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Die Woche im Rathaus
Das kurze Gedächtnis der Tour-Befürworter

Fotos: Pressekonferenz zum Tour Start 2017 in Düsseldorf
Fotos: Pressekonferenz zum Tour Start 2017 in Düsseldorf FOTO: dpa, mjh fdt
Düsseldorf. Richtig blass sahen sie aus, die Fraktionschefs von SPD und Grünen. Dabei hatten sie an diesem 5. November durchgesetzt, dass sich Düsseldorf um den Auftakt der Tour de France 2017 bewirbt. Die Umstände allerdings führten zu einem Eklat. Von Arne Lieb

Der äußerst kühne Plan, in geheimer Abstimmung Abweichler von CDU und FDP zu gewinnen, scheiterte. Stattdessen kam die Mehrheit offenkundig nur zustande, weil die Ratsleute von AfD und Republikanern zustimmten. Die Grünen ließen sofort die Sitzung unterbrechen, man sprach sich hinter verschlossenen Türen aus.

Dann traten die Fraktionschef vor die Medien, und sie wirkten wirklich schockiert. Markus Raub (SPD) sagte: "Die Tour können wir mit einer solchen Mehrheit nicht durchsetzen." Man müsse für die nächste Abstimmung eine breitere Basis suchen. So sahen es auch die Grünen.

Auch wenn man es bei der Euphorie über den Zuschlag für Düsseldorf gern vergisst: Auch zwei Monate später ist diese breitere Mehrheit für das Gastspiel der Tour de France keineswegs gefunden. Aber was gelten die Ankündigungen von damals eigentlich wirklich noch? Sicher, von SPD und Grünen heißt es, an der Haltung habe sich nichts geändert. Sie hoffen immer noch auf folgenden Fall: Oberbürgermeister Thomas Geisel, dessen Ungeduld viele bei Rot-Grün für das Fiasko verantwortlich machen, präsentiert bald ein Finanzierungskonzept mit zahlreichen Sponsoren - und überzeugt die CDU. Deren Nein wirkte weniger kategorisch als das der FDP, dem eigentlichen Kooperationspartner.

Ist dieser Fall realistisch? Eher weniger. Der Ärger nach der ersten Abstimmung hat den OB jedenfalls in eine katastrophale Verhandlungsposition gegenüber der Opposition gebracht. Wahrscheinlicher ist noch, dass CDU oder FDP am Ende umkippen, weil sie sonst die Blamage mitverantworten müssten, dass Düsseldorf sich von der Tour zurückziehen muss. So kann man auch Politik machen.

Interessanterweise ist auch nicht ausgeschlossen, dass sich das Problem auf stille Weise löst: Es ist fraglich, ob eine weitere Abstimmung im Stadtrat überhaupt nötig ist. Alles, was bisher geschah, ist durch den Beschluss vom November gedeckt. Es könnte sich ein Konstrukt finden, mit dem sich auch die weiteren Schritte am Stadtrat vorbei realisieren lassen.

Wie auch immer es ausgeht: Der politischen Kultur hat diese November-Sitzung geschadet, und daran ändert auch alle Freude über den Grand Départ nichts. Der Republikaner, der bislang vor allem durch unappetitliche Anfragen zu Ausländerfragen aufgefallen war, tönt nun, man hätte ihn zur Tour-Gala einladen müssen, schließlich habe er sie vielleicht erst ermöglicht. Und die Spitzen von SPD und Grünen feierten die Tour dort mit einer so gesunden Gesichtsfarbe, wie man sie nach diesem katastrophalen Abend im Stadtrat gar nicht mehr erwartet hätte.

Quelle: RP
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