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Serie Düsseldorfer Plätze
Das müssten sich die Architekten von heute mal ansehen

Serie Düsseldorfer Plätze: Das müssten sich die Architekten von heute mal ansehen
Der Kinderspielplatz auf dem Michaelplatz. Die Wohnungsbauten drumherum stammen aus den 1920er Jahren. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Der Michaelplatz in Bilk ist eigentlich nur ein von Häusern umstandener Durchgang. Doch zeigt er, wie guter Wohnbau funktioniert. Von Torsten Thissen

Bilk Ein paar Kinder schaukeln, die Mütter sitzen auf den Bänken, die eine liest unglaublicherweise ein Buch, während die andere auf ihr Smartphone schaut, was ziemlich erwartbar ist. Ansonsten herrscht eine brüchige deutsche Mittagsruhe, einzuhalten zwischen 12 und 14 Uhr. Der Michaelplatz wäre herzlich uninteressant, eine schlichte Verbindung zwischen zwei Häuserblöcken, die begrünt und mit Spielgeräten versehen ist, wären die Häuser nicht so interessant.

Es sind Backsteinhäuser aus den 1920er Jahren, Mietbauten, die wegen geringer Ressourcen und Wohnungsnot schnell hochgezogen wurden und dennoch auch heute noch interessant sind. Denn auch damals war Düsseldorf eine wachsende Stadt. Und auch damals gab es eine Diskussion um die Fassaden, Backstein gegen Putz und die jeweiligen Anhänger standen sich unversöhnlich gegenüber. Nachzulesen ist das in der Doktorarbeit des Kunsthistorikers Holger Rescher über die "Backsteinarchitektur der 1920er Jahre in Düsseldorf".

Hier sind neben dem Wilhelm-Marx-Haus und der Tonhalle auch die Häuser rund um den Michaelplatz erwähnt. Für Rescher gehören sie "zu den herausragendsten Beispielen gemeinnützigen Wohnungsbaus in Düsseldorf." Sie wurden in den Jahren 1927/28 für den Arbeiterbauverein "Freiheit" errichtet. Weiterer Bauherr war die Stadt Düsseldorf. Fritz Hofmeister war der Architekt der Bauten. Bei ihrer Entstehung waren die Häuser einzigartig, nicht nur durch ihre Gestaltung, sondern auch in ihrem Komfort.

Insgesamt befanden sich in dem Wohnblock 470 Wohnungen 196 mit vorwiegend Zwei- und Dreizimmerwohnungen und nur wenigen Vierzimmerwohnungen. Die Wohnungen waren in sich abgeschlossen, mit einer Zimmerhöhe von drei Metern und großen Fenstern mit Oberlüftung. Loggias und Balkonen im Innenhof sorgten für ausreichende Durchlüftung. Die Küchen waren als Wohnküchen eingerichtet, wobei aus Gründen der Raumersparnis anstatt Speisekammern Speiseschränke unter den Außenfenstern der Küchenfenster eingebaut wurden.

Auch die hygienische Grundausstattung war durch Badezimmer in jeder Wohnung vorbildlich. Der Hof war damals mit Teppichklopfstangen und Kinderspielplätzen versehen. Auch Fernheizung, Wäscherei, Plätterei, Badeanstalt und ein Kinderhort waren untergebracht. Hier testete die Stadt die Wirtschaftlichkeit dieser Zusatzeinrichtungen, die man damals höchstens aus den USA kannte. Die Anlage war die modernste ihrer Zeit in Deutschland und Vorbild für viele weitere.

Vielleicht sollten heute Architekten einmal einen Blick auf den Michaelplatz wagen. Schaden kann es sicher nicht.

Quelle: RP
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