experte Markus Eirund. Um auch den oberen Teil des Ufers attraktiv zu machen, brauche es ein starkes Zugpferd mit sehr gutem Konzept. Am Burgplatz sei dagegen die Verkehrsplanung ein Problem: "Durch den Taxistand ist der Platz so zugestellt, dass viele Gäste nicht weitergehen."

Eröffnung auf unbekannte Zeit verschoben: Das "Zum St. Sebastian" kurz vor dem Burgplatz. FOTO: Bretz Andreas

An dieser Stelle kommen Stadt und Politik ins Spiel. Auch sie sind nicht unbeteiligt daran, dass rund um den Marktplatz gerade wenig los ist. Die Ampel-Kooperation aus SPD, Grünen und FDP hat die Sanierung der Alten Kämmerei - also des großen südlichen Nebengebäudes des Rathauses - wegen geschätzten Kosten von mehr als 20 Millionen Euro vorerst auf Eis gelegt, das Gebäude steht leer. In den ehemaligen Räumen des Irish Pub Kilkenny auf der Ecke des Gebäudes will die Stadt wie berichtet vorübergehend ein Café zur Tour de France einrichten. Eine dauerhafte Nutzung steht offenbar noch nicht fest.

Das traditionsreiche "En de Canon" im Durchgang zum Rheinufer steht derweil schon seit Jahren leer. Die Immobilie gehört ebenfalls der Stadt - und wartet auch auf eine große Sanierung, die nicht aus der Stadtkasse erfolgen soll. Die Bewerbungsphase für Investoren ist abgeschlossen, derzeit laufen Gespräche mit Interessenten.

Auch wenn die Lage ihre Tücken hat - an willigen Gastronomen mangelt es offenbar nicht: Das gilt nicht nur für die alte Wirtschaft neben dem Haus des Karnevals mit der Kanone über der Tür. Das "Zum St. Sebastian" in Richtung Burgplatz, das dem gleichnamigen Schützenverein gehört, soll bald renoviert eröffnen. Die Brauerei Schumacher ist Pächterin und wollte eigentlich schon im Mai eröffnen, zuletzt hieß es Ende September. Allerdings sind die Jalousien immer noch zu. Von Schumacher heißt es: kein Kommentar.

Shisha-Bar am Rathaus

Die Räume des "Lobster Fishhouse" hat sich derweil wohl eine Shisha-Bar gesichert. Und auch das Lokal mit großer Terrasse neben "Marcel's" an der Rheinseite des Rathauses hat neue Pächter - und zwar in der Stadt bekannte. Die Restaurant-Kette "Sausalitos", die bereits seit Jahren einen Laden an der Bolkerstraße betreibt, übernimmt die Räume von "Hacienda Real". Geboten werden soll ebenfalls mexikanisches Essen und dazu Cocktails. Derzeit wird umgebaut. "Die Herausforderung in dieser Lage ist der Winter", sagt Reza Zadeh, der bislang Betriebsleiter bei "Sausalitos" an der Bolkerstraße und am Umbau beteiligt ist. "Aber wie überall in der Gastronomie kommt es vor allem darauf an, dass das Konzept stimmt." Er ist überzeugt, dass das "Sausalitos" länger bleiben wird als die Vorgänger.

Unabhängig von der ganzen Bewegung vor der Tür hat die Stadt übrigens auch die Pläne für ein Rathauscafé nicht aufgegeben. Nach Angaben der Stadtverwaltung laufen Gespräche mit einem neuen Interessenten für den Rathauskeller. Weitere Details will man noch nicht nennen.

Quelle: RP
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