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Düsseldorf
Das kleine Haus der Düsseldorfer Geschichte

Düsseldorf: Das kleine Haus der Düsseldorfer Geschichte
Der Eingang zu den Schauräumen in der U-Bahn-Station: Auf der oberen Ebene wird die Arbeit der Archäologen erklärt, auf der unteren sind die Fundstücke zu sehen. FOTO: Bretz Andreas
Düsseldorf. Verpasste oder richtig verspätete Bahnen sind ab sofort an mindestens zwei Düsseldorfer Stationen ein zu vernachlässigendes Problem. Von Christian Herrendorf und Andreas Bretz (Fotos)

Am U-Bahnhof "Benrather Straße" ist seit Februar der animierte Flug mit einem Raumschiff durch unser Sonnensystem von Künstler Thomas Stricker zu sehen, an der "Heinrich-Heine-Allee" ist ab Sonntag der Archeo-Point geöffnet. Das 1,5 Millionen Euro teure Projekt dient dem Erhalt der historischen Stücke, die bei den Bauarbeiten für die Wehrhahn-Linie und den Kö-Bogen entdeckt wurden.

Die Ausstellung ist klug und leicht nachvollziehbar konzipiert. Auf der oberen Ebene lernen die Besucher, wie Archäologen grundsätzlich arbeiten und wie sie im speziellen Fall Düsseldorf vorgegangen sind. Dort ist zum Beispiel aufgelistet, was alles in der Erde der Landeshauptstadt entdeckt wurde: 120.837 Funde und 1693 Befunde haben die Historiker registriert. Dazu zählen 214 Kinderspielzeuge, 226 Senftöpfe, 2906 Tabakspfeifen und 6206 Tierknochen. Den Löwenanteil machen die 90.365 Geschirrkeramik-Teile aus.

Wer die Treppe hinunter geht, stößt auf einige dieser Stücke. Die Plattform dort liegt gut neun Meter unter der Erde und bietet deshalb eine gute Position, um die Teile der Stadtbefestigung zu besichtigen, die in ihrer Originaltiefe wieder aufgebaut wurden.

Die Ausstellung ist auf der unteren Ebene chronologisch aufgebaut. Es beginnt mit einem Zeitpunkt, der bis zu 30.000 Jahre zurückliegen könnte. Im Boden des Archeo-Points ist die Replik eines Stoßzahns eingelassen, den ein Wollhaarmammut verloren hat, als es vor sehr langer Zeit durch die rheinische Ebene stapfte. Der Zeitstrahl macht anschließend einen großen Sprung ins Gründungsjahr der Stadt. 1288, nach der Schlacht von Worringen, erhielt das kleine Dorf an Rhein und Düssel seine Stadtrechte. Damals lebten hier noch so wenige Menschen, dass keine größere Befestigung erforderlich war. Diese folgte erst in der frühen Neuzeit.

Um ein Stück der Bastion und der Kontergarde für den Archeo-Point zu retten, war ein beachtlicher Aufwand erforderlich. In der Nähe des Breidenbacher Hofs waren während des U-Bahnbaus Teile der Flinger Bastion aus dem 16. Jahrhundert entdeckt worden. Eine Fachfirma nummerierte und kartierte die Steine und begann im April 2013, die Reste der Bastion wiederaufzubauen. Am Kö-Bogen lagen ein 20 Meter langes Mauerstück der sogenannten Flinger Kontergarde aus dem 18. Jahrhundert. Da die Mauer nicht als Ganzes geborgen werden konnte, wurde sie mit einer Diamantsäge in fünf Segmente geteilt, diese jeweils 15 Tonnen schweren Stücke wurden anschließend mit einem Kran auf einen Tieflader gehoben und später in den Archeo-Point gebracht.

Dort ist nun doppelt gut nachzuvollziehen, wie die Befestigungsanlagen aussahen, bevor Napoleon sie Anfang des 19. Jahrhunderts weitgehend abreißen ließ. Bastion und Kontergarde stehen wie damals voreinander, so dass die Besucher verstehen, wie sich die Stadt mit diesen beiden Ringen und dem Wassergraben dazwischen geschützt hat. Ein extra für die Ausstellung programmierter Film mit Untertiteln veranschaulicht, wo sich die Teile in der Anlage befunden haben.

Entlang der Treppe zum Ausgang sind die Bauarbeiten der 2000er zu sehen, auf dem letzten Schild der Reihe steht "Jetzt". Auf dem ersten am Eingang steht "Hier".

Quelle: RP
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