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Düsseldorf
Das Geschäft mit dem Freiwilligendienst

Düsseldorf: Das Geschäft mit dem Freiwilligendienst
In den Schwanenhöfen in Düsseldorf-Flingern ist der Sitz des Start-ups Volunteerworld (Bild: Geschäftsführer Pascal Christiaens). FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Volunteerworld ist ein Düsseldorfer Start-up, das seit zwei Monaten Helfer zu sozialen Projekten in alle Welt vermittelt. Von Henning Rasche

Hinten links in der Ecke sitzt Volunteerworld. Vorbei also an unzähligen Weinkisten aus Pappe. Vorbei an tristen halbhohen Trennwänden, wie sie die Großstadtbüros unserer Zeit aufteilen. Vorbei auch an einer halben Küche, deren Kochzeile mehr wie eine smarte Bar wirkt. Kartons, Ordner, all das liegt hier etwas wirr auf dem Fußboden. Doch die drei, die sich um ein Oval aus Konferenztischen und Ledersesseln mit großen Computerbildschirmen versammelt haben, stört das nicht.

Steffi und Tarah bleiben sitzen, Pascal Christiaens springt zur Begrüßung auf. Den Besuch hatte er erwartet. Christiaens ist Geschäftsführer dieser Firma, deren ganze Konzernzentrale nicht viel mehr bietet als das beschriebene. Ein paar Tische, ein paar Stühle, ein paar Computer. Und, natürlich, eine Espresso-Maschine. Ein Büro inmitten anderer Büros, neben anderen Start-ups, mäßig ausgeschildert in den Schwanenhöfen, Flingern.

Wer jung und innovativ ist, gründet heutzutage ein Start-up - in der Hoffnung auf das große Geld. Pascal Christiaens, der mit Kumpel Felix Rädel das Start-up Volunteerworld gegründet hat, redet lieber von solider Finanzierung als von großen Gewinnen. "Unser Drei-Jahres-Ziel ist es, dass wir uns von alleine tragen", sagt er. Dazu müsste Volunteerworld genug Geld einspielen, um die Kosten zu decken. Und am besten noch deutlich mehr.

Hanna Verfürden arbeitete in einem Heim in Saigon (Vietnam). FOTO: Privat

Volunteerworld will Freiwillige und Hilfsprojekte in der ganzen Welt verbinden. Wenn also jemand in Kambodscha, Sri Lanka oder Texas Gutes tun möchte, kann er sich auf der Internetseite der Volunteerworld entsprechende Projekte heraussuchen. Freiwillige aus aller Welt treffen auf Hilfsprojekte aus aller Welt. Volunteerworld regelt dabei den Bewerbungsprozess. Von den derzeit rund 400 Programmen sind einige kostenfrei, für die meisten anderen aber muss der Freiwillige bezahlen. Je länger der Aufenthalt, desto günstiger wird es für den Helfer, weil die Projekte erst bei längeren Einsätzen auch finanziell profitieren. Ihnen entstehen durch die Einbindung der Helfer Kosten, schließlich müssen diese auch eingearbeitet werden.

Das ist auch Hanna Verfürden klar geworden, die in diesem Frühjahr in Saigon in Vietnam für ein Kinderheim gearbeitet hat. Sie habe zwar für ihren Einsatz zahlen müssen, aber dadurch waren auch Unterkunft und Verpflegung vor Ort abgedeckt. Dass sie Geld bezahlt, um Arbeiten zu können, findet Hanna Verfürden in Ordnung. Sie sieht das als eine Art Spende an die Organisation an, denn immerhin soll das Geld des Projekts an Bedürftige fließen und nicht an die Freiwilligen.

Volunteerworld verdient nur an der Vermittlung, wenn das Programm für den Volontär kostenpflichtig ist. Dann bekommt das Start-up rund 15 Prozent Provision. Je teurer das Projekt für den Freiwilligen, desto mehr verdient Volunteerworld. Pascal Christiaens, der vorher für Banken gearbeitet hat. Ihm ist die soziale Idee wichtig. In der Finanzwirtschaft habe ihm der Sinn gefehlt.

Wie hoch eine solche Provision im Durchschnitt ist, gibt Christiaens noch nicht bekannt. Denn: Erst seit zwei Monaten ist die Webseite online. Pro Monat haben etwa 15 000 Menschen volunteerworld.com besucht. Vier Bewerbungen erhält das Start-up pro Tag. "Das liegt über unseren Erwartungen", sagt er. "Wir hätten nicht gedacht, dass wir so schnell so viele Leute erreichen." Das insgesamt elfköpfige Team bietet neben der Suchmaschine auch Finanzierungen per Crowdfunding, Reiseversicherungen und das klassische Reisegeschäft an.

Volunteerworld muss Geld verdienen - auch mit einer guten Sache. Für die Umsetzung ihrer Idee brauchten Rädel und Christiaens allerdings Starthilfe. Die haben sie bei den Münchner "Business Angels" bekommen, Privatleute, die in ein soziales Start-up investieren wollten. Bedingung für die Finanzierung war ein Konzept, dass ohne weitere Hilfe überleben kann, sich also selbst trägt.

Die Idee, Volunteerworld zu gründen, hatten die beiden 2007. Rädel jobbte in Namibia als Tennistrainer. Weil die Organisation zäh lief, dachten sie sich, dass man das vereinfachen müsste. Genau damit wollen sie nun Geld verdienen.

Quelle: RP
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