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Analyse
Das Foto-Festival und die großen Erwartungen

Düsseldorf. Die Politik hat sich einstimmig für ein Foto-Festival ausgesprochen. Das Potenzial dafür ist groß. Die Ampel-Koalition träumt aber gleich von einem Weltereignis wie der Biennale in Venedig. Vielleicht geht es in Düsseldorf einfach nicht kleiner. Von Arne Lieb

Düsseldorf soll also ein herausragendes Foto-Festival bekommen. Der Kulturausschuss hat einstimmig die Stadtverwaltung beauftragt, ein Konzept zu entwickeln. Die Idee: Das privat organisierte Photo Weekend wird auf zehn Tage erweitert. Zugleich wirken die städtischen Museen (und möglichst auch die Kunstsammlung NRW) stärker mit.

Das klingt vielversprechend. Allerdings sind die Erwartungen so hoch, dass man Angst bekommen muss. Die Politik träumt von einem "internationalen Leitfestival der Fotografie und Videokunst". So steht es in dem Antrag, der federführend von der FDP stammt. Die Liberalen wünschen sich zudem, dass das Festival die ganze Stadt mitzieht. Und nennen dazu auch gleich ein paar Vorbilder aus der Kategorie Weltspitze: die Biennale in Venedig zum Beispiel, oder die Kunstmesse Art Basel.

Vielleicht geht es in Düsseldorf einfach nicht kleiner. Wenn hier eine Idee auf den Tisch kommt, muss der Anspruch Weltklasse sein. Die Erfahrung zeigt leider auch, dass am Ende selten Weltklasse rauskommt. Meist enden solche Projekte eher in der Kategorie Gernegroß und bestätigen damit jedes Klischee über diese Stadt. Es steht zu befürchten, dass auch das neue Festival diesen Weg geht. Die Organisatorin des Photo Weekends jedenfalls mahnt, langsamer vorzugehen. Clara Maria Sels unterstützt den Plan (sie hatte einen solchen Vorschlag ja auch schon vorgestellt). "Aber es ist wichtig, keinen Schnellschuss zu machen", sagt Sels.

Diese Sorge ist nicht unbegründet. Zumal die Politik bislang erstaunlich geringe Summen für ihre hehren Ziele in Aussicht stellt. 300.000 Euro lautet der erste Vorschlag. Fachleute halten es für ausgeschlossen, mit einem solchen Betrag ein großes Festival auszurichten. Traut sich die Politik also, erheblich mehr zu geben? Angesichts der klammen Stadtkasse wohl nicht. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe soll jetzt jedenfalls aus der Wunschliste eine konkrete Planung erarbeiten. Vielleicht gelingt ihm ja ein Top-Festival zum Sparpreis.

Der Traum von einem Düsseldorfer Gegenstück zur Biennale ist übrigens nicht neu. Das war auch der Anspruch der Quadriennale. Zur Erinnerung: Das war dieses (erheblich teurere) Kunstfest, das Düsseldorf ebenfalls international strahlen lassen sollte. Die Ampel-Kooperation beerdigte es 2014. Denn es hatte die hohen Erwartungen nie erfüllt.

Quelle: RP
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