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Düsseldorf
Das Görres sucht den Schulfrieden

Düsseldorf: Das Görres sucht den Schulfrieden
Peter Labouvie ist einer der erfahrensten Schulleiter der Stadt. Zurzeit führt er neben dem Gymnasium Koblenzer Straße auch das Görres. FOTO: A. Endermann
Düsseldorf. Seit sieben Jahren kommt das Traditionsgymnasium an der Königsallee nicht zur Ruhe. Nach wie vor kann sich die Schulkonferenz auf keinen Schulleiter einigen. Jetzt soll ein Mediator den Weg zu einem Neubeginn ebnen. Von Jörg Janssen

"Die persönliche Entfaltung und das auf Verständigung bauende Miteinander sind zwei gleichermaßen bedeutsame Ansprüche unseres Bildungs- und Erziehungsauftrags." (Homepage des Görres Gymnasiums)

Das von Auseinandersetzungen und einem Dauer-Streit um seine Schulleiter erschütterte humanistische Gymnasium versucht einen Neuanfang. In dieser Woche traf sich die amtierende Schulpflegschaft mit Regina Schultz-Möller an der Spitze. "Die Schulpflegschaft hat einhellig zum Ausdruck gebracht, die Querelen der Vergangenheit zu beenden", heißt es wörtlich in einer von Schultz-Möller und dem kommissarischen Schulleiter Peter Labouvie unterzeichneten Mitteilung. Erste Gespräche gab es an der Schule auch mit dem von der Bezirksregierung eingesetzten externen Mediator Christoph Hutter. Der Mann, der sich öffentlich nicht äußern will, soll im Kollegium und bei der am Görres sehr einflussreichen Elternschaft für einen konstruktiven Umgang miteinander sorgen, endlich den Weg für eine dauerhafte Lösung der leidigen Streitfragen ebnen.

Bis dahin, so ist aus der Bezirksregierung zu hören, wird die Stelle erst einmal nicht ausgeschrieben. Das Desaster um die kommissarische Leiterin und vormalige Vize-Rektorin Antonietta Zeoli soll sich auf keinen Fall wiederholen. Die Pädagogin mit italienischen Wurzeln hatte sich im Glauben erwünscht zu sein, beworben, war dann aber doch im letzten Moment von der Schulkonferenz abgelehnt worden.

Doch trotz des jüngsten Bekenntnisses der Pflegschaft sind einige in der Elternarbeit engagierte Mütter und Väter schon wieder besorgt. Sie lesen die Mitteilung so, dass man für die Eltern (im Gegensatz zu den Lehrern) am liebsten auf das Mediationsverfahren verzichten möchte. Tenor: Wir erklären die Querelen für beendet und machen das Verfahren somit entbehrlich. Genau das halten diese Mütter und Väter aber für falsch. Genauso sieht es auch die Bezirksregierung. "Die Mediation ist für Kollegium und Elternschaft gleichermaßen angesetzt", sagt eine Sprecherin. Dies entspreche auch dem, was der Petitionsausschuss des Landtages den Akteuren an der Schule mit auf den Weg gegeben habe.

Positiv sehen die Schülersprecher Lei-ling Ng (16) und Paul Marx (18) den Einsatz des Mediators. Über den künftigen Schulleiter sagen sie: "Wir brauchen niemanden, der das Görres neu erfindet, aber schon einen Menschen mit Charisma, der zugleich einen guten Draht zur Elternschaft entwickelt." Kritik, die Schulkonferenz habe "undemokratisch" gehandelt, als sie Antonietta Zeoli nicht zur Schulleiterin wählte, weisen die beiden zurück. "Überraschend war dieses Votum vielleicht für die unteren Jahrgänge, die bestimmte Vorgänge der Vergangenheit nicht aus eigener Anschauung kannten", sagt Marx. Damit spielt er auf den Streit um die Pensionierung des früheren Chorleiters und musikalischen Spiritus Rector des Görres-Gymnasiums Ulrich Brall an. Der hatte bis zum 68. Lebensjahr weiterarbeiten wollen, war dann aber mit 67 pensioniert worden und darüber mit der damaligen Schulleiterin Christine Leithäuser in einen erbitterten Streit geraten. "Zeoli hat später als Vize-Schulleiterin versucht, die Wogen zu glätten. Anderseits war aber bei ihr keine klare Positionierung zum Fall von Ulrich Brall erkennbar. Das mag in die Entscheidung einiger Eltern hineingespielt haben", meint Marx.

Dem Görres stehen nun spannende Wochen bevor. Die Eltern wählen neue Pflegschaften. Einige setzen auf Kontinuität, andere Mütter und Väter verweisen auf den Leitspruch der mehr als 400 Jahre alten Bildungsanstalt "Sapere aude" (etwa: Wage es, weise zu sein) und hoffen auf einen personellen Neugebinn - eine Art "Stunde null" für das Gymnasium an der Kö.

Quelle: RP
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