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Düsseldorf
Das alte Gewürzhaus zieht an die Kapuzinergasse

Düsseldorf. Anfang des kommenden Jahres soll der kleine Familienbetrieb umziehen. Von Hans Onkelbach

Dieses Geschäft ist das letzte Stück Düsseldorfer Altstadt, das sich seit Jahrzehnten nicht verändert hat - das Gewürzhaus an der Mertensgasse. Nun ist auch das vorbei, eine Ära geht zu Ende, es wird dort bald keine Kräuter, kein Curry, kein Chili - vor allem aber: keinen Mostert mehr geben. Das ist für die unzähligen Fans des kultigen Mini-Ladens ein Schock. Aber sie müssen sich nicht wirklich sorgen: Eine neue Ära beginnt, und zwar nur wenige Meter entfernt. Inhaberin Marie-Luise Seegers (75) und ihre Tochter Kerstin-Miriam haben an der Kapuzinergasse (also Richtung Carlsplatz) eine neue Bleibe gefunden. In der ersten Januarhälfte, sozusagen während der Weihnachtsferien, wird umgezogen.

Bei den Gründen mögen sich die Damen nicht konkret festlegen. "Es wurde Zeit," sagte Chefin Marie-Luise Seegers.

Der alte Laden, 16 Quadratmeter groß und ab dem dritten Kunden vor dem winzigen Tresen hoffnungslos überfüllt, ist ein Gesamtkunstwerk der nostalgischen Art. Auf gezimmerten Regalen stehen viele Dutzend Gläser mit verschiedenen Gewürzen. Vermutlich gibt es kein Kraut weltweit, das man dort nicht kaufen kann. Tüten mit verschiedenen Mischungen werden per Stempel beschriftet, die Stempelsammlung an der Wand ist eindrucksvoll.

Es riecht wie auf einem Bazar im Orient, Piment, Nelken, Kümmel, Pfeffer, Paprika machen einen Duft, der in der Nase kribbelt. An einem kleinen Schaukasten hängen zig Ansichtskarten aus der ganzen Welt - Fan-Post, sozusagen, für die Spice-Girls der Düsseldorfer Altstadt. Den Vergleich nehmen die beiden Damen kichernd zur Kenntnis: "Die haben aber mehr Geld als wir!" Stimmt wohl.

Es stimmt aber auch, dass Mutter und Tochter sich auf ihre Düsseldorfer Stammkundschaft verlassen kann. Und die kommt vor allem wegen des berühmten Mosterts der seligen Witwe Bergrath: hellbraun ist er, mittelscharf, und er wird aus großen Keramiktöpfen abgezapft. Entweder in mitgebrachte Behältnisse, oder in unterschiedliche Gläser, die die beiden Frauen bereithalten. Eingepackt wird in alte Zeitungsseiten. Wer will, kann den Senf auch in den berühmten grau-blauen Keramipöttchen kaufen. 25 bis 30 Zehn-Kilo-Eimer der sämigen Gewürzmischung fließen pro Woche in die Gläser. Auch bei Touristen ist das Traditionshaus eine beliebte Adresse.

Im neuen Geschäft soll alles ein bisschen leichter werden, aber die Kunden sollen nicht auf ihre gewohnte Umgebung verzichten: Soweit es geht, will man die Einrichtung mitnehmen. Aber sie ist halt in die Jahre gekommen: Als Marie-Luise Seegers den Laden Anfang der 1960er Jahre übernommen hatte, war das meiste schon da - und schon damals nicht mehr alles ganz taufrisch.

Quelle: RP
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