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Düsseldorf
Das Modell-Jobcenter von Holthausen

Düsseldorf: Das Modell-Jobcenter von Holthausen
Burkhard Hintzsches (v.l.) Online-Termin als Wartenummer. Daneben: Jobcenter-Chef Ingo Zielonkowsky und Roland Schüßler, Chef der Arbeitsagentur. FOTO: Orthen
Düsseldorf. Der Standort Süd ist innerhalb der Reisholzer Werftstraße umgezogen. Bis Sommer läuft der Digital-Versuch. Ist das Fazit positiv, sollen die Jobcenter Nord und Mitte bis Jahresende ebenfalls ein Online-Portal bekommen. Von Andrea Röhrig

Die Landeshauptstadt ist ein wenig klamm; aber es ist bei weitem nicht so schlimm, als dass ein Stadtdirektor sein Gehalt vom Jobcenter aufstocken lassen müsste, um über die Runden zu kommen. Den Online-Termin beim Jobcenter Düsseldorf-Süd an der Reisholzer Werftstraße hatte Burkhard Hintzsche im Vorgriff auf das Pressegespräch vereinbart, um die neue Technik am Fallbeispiel demonstrieren zu können.

Denn die ist beispielhaft. "Wir sind das erste Jobcenter deutschlandweit, in dem Online-Termine gemacht werden können", sagt Jobcenter-Chef Ingo Zielonkowsky. Start des Projektes war mit dem Umzug in die neuen Räumlichkeiten zum 16. Dezember. In den ersten drei Monaten 2017 sind die Zahlen der über die Onlineseite vereinbarten Termine kontinuierlich gestiegen: Januar 354, Februar 387, März 641. Wer sich einen Termin reserviert hat, und zur angegebenen Zeit ins Jobcenter kommt, steht innerhalb weniger Minuten vor einem Mitarbeiter. Mit der analogen Methode, die nach wie vor möglich ist, zieht der Kunde eine Nummer und wartet, bis diese aufgerufen wird.

Und so funktioniert es: Burkhard Hintzsche hält das Smartphone, auf dem der QR-Code mit dem Termin gespeichert ist, unter das Lesegerät, das seine Wartenummer ausdruckt. Wenige Minuten später erscheint sie auf einem Monitor: Die Mitarbeiterin an Schalter 16 beantwortet die - nicht vorhandenen - Fragen des Stadtdirektors zu seinem ebenfalls nicht existenten Leistungsbescheid. Und selbst wenn man nicht Hintzsche heißt, geht es für die Kunden, die sich online einen Termin reserviert haben, zügig.

Das funktioniert auch deshalb so gut, weil mit dem Umzug des Jobcenters 100 Meter Luftlinie vom alten Standort entfernt auch der Bereich umstrukturiert wurde, in dem Kunden auf Mitarbeiter treffen. An Schaltern werden die Klienten ihre Fragen los. Nur zeitaufwendigere Beratungen finden in Büros mit Sitzgelegenheiten statt. Das neue System kommt allen Klienten zugute, auch denen, die das neue Online-Werkzeug nicht nutzen können oder wollen. Der Wartebereich ist an diesem Vormittag zwar gut gefüllt, aber längst sind nicht alle 60 Sitzplätze besetzt. "Das Online-Instrument entzerrt", sagt Zielonkowsky und führt aus, dass es seit der Einführung der neuen Technik noch keinen Tag gegeben habe, an dem der Wartebereich überlaufen gewesen sei. Wer regelmäßig ein Jobcenter aufsuchen muss, weiß, dass das anderswo noch Realität ist.

Nach Ostern soll eine Online-Terminvergabe beim persönlichen Arbeitsvermittler möglich sein. Zudem sollen bald Nutzer auf der Internetseite des Jobcenters sehen können, wie lange die aktuelle Echtwartezeit ohne Terminvergabe ist - und sich dann entscheiden, zu einer anderen Zeit hinzugehen. Durch den Umzug hat sich das Ambiente verbessert - sowohl für die Kunden als auch die Mitarbeiter. Die Wand-Graffiti verweisen darauf, worum es im Jobcenter geht. Die Vermittlung in Arbeit, wie es Roland Schüßler, Leiter der Arbeitsagentur, ausdrückt. Die Arbeitsagentur und die Stadt sind Träger des Jobcenters. Dort werden Menschen betreut, die Leistungen nach Hartz IV beziehen.

Der Modellversuch läuft bis Sommer. Wenn die Bewertung positiv ausfällt, sollen bis Jahresende die Anlaufstellen im Norden und in der Stadtmitte mit einem Onlineportal nachgerüstet werden.

Quelle: RP
 
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